Generic filters
FS Logoi

Gasaufbereitung sichert Wasserstoffqualität für den Leitungstransport

Die Gasaufbereitungsanlage im Energiepark Bad Lauchstädt hat die H₂-Dichtheitsprüfung des TÜV Thüringen bestanden und ist damit bereit für den stufenweisen Hochlauf. Die Anlage bringt Wasserstoff aus einem 30-MW-Elektrolyseur auf einen Reinheitsgrad von 99,97 Prozent, bevor das Gas über eine rund 25 Kilometer lange Leitung zur TotalEnergies-Raffinerie in Leuna transportiert wird.

von | 14.07.26

Die Gasaufbereitung bildet das Bindeglied zwischen Erzeugung, Transport und Nutzung von Wasserstoff.
© © Energiepark Bad Lauchstädt
Gasaufbereitung sichert Wasserstoffqualität für den Leitungstransport

Die wasserstoffführenden Anlagenteile der Gasaufbereitungsanlage im Energiepark Bad Lauchstädt haben die Dichtheitsprüfung des TÜV Thüringen bestanden. Die Anlage des Gastechnologischen Instituts Freiberg (DBI) ist damit bereit für den stufenweisen Hochlauf und übernimmt eine Schlüsselfunktion für die nachgelagerte Leitungsinfrastruktur.

Beim Transport durch Leitungssysteme nimmt Wasserstoff durch den Kontakt mit Zwischenspeichern und technischen Anlagenteilen Spuren von Wasser, Schwefelverbindungen oder Kohlenwasserstoffen auf. Solche Verunreinigungen können bereits im Millionstelbereich empfindliche Anwendungen schädigen. Feuchtigkeit im Gas begünstigt Korrosion in Pipelines und Kompressoren und stellt damit ein zentrales Risiko für die Integrität von Transportinfrastruktur dar. Brennstoffzellen reagieren zudem empfindlich auf Schwefelverbindungen und Kohlenmonoxid, welche den Platin-Katalysator vergiften und die Leistung dauerhaft mindern. Auch chemische Synthesen wie die Ammoniak- oder Methanolherstellung benötigen hochreinen Wasserstoff am Übergabepunkt, da Verunreinigungen die eingesetzten Katalysatoren schädigen.

Viele Wasserstoffprojekte konzentrieren sich auf Erzeugung, Transport oder Speicherung einzeln betrachtet. Der Energiepark Bad Lauchstädt setzt dagegen einen Akzent auf die Gasaufbereitung als eigenständigen Baustein der Wertschöpfungskette und erprobt die Qualitätssicherung direkt am Übergabepunkt zur Leitung erstmals im industriellen Maßstab.

Neue Membrantechnologie ersetzt thermische Regenerierung

Die Gasaufbereitungsanlage entfernt kleinste Verunreinigungen aus dem Wasserstoff und überwacht die Gasqualität kontinuierlich, bevor das Gas in die Leitung eingespeist wird. Bei der Trocknung setzt die Anlage auf Membrantechnologie anstelle der üblichen thermischen Regenerierung des Trocknungsmittels. Die Aufbereitung erfolgt dadurch bei niedrigeren Betriebstemperaturen, was den Energieverbrauch senkt, die Lebensdauer des Trocknungsmittels verlängert und die Emissionen reduziert.

Nach der Aufbereitung erreicht der Wasserstoff die höchste definierte Qualitätsstufe nach dem Regelwerk DVGW G 260, Gruppe D, und erfüllt damit die Spezifikationen für den Leitungstransport. Die Anlage verarbeitet zwischen kleinen Mengen und bis zu 12.000 Normkubikmetern Wasserstoff pro Stunde und lässt sich damit flexibel an unterschiedliche Durchsatzanforderungen der nachgeschalteten Leitung anpassen.

Wasserstoffproduktