Generic filters
FS Logoi

„Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ kritisiert Entwurf des Gasbinnenmarktpakets

Der Verband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ (GW) kritisiert heute in einer Stellungnahme den aktuellen deutschen Ausgestaltungsentwurf des Gasbinnenmarktpakets. Dieser führt laut Verband zu „erheblichen Fehlsteuerungen“, da „die geplanten Regelungen den Markthochlauf neuer Gase verhindern und so auf die Stilllegung bestehender Gasnetze hinauslaufen“ würden.

von | 24.11.25

Biogasanlage
Bild: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Seine Stellungnahme zum deutschen Ausgestaltungsentwurf des Gasbinnenmarktpakets hat der GW eigenen Angaben zufolge heute beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eingereicht. Der Verband plädiert darin für dessen „grundlegende Überarbeitung, die dem europäischen Rahmen und der realen Marktsituation entspricht“.

Der Entwurf des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zur Umsetzung des EU-Gasbinnenmarktpakets wird vom Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft als nicht ausreichend zur Erreichung wesentlicher Zielsetzungen bewertet. Er konzentriere sich überwiegend auf Regelungen zur möglichen Stilllegung bestehender Gasinfrastrukturen oder deren kurzfristige Umwidmung zu ausschließlich wasserstoffbasierten Systemen. Die Bestimmungen zur Anpassung der Verteilnetze, die für die Versorgung von Industrie, Gewerbe und privaten Haushalten mit Biomethan oder anderen kohlenstoffarmen Gasen relevant sind, blieben teilweise unbestimmt oder enthielten restriktive Vorgaben.

„So wie der Entwurf in seiner aktuellen Form angelegt ist, fehlt die Perspektive der echten Transformation. Entgegen dem zu begrüßenden politischen Willen der Regierung, das Potenzial von Gas und Wasserstoff für die Energiewende zu nutzen, sendet er vielmehr das Signal einer Stilllegung von Gasnetzen“, kritisiert Verbandsvorstand Dr. Timm Kehler.

In seiner Stellungnahme weist der Verband zudem darauf hin, dass wesentliche europäische Vorgaben im aktuellen Entwurf keine Berücksichtigung finden. Insbesondere werde Artikel 9 des EU-Gasbinnenmarktpakets nicht umgesetzt. Der Entwurf enthalte weder Regelungen zu einem nationalen Zertifizierungssystem noch Vorgaben für einen Massenbilanzrahmen, Audit- und Nachweispflichten oder eine Anbindung an die RED-Unionsdatenbank.

„Ohne diese Grundpfeiler können erneuerbare und kohlenstoffarme Gase wie Biomethan, synthetisches Methan oder Wasserstoff nicht handelbar gemacht werden. Dem Gasbinnenmarktpaket fehlt damit der Binnenmarkt“, so Kehler. „Der Entwurf bremst den Hochlauf neuer Gase an genau der Stelle aus, an der Europa eigentlich Anschub geben will.“

Nach derzeitigem Stand wäre insbesondere die Biomethanbranche von den vorgeschlagenen Regelungen betroffen, so der GW weiter. Mit dem Auslaufen der EEG-Förderung im Jahr 2027 und ohne klar definierte Marktzugangsmechanismen bestehe das Risiko eines strukturellen Bruchs, der die bestehende Branchenstruktur im ländlichen Raum beeinträchtigen könnte.

Laut Kehler bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich der derzeitigen politischen Unterstützung. Während andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union die europäischen Vorgaben pragmatisch umsetzten und damit ein Wachstum ihrer Biomethanbranche förderten, drohten deutschen Produzenten aufgrund fehlender Zertifizierungs- und Infrastrukturregelungen Wettbewerbsnachteile und wirtschaftliche Risiken.

Der Entwurf enthalte darüber hinaus Anzeichen für sogenanntes „Gold Plating“, bei dem europäische Vorgaben nicht lediglich übernommen, sondern durch zusätzliche nationale Regelungen erweitert würden. Diese Praxis könne zu Standortnachteilen und einem erhöhten Verwaltungsaufwand führen.

