Eine Bürgergenossenschaft hat in einem Bremer Wohnquartier den Aufbau eines kalten Nahwärmenetzes vorbereitet, das Erdwärme für einzelne Wärmepumpen bereitstellt. Ein Forschungsprojekt von Energiekonsens und der Hochschule Bremen hat von Juni 2024 bis Juli 2026 die technischen, politischen und finanziellen Voraussetzungen für solche bürgerschaftlich getragenen Netze untersucht. Probebohrungen, Simulationen und Berechnungen haben die technische Umsetzbarkeit bestätigt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat das Projekt mit rund 170.000 Euro gefördert.
Die eingetragene Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze will in der Humboldtstraße Wärmepumpen in einzelnen Häusern an ein gemeinsames Erdwärmenetz anschließen. Probebohrungen, Simulationen und Berechnungen bestätigen die technische Machbarkeit des Vorhabens.
Ein Forschungsprojekt der Klimaschutzagentur Energiekonsens und der Hochschule Bremen begleitete den Aufbau des Netzes wissenschaftlich. Die Forschenden befragten Anwohnende, führten Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Politik und werteten Literatur sowie Dokumente aus. Das Projekt „Urbane Anergienetze als Instrument der Wärmewende in Bremen“ lief von Juni 2024 bis Juli unter der Leitung von Professor Winfried Osthorst. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte das Vorhaben mit rund 170.000 Euro.
Rund 30 Prozent des Bremer Gebäudebestands ohne klare Wärmelösung
Ein Großteil der CO₂-Emissionen im Land Bremen entsteht durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe zum Heizen von Gebäuden und zur Wassererwärmung. Bremen hat sich das Ziel gesetzt, bis 2038 klimaneutral zu werden. Wärmepumpen und Fernwärme decken einen Teil der Gebäude ab, doch für rund 30 Prozent des Bremer Gebäudebestands fehlt bislang eine klare Lösung. Das entspricht etwa 360.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr. In diesen dicht bebauten Bereichen reicht der Platz für einzelne Wärmepumpen oft nicht aus, und Fernwärmenetze erreichen die Quartiere nicht.
Kalte Nahwärmenetze, gespeist aus oberflächennaher Erdwärme, können diese Lücke schließen. Sie versorgen dezentrale Wärmepumpen in den angeschlossenen Gebäuden mit Erdwärme auf niedrigem Temperaturniveau.
„Im Projekt haben wir herausgefunden, dass die Technik praxistauglich ist“, sagte Martin Grocholl, Geschäftsführer von Energiekonsens. Für den Erfolg solcher Netze sind laut Grocholl weniger technische Fragen als politische, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen ausschlaggebend.
Ehrenamtliche Mitglieder übernehmen technische und administrative Aufgaben
Die Mitglieder der Genossenschaft ErdwärmeDich Anergienetze bauen das Netz im Ehrenamt auf. Im Vergleich zu etablierten Versorgungsunternehmen verfügen sie über geringere technische, finanzielle und administrative Kapazitäten. Sie klären rechtliche Anforderungen und technische Fragen selbst, da entsprechende Erfahrungswerte für bürgerschaftlich getragene Netze bislang fehlen.
Bund und Land unterstützen das Pilotprojekt bereits mit Fördermitteln, politischer Begleitung und fachlicher Expertise. Für eine Übertragung des Konzepts auf weitere Quartiere braucht es laut den Projektbeteiligten zusätzliche Schritte.
Kommunen sollen Bauarbeiten koordinieren und öffentliche Gebäude anschließen
„Bürgerschaftliche Initiativen wie ‚ErdwärmeDich‘ brauchen vor allem Unterstützung durch Kommunen“, sagte Osthorst. Er nennt klare Rahmenbedingungen, eine Begleitung durch die Verwaltung und finanzielle Förderungen als Voraussetzungen. Kommunen können laut Osthorst zudem Kosten senken, indem sie Bauarbeiten koordinieren oder den Netzausbau unterstützen. Als Beispiel nennt er den Anschluss öffentlicher Gebäude als Ankerkunden von Beginn an.
Eine Befragung im Rahmen des Forschungsprojekts zeigt eine Offenheit in der Stadtgesellschaft gegenüber bürgerschaftlich getragenen Anergienetzen. Das Wissen über diese Netze ist demnach noch gering. Die Projektbeteiligten leiten daraus einen Bedarf an klarer Kommunikation und Beratungsangeboten ab.
In Bremen haben sich laut Grocholl mittlerweile mehrere Cluster zusammengeschlossen, um gemeinsam kalte Nahwärmenetze aufzubauen. Auch bundesweit registriert Energiekonsens ein wachsendes Interesse von Kommunen an diesem gemeinwohlorientierten Ansatz.






