Die wasserstoffführenden Anlagenteile der Gasaufbereitungsanlage im Energiepark Bad Lauchstädt haben die Dichtheitsprüfung des TÜV Thüringen bestanden. Die Anlage des Gastechnologischen Instituts Freiberg (DBI) ist damit bereit für den stufenweisen Hochlauf und übernimmt eine Schlüsselfunktion für die nachgelagerte Leitungsinfrastruktur.
Beim Transport durch Leitungssysteme nimmt Wasserstoff durch den Kontakt mit Zwischenspeichern und technischen Anlagenteilen Spuren von Wasser, Schwefelverbindungen oder Kohlenwasserstoffen auf. Solche Verunreinigungen können bereits im Millionstelbereich empfindliche Anwendungen schädigen. Feuchtigkeit im Gas begünstigt Korrosion in Pipelines und Kompressoren und stellt damit ein zentrales Risiko für die Integrität von Transportinfrastruktur dar. Brennstoffzellen reagieren zudem empfindlich auf Schwefelverbindungen und Kohlenmonoxid, welche den Platin-Katalysator vergiften und die Leistung dauerhaft mindern. Auch chemische Synthesen wie die Ammoniak- oder Methanolherstellung benötigen hochreinen Wasserstoff am Übergabepunkt, da Verunreinigungen die eingesetzten Katalysatoren schädigen.
Viele Wasserstoffprojekte konzentrieren sich auf Erzeugung, Transport oder Speicherung einzeln betrachtet. Der Energiepark Bad Lauchstädt setzt dagegen einen Akzent auf die Gasaufbereitung als eigenständigen Baustein der Wertschöpfungskette und erprobt die Qualitätssicherung direkt am Übergabepunkt zur Leitung erstmals im industriellen Maßstab.
Neue Membrantechnologie ersetzt thermische Regenerierung
Die Gasaufbereitungsanlage entfernt kleinste Verunreinigungen aus dem Wasserstoff und überwacht die Gasqualität kontinuierlich, bevor das Gas in die Leitung eingespeist wird. Bei der Trocknung setzt die Anlage auf Membrantechnologie anstelle der üblichen thermischen Regenerierung des Trocknungsmittels. Die Aufbereitung erfolgt dadurch bei niedrigeren Betriebstemperaturen, was den Energieverbrauch senkt, die Lebensdauer des Trocknungsmittels verlängert und die Emissionen reduziert.
Nach der Aufbereitung erreicht der Wasserstoff die höchste definierte Qualitätsstufe nach dem Regelwerk DVGW G 260, Gruppe D, und erfüllt damit die Spezifikationen für den Leitungstransport. Die Anlage verarbeitet zwischen kleinen Mengen und bis zu 12.000 Normkubikmetern Wasserstoff pro Stunde und lässt sich damit flexibel an unterschiedliche Durchsatzanforderungen der nachgeschalteten Leitung anpassen.
Wasserstoffproduktion und Leitungsbetrieb starten noch in diesem Jahr
Das DBI nimmt den Betrieb der Anlage schrittweise auf: Zunächst fährt sie unter Stickstoff hoch, bevor sie auf Wasserstoff umgestellt wird, sobald dieser kontinuierlich aus der Elektrolyse zur Verfügung steht. Die erste Wasserstoffproduktion und Einspeisung in die Leitung nach Leuna wird noch in diesem Jahr erwartet. Parallel zur Gasaufbereitung laufen am Energiepark die technische Prüfung und die Dichtigkeitsuntersuchung der Elektrolyse-Stacks, sodass alle Anlagenteile gemeinsam auf den Regelbetrieb der Transportkette vorbereitet werden.
Als Reallabor erprobt der Energiepark viele dieser Prozesse erstmals unter realen Bedingungen statt im Labormaßstab. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Gasqualität am Übergabepunkt sollen künftigen Leitungsprojekten als Vorlage für die Qualitätssicherung in Wasserstoffnetzen dienen.
(Quelle: /2026)






