Generic filters
FS Logoi

Wasserstoffnetz: Fernleitungsnetzbetreiber lehnen Altmaier-Entwurf ab

Wasserstoffweltmeister soll Deutschland nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Altmaier werden. Auf den Startschuss warten die Branche und die Industrie seit letztem Sommer. Nun wurde endlich der lang erwartete Entwurf zur Schaffung eines Rechtsrahmens für Wasserstoffnetze vorgelegt, der den Aufbau der zukünftigen Wasserstoffinfrastruktur aus dem bestehenden Gasnetz heraus ermöglichen sollte.

von | 01.02.21

Anstatt die bestehende Gas-Infrastruktur zu nutzen, wurde nun von Seiten der Politik eine getrennte Planung und Finanzierung in Aussicht gestellt.

„Den Vorschlägen des Bundesrates zum Trotz und zur Enttäuschung der Branche und Industrie stellt Peter Altmaier ein Konzept vor, das auf eine komplett getrennte Planung und Finanzierung der beiden Netze hinausläuft. Das wird signifikant teurer für die Wasserstoffkunden und könnte den Aufbruch in die Wasserstoffwirtschaft um Jahre verzögern,” so Inga Posch, Geschäftsführerin der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas). „Weltmeister wird, wer als Erster ankommt. Mit Altmaiers Entwurf landen wir bestenfalls im Mittelfeld!”

Keine Nutzung des Gasnetzes

Die ursprüngliche Idee ist ebenso einfach wie genial: Deutschland hat ein modernes und weitverzweigtes Gasnetz. Damit und daraus lässt sich hervorragend schrittweise das zukünftige Wasserstoffnetz bedarfsgerecht entwickeln. Das ist technisch und volkswirtschaftlich sinnvoll, da es viel weniger Zeit und Geld kostet, ein Netz umzustellen als ein neues aufzubauen. „Wir sprechen von Jahren und Milliarden, die wir einsparen könnten,” erklärt Inga Posch. Doch diesem Ansatz werden angesichts des vorgelegten Referentenentwurfs des Bundeswirtschaftsministeriums viele Hürden in den Weg gelegt.

Netzentwicklungsplan Gas

Dabei stehen die Fernleitungsnetzbetreiber schon in den Startlöchern. Der Netzentwicklungsplan Gas samt Wasserstoff-Startnetz für 2030 mit ca. 1.200 km liegt seit über sechs Monaten bei der Bundesnetzagentur zur Genehmigung. Bereits Ende 2022 sollte die erste Leitung umgestellt werden. Was noch fehlt, ist die passende Regulierung.
„Jetzt soll die Regulierung zwar endlich kommen. Der Haken ist nur: Das, was jetzt auf dem Tisch liegt, wirft alles wieder über den Haufen. Die strikte Trennung von Gas- und Wasserstoffnetz schafft zahlreiche finanzielle und netzplanerische Probleme.“

Von Erdgas zu Wasserstoff

Die Planung der Netzbetreiber basierte auf dem Ansatz der Einheit aus Erdgasnetz und Wasserstoffnetz. „Das eine Netz sollte sich aus dem anderen entwickeln. Daher ist auch eine gemeinsame Finanzierung der neuen Infrastruktur durch alle Gaskunden gerechtfertigt,“ so Dr. Thomas Gößmann, FNB Gas-Vorstandsvorsitzender. Die FNB sehen den Einstieg ins Wasserstoff-Zeitalter als gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Rahmen der Dekarbonisierung. „Schließlich ist der Gaskunde von heute der Wasserstoffkunde von morgen” fährt Dr. Gößmann fort. „Die Belastung für Endverbraucher wäre dabei nach unseren Berechnungen sehr gering.”
„Wenn Mitte der 20er Jahre Wasserstoff verfügbar sein soll, können wir nicht erst Mitte der 20er Jahre mit der Netzplanung beginnen”, so Posch. „Wir sind weiter von unserem Planungsansatz überzeugt und appellieren an den Wirtschaftsminister, auf dem Weg vom Entwurf zur endgültigen Regulierung die notwendigen Korrekturen vorzunehmen. Der Bundesrat hat dafür bereits im November sehr gute Vorschläge vorgelegt.”

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau

Wie lassen sich Fern- und Nahwärmenetze unter hohem Zeit- und Kostendruck effizient realisieren? Dieser Frage widmet sich das Live-Webinar von BGS am 12. November 2026 um 11 Uhr. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Muffensysteme und ihr Einfluss auf Montageaufwand, Baustellenablauf und Wirtschaftlichkeit.

mehr lesen
IKT-Konferenz zu KI, Drohnen, Robotern weltweit: Was ist neu im Kanal?
IKT-Konferenz zu KI, Drohnen, Robotern weltweit: Was ist neu im Kanal?

Das IKT lädt Fachleute aus aller Welt zur dritten internationalen Konferenz „AI, Drones, Sensors and Robots for Smart Sewers and Urban Drainage“ ein. Am 3. und 4. Februar 2027 in Gelsenkirchen geht es um neue Technologien für Kanalnetze und Stadtentwässerung – und um die Frage, was sie in der Praxis leisten. Präsentationsvorschläge sind bis zum 31. Oktober 2026 willkommen.

mehr lesen
Ingenieure ohne Grenzen verbessern weltweit Lebensbedingungen
Ingenieure ohne Grenzen verbessern weltweit Lebensbedingungen

Der gemeinnützige Verein Ingenieure ohne Grenzen e. V. hat seit seiner Gründung im Jahr 2003 gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen im Globalen Süden zahlreiche Infrastrukturprojekte in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung, Energie und Bildung realisiert. Rund 900 Ehrenamtliche haben sich dafür in 28 deutschen Regionalgruppen organisiert. Aktuelle Projekte sind unter anderem in Sierra Leone, Tansania, Simbabwe, Uganda und Kenia entstanden.

mehr lesen
Isolierflansch-Hersteller: Mitbegründerin übergibt Geschäftsführung
Isolierflansch-Hersteller: Mitbegründerin übergibt Geschäftsführung

Claudia Suckut hat sich heute zum 1. Oktober aus der operativen Führung des Isolierflansch-Herstellers Isoflanges zurückgezogen. Steffen Rathmann hat die alleinige Geschäftsführung in Winsen (Aller) übernommen. Der Wechsel ist in das zehnte Jahr des Firmenbestehens gefallen. Die Beteiligungsgesellschaft Companion hat den Schritt als Zeichen für Kontinuität eingeordnet.

mehr lesen

Publikationen zum Thema