„Was als Umsetzung des europäischen Binnenmarktes gedacht war, entwickelt sich in der vorliegenden Form zu einem regulatorischen Instrument der Verengung“, sagt Dr. Timm Kehler. „Wir brauchen jetzt einen klaren, investitionsfreundlichen Rahmen: vollständige Umsetzung von Artikel 9 inklusive eines Massenbilanzsystems und eines schlüssigen Zertifizierungsregimes, einer Regulierung, die echte Transformation ermöglicht sowie Verzichts auf Gold Plating.“

 

Download Stellungnahme

 

(Quelle: Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Vierter Energiepolitischer Dialog: „Dreiklang der Moleküle“
Vierter Energiepolitischer Dialog: „Dreiklang der Moleküle“

Unter dem Leitmotiv „Die drei für die Zukunft: mit Erdgas, Wasserstoff und Carbon Management zu net-zero“ lud OGE zum vierten Energiepolitischen Dialog in Berlin. Über 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Verbänden gingen zur „Rolle der Moleküle CH₄, H₂ und CO₂ im Energiesystem der Zukunft“ in den Dialog. Die Veranstaltung gilt als wichtige Austauschplattform zu bedeutenden Themen der Energietransformation.

mehr lesen
Umweltportal NRW informiert über Hochwasser und Starkregen
Umweltportal NRW informiert über Hochwasser und Starkregen

Das Umweltportal NRW informiert mit dem Beginn der Hochwasser-Saison auf einer Themenseite über Hochwasser und Starkregen in NRW. Nutzer können dort „aktuelle Warnungen, Pegeldaten, Hochwassergefahren- und Starkregenkarten, Hinweise zu Straßensperrungen sowie konkrete Handlungsempfehlungen“ abrufen.

mehr lesen
„Gasnetzgebietstransformationsplan“ stellt Weichen für Wasserstoffzukunft
„Gasnetzgebietstransformationsplan“ stellt Weichen für Wasserstoffzukunft

Der Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP) bleibt auch im vierten Berichtsjahr das zentrale Werkzeug für die strategische Ausrichtung der deutschen Gasverteilnetze auf Klimaneutralität. Mit 248 teilnehmenden Netzbetreibern bildet er erneut nahezu die gesamte Branche ab und gilt europaweit als einzigartiger Ansatz für eine koordinierte Netzplanung

mehr lesen
EU verleiht H2-Speicherprojekten PCI-Status
EU verleiht H2-Speicherprojekten PCI-Status

Die Europäische Kommission hat drei geplante Wasserstoffspeichervorhaben des norddeutschen Energieunternehmens EWE in die Liste der europäischen Projects of Common Interest (PCI) aufgenommen. Die Bekanntgabe der formalen Entscheidung erfolgte heute bei den sogenannten PCI-Days in Brüssel und soll die strategische Bedeutung von H2-Speichern für die künftige Energieversorgung Europas unterstreichen.

mehr lesen
Grüner Wasserstoff aus Algerien: Machbarkeitsstudie gestartet
Grüner Wasserstoff aus Algerien: Machbarkeitsstudie gestartet

Mit dem Beginn einer Machbarkeitsstudie im Rahmen des internationalen Projekts ALTEH2A erfolgte ein weiterer Schritt in Richtung einer möglichen H2-Partnerschaft zwischen Algerien und Europa. Bei einer Veranstaltung am 12. November in Berlin informierten die beteiligten Partnerunternehmen – darunter die VNG AG aus Leipzig und der bayerische Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets GmbH – über den Fortschritt der Vorhaben ALTEH2A und SoutH2 Corridor.

mehr lesen

Publikationen zum Thema

Polyamid 12 für den Betrieb von Gasrohrleitungen bis 16/18 bar

Polyamid 12 für den Betrieb von Gasrohrleitungen bis 16/18 bar

Autor: Von Hermann van Laak, Jan Heimink, Andreas Frank, Mario Messiha, Thomas Kratochvilla und Christoph Bruckner
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Dieser Fachbericht präsentiert Polyamid 12 (PA-U12) für Hochdruckrohrleitungen als eine einfach zu installierende Alternative zu Stahl. Sie weist das hervorragende Eigenschaftsprofil von PA-U12-Rohren für alternative Verlegetechniken nach, und dass ...

Zum Produkt

Digitale Kommunikation für sichere Netze

Digitale Kommunikation für sichere Netze

Autor: Von Christoph Ketteler
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

...

Zum Produkt

Höchste Qualitätsstandards an Isolierflanschverbindungen sichern Versorgungssicherheit

Höchste Qualitätsstandards an Isolierflanschverbindungen sichern Versorgungssicherheit

Autor: Von Marc Oehlmann
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Das Celler Unternehmen ISOflanges hat sich entschieden, seine Isolierflanschkonstruktionen der HP2-Baureihe zusätzlich vom DVGW zertifizieren zu lassen, damit seine Kunden noch einen zusätzlichen Nachweis erhalten, dass bei den Isolierflanschen ...

Zum Produkt