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CO2-freie Tiefengeothermie: innovatives Wärmeprojekt in Hannover

Die Landeshauptstadt Hannover (LHH) setzt ein Zeichen für Klimaschutz und Wärmewende: Gemeinsam mit dem Energieunternehmen enercity und dem Geothermie-Pionier Eavor treibt sie eines der ersten urbanen Tiefengeothermieprojekte Europas voran. Auf einem städtischen Grundstück in Hannover-Lahe soll ab 2027 erneuerbare Wärme aus ca. 3.200 m Tiefe gewonnen und in das Fernwärmenetz eingespeist werden.

von | 04.09.25

Seismiktrucks erkundeten bereits im Umfeld der geplanten Bohrungen die geologischen Verhältnisse.
Quelle: enercity

„Hannover ist Vorreiterin, denn es ist die erste Anlage dieser Art in einer Großstadt. Damit wollen wir die ländlich geprägte, klimafreundliche Geothermie stadttauglich machen und auch eine Blaupause für andere Städte bieten“, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. „Dieses Projekt ist ein entscheidender Schritt, um die Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt Hannover auf erneuerbare und unabhängige Energie umzustellen. Der innovative Ansatz wird über unsere Grenzen hinaus Interesse an der Lösung wecken.“

Grüne Wärme für 20.000 Haushalte

Der sogenannte Eavor-Loop™ ist ein geschlossenes System. Er funktioniert wie ein großer unterirdischer Wärmetauscher. Modernste Bohrtechnik und ein innovatives Bohrdesign ermöglichen eine grundlastfähige und wetterunabhängige Wärmeversorgung. Zwei dieser Systeme mit je 15 MW Leistung sind am Standort Hannover-Lahe geplant. Sie sollen künftig etwa 250 Mio. KWh pro Jahr liefern – ausreichend für die Wärmeversorgung von bis zu 20.000 Haushalten.

Das geschlossene System von Eavor funktioniert ohne den Zugriff auf natürliche Heißwasserreservoires. Stattdessen zirkuliert ein wasserbasiertes Medium durch kilometerlange, tiefe Bohrungen – angetrieben allein durch den sogenannten Thermosiphon-Effekt. Die Wärme wird durch eine Wärmeleitung aus dem umgebenden Gestein aufgenommen und an die Oberfläche transportiert.

„Unser Ziel ist es, mit skalierbarer Tiefengeothermie Städte mit erneuerbarer und verlässlicher Energie zu versorgen – ganz ohne Emissionen, Fracking oder thermische Quellen. Hannover ist die erste Großstadt in Deutschland, in der wir diese Technologie umsetzen dürfen – dafür sind wir der Landeshauptstadt und enercity sehr dankbar“, sagt Marco Becker, Geschäftsführer der Eavor GmbH. „Nach unserem ersten Projekt in Geretsried ist dies ein Meilenstein für unser Unternehmen und ein klares Zeichen für den Wandel der Wärmeversorgung.“

Die Geothermieanlage soll rund 15 bis 20 % des hannoverschen Fernwärmebedarfs abdecken. Damit leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur geplanten Klimaneutralität der Stadt bis 2035 und zum Ausstieg aus der Kohle.
Auch beim Tag der Geothermie am 12./13. September 2025 beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie präsentieren Eavor und enercity das Projekt.

(Quelle: LHH/enercity)

Lesetipp der Redaktion: Weltpremiere: Tiefengeothermie neu gedacht

Wenn Sie von folgendem Projekt noch nichts gehört haben sollten, dann wird es Zeit. Wie kommt ein kanadisches Unternehmen dazu, ausgerechnet in Deutschland mit einer Weltpremiere zu starten: It’s the „Energiewende“, stupid! Worum geht es genau: Das kanadische Unternehmen Eavor Technologies Inc. baut in Geretsried bei München den weltweit ersten kommerziellen „Eavor-Loop™“ für Tiefengeothermie. Die Technologie nutzt geschlossene Kreisläufe aus vertikalen und horizontalen Bohrungen (bei Geretsried mit einer Tiefe von 4.500 m). Einmalig eingefülltes Wasser zirkuliert über den Thermosiphon-Effekt ohne Pumpen und liefert 120 °C heißes Wasser für Fernwärme und Stromerzeugung. Das Besondere daran ist, dass dieser Ansatz ohne vorhandene Aquifere funktioniert. Weitere Projekte in Hannover (siehe oben) und Neu-Ulm sollen folgen. Das Unternehmen prognostiziert ein Potenzial von 40 GW Tiefengeothermie bis 2040 in Deutschland. 3R sprach mit Alexander Land, Head of Communications bei der Eavor GmbH. Unser Tipp: Lesen Sie das Interview in der aktuellen Ausgabe der 3R-07-08-2025!.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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