Die Klarwasser-Wärmepumpe soll eine thermische Leistung von 30 MW haben und jährlich rund 130.000 MW/h produzieren. Sie soll vor allem während der Wintermonate 7 bis 8 % des Jahreswärmebedarfs Hannovers decken. Insgesamt investiert Enercity eigenen Angaben zufolge rund 56 Mio. Euro in das Projekt. Es wird durch einen Zuschuss in Höhe von 22,5 Mio. Euro aus dem Programm ,,Bundesförderung für effiziente Wärmenetze ” (BEW) gefördert.
„Die Energiewende ist ein Kraftakt, der gemeinsam am besten gelingt. Kommunale Energieunternehmen brauchen eine verlässliche Förderung und stabile Rahmenbedingungen, um die großen Investitionen zu stemmen”, sagte Prof. Dr. Marc Hansmann, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur bei Enercity. „Dafür bringen wir das Know-how und die Expertise mit, wie wir die Wärmewende bezahlbar gestalten und dabei auf die bestmöglichen Lösungen setzen. Das verdeutlicht das Projekt der Großwärmepumpe am Klärwerk, wo wir von einer konstant hohen Ausgangstemperatur des Wassers profitieren. Das sichert eine effiziente Wärmeversorgung für bis zu 13.000 Haushalte in Hannover”, so Hansemann weiter.
Die vorhandene Wärme wird dem aufbereiteten Abwasser entzogen, auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und ins Fernwärmenetz eingespeist. Das Klarwasser, das auch in den Wintermonaten eine Temperatur von 12 bis 16 C° hat, wird erst durch einen Filter und dann durch Wärmepumpenmodule geleitet. Dabei wird dem Wasser Energie entzogen, so dass sich die Temperatur des Wassers reduziert. Das Energiepotenzial wird wiederum genutzt, um das für die Fernwärme benötigte Wasser auf eine Betriebstemperatur von 95 C° zu erwärmen.
Urbane Wärmewende: Klärwerkswärme als lokale Quelle
„Wärme aus der kommunalen Abwasseraufbereitung leistet einen effektiven Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung”, betont Anja Ritschel, Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Landeshauptstadt Hannover. Besonders in Ballungsgebieten, wo täglich viel Abwasser entsteht, bestehe auch ein erhöhter Wärmebedarf. „Wärme aus dem Klärwerk ist eine konstante, lokale Energiequelle, die wir nutzen können”, so Ritschel. „Mit der Großwärmepumpe am Klärwerk Herrenhausen schließen wir Kreisläufe und setzen Energie dort ein, wo sie gebraucht wird – das ist gelebte Kreislaufwirtschaft.”
Gebaut wird die Großwärmepumpe auf dem Gelände der Stadtentwässerung Hannover von der Enercity-Tochter Enercity contracting . Nach Fertigstellung des Betriebsgebäudes sollen ab Frühjahr 2026 die Montagearbeiten beginnen. Die erste Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant, ab 2027 der Regelbetrieb.
„Als kommunaler Betrieb tragen wir gern zum Gelingen der Wärmewende bei. Die Stadtentwässerung Hannover als zertifizierter Umweltbetrieb unterstützt den Bau der Großwärmepumpe ausdrücklich. Für die Entnahme des Klarwassers wird ein Ablaufbauwerk so gestaltet, dass Enercity die Großwärmepumpe einfach anschließen und effizient betreiben kann. Die Entnahme von Restwärme aus dem Ablauf des Klärwerks führt zu keiner Beeinträchtigung der biologischen Reinigungsleistung im Klärwerk“, erläutert Martin Kramer, kommissarischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung Hannover.
Kohlekraftwerk: Ersatz durch 14 klimafreundliche Anlagen
Der Wärmesektor verursacht rund 40 % der CO2-Emissionen in Deutschland. In Hannover ersetzt Enercity deshalb das Kohlekraftwerk in Stöcken schrittweise durch 14 neue, klimafreundliche Erzeugungsanlagen (u. a. Geothermie, Klärschlammverwertung, Biomasse-Heizkraftwerk). Ziel sei es, den Betrieb des Kohlekraftwerks bis Ende 2027 einzustellen. Die Abschaltung des ersten Blocks soll bereits in Kürze stattfinden.
Die Fernwärme ist elementarer Baustein für die Wärmewende in Hannover. Aktuell beläuft sich das Fernwärmenetz auf rund 360 km. Es soll kontinuierlich auf etwa 550 km erweitert werden. Laut Enercity sollen bis 2040 rund 18.000 Gebäude in Hannover von klimaneutraler Fernwärme versorgt werden – fünfmal so viele wie heute.
(Quelle: Enercity)









