Erdverlegte Armaturen müssen im Störungs- und Betriebsfall zuverlässig erreichbar und bedienbar sein. Lässt sich ein Schieber oder eine andere Armatur nicht mehr betätigen, liegt die Ursache jedoch nicht zwangsläufig an der Armatur selbst. Häufig ist die Verbindung zwischen Straßenkappe und Armatur – die Einbaugarnitur – beschädigt, falsch montiert oder im Laufe der Nutzungszeit beeinträchtigt worden. Typische Schadensbilder sind abgerissene oder verbogene Gestänge, Versandungen, ungeeignete Gestängelängen oder fehlende Bauteile. Auch Einbaufehler aus der Bauphase können die Bedienbarkeit später beeinträchtigen, etwa wenn Bauteile nicht fluchtgerecht montiert oder durch Bautätigkeiten verformt wurden. Einbaugarnituren übernehmen als Bedienelement zwischen Straßenoberfläche und Armatur eine zentrale Funktion. Teleskopierbare Ausführungen können unterschiedliche Einbautiefen sowie Lageveränderungen ausgleichen.

Geöffnete Straßenkappe vor Verfahrensbeginn (© Kettler Utility Communication GmbH)
Zugang ohne klassisches Kopfloch
Bei der Einbaugarnituren-Rehabilitation der Kettler Utility Communication GmbH wird die Schadstelle nicht über ein herkömmliches Kopfloch freigelegt. Der Zugang erfolgt unmittelbar durch die vorhandene Straßenkappe. Nach dem Öffnen der Kappe wird mittels Absaugung ein ringförmiger Arbeitsraum bis zum Oberteil der Armatur hergestellt. Anschließend prüfen die Fachkräfte den Zustand von Gestänge, Verbindungselementen und Armaturenspindel.
Je nach Schadensbild wird die vorhandene Einbaugarnitur instandgesetzt, meist aber durch eine neue teleskopierbare Einbaugarnitur ersetzt. Danach wird der Ringraum mit einem Flüssigboden wieder verfüllt. Der Eingriff soll sich damit auf den Bereich innerhalb der Straßenkappe beschränken.
Von der Idee zur wiederkehrenden Instandhaltungsmaßnahme

Herstellen eines Ringraums, um die defekte Einbaugarnitur zu entfernen (© Kettler Utility Communication GmbH)
Nach Angaben von Kettler wurden erste Maßnahmen dieser Art bereits 2015 durchgeführt. Seither wurde das Verfahren weiterentwickelt und in unterschiedlichen Versorgungsnetzen eingesetzt. Die Kernaufgabe ist unverändert: die Bedienbarkeit einer grundsätzlich funktionsfähigen Armatur wiederherzustellen, ohne die Fahr-bahn großflächig öffnen zu müssen. Für Versorger liegt ein wesentlicher Vorteil darin, dass gemeldete Lastfälle mit geringem Zeit- und Kostenaufwand beheben lassen. Dadurch können sowohl die Dauer der Maßnahme als auch die Bindung eigener Personalressourcen reduziert werden.
Entscheidend sind aber auch einige wenige bauliche Rahmenbedingungen. Die Straßenkappe muss ausreichend dimensioniert sein, mindestens 80 mm im Durchmesser, um den Ein-und Ausbau der Bauteile zu ermöglichen. Auch die Einbautiefe beeinflusst die Durchführbarkeit des Verfahrens. Nach Angaben von Kettler liegt die praktische Grenze bei etwa 2,0 m.
Kurze Bauzeit, begrenzter Eingriff
Die Rehabilitation umfasst die Einrichtung der Baustelle, die Herstellung des Ringraums, die Zustandsanalyse, die Instandsetzung oder den Austausch der Einbaugarnitur, deren Montage sowie die anschließende Verfüllung. Grundsätzlich beansprucht diese Form der Instandsetzung wenige Stunden gegenüber einer konventionellen Tiefbaumaßnahme mit Freilegung und anschließendem Oberflächenwiederaufbau, die meist mehrere Tage in Anspruch nimmt. Besonders in dicht bebauten Bereichen und auf stark befahrenen Straßen kann dies von Bedeutung sein. Kurze Arbeitsfenster, kleinere Verkehrsflächen und eine geringere Lärmbelastung erleichtern die Organisation solcher Maßnahmen. Bei hohem Ver-kehrsaufkommen kann die Durchführung auch in Nachtstunden erfolgen.

Freigelegtes Oberteil der Schieberarmatur (© Kettler Utility Communication GmbH)
Anwenderberichte: Entlastung von Personal und Tiefbau
Wie die Methode in der Praxis wahrgenommen wird, zeigen Aussagen von Netzbetreibern, die das Verfahren nach eigenen Angaben bereits einsetzen. Nils Dohmen von der Regio-netz GmbH in Aachen sieht vor allem Vorteile bei Personalbindung und Tiefbauaufwand: „Die zwei größten Vorteile sehe ich in der Personal-und Kosteneinsparung. Wenn wir die Gestänge eigenständig mithilfe eines Tiefbauunternehmens instand setzen müssten, wären wir schätzungsweise zwei- bis dreimal so lange mit der Maßnahme beschäftigt – plus die Wartezeit, bis die Oberfläche wiederhergestellt wurde. Mit der Unterstützung der Firma Kettler Utility Communication GmbH können wir eigenes Personal an anderen Orten einsetzen. Zusätzlich sind Kosteneinsparungen im Bereich des Tiefbaus von mehreren tausend Euro möglich.“
Auch beim Zweckverband Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung Eisenberg wird auf Verkehrs- und Bauzeitvorteile verwiesen. Herr Baumann erklärt: „Durch die kurzen Montagezeiten sowie kurzfristige Straßensperrungen war es möglich, im städtischen Bereich, vor allem bei stark befahrenen Straßen, Einbaugarnituren in kurzer Bauzeit und bei geringer Lärmbelästigung zu erneuern.“
Funktionsfähiger Zustand von Armatur und Einbaugarnitur nach Abschluss des Verfahrens – ohne Eingriff in die Straßenoberfläche (© Kettler Utility Communication GmbH)
Herr Scollick von der WSW Energie & Wasser AG berichtet über mehrjährige Erfahrungen: „Seit 2016 beauftragen wir das Unternehmen für ein bis zwei Wochen pro Jahr, Schiebergestänge grabenlos auszutauschen. Im Durch-schnitt reparieren wir pro Arbeitswoche ca. 20 Gestänge. Die meisten Arbeiten können ohne große Verkehrsbeeinträchtigungen ausgeführt werden. Durch diese Arbeitsweise werden noch gut erhaltene Fahrbahnoberflächen nicht beschädigt und Folgeschäden durch Frost können nicht entstehen.“
Fazit
Die Rehabilitation von Einbaugarnituren über die Straßenkappe ist eine wirtschaftliche und oberflächenschonende Alternative zur offenen Bauweise. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen: Wird ein Störfall gemeldet, liegt die Ursache häufig nicht bei der Armatur unterhalb der Einbaugarnitur, sondern bei der Einbaugarnitur selbst. Nach Angaben von Kettler ist der Schieber in rund 90 Prozent der Fälle weiterhin funktionsfähig. Für Netzbetreiber stellt das Verfahren damit einen zusätzlichen Baustein der Instandhaltungsstrategie dar: zwischen kurzfristiger Störungsbeseitigung, Verkehrsmanagement und dem Erhalt bestehender Verkehrsflächen.
Schauen Sie sich den Verfahrensfilm zur Einbaugarnituren-Rehabilitation an, um einen ausführlichen Einblick in die Vorgehensweise zu erhalten. Zur Homepage von Kettler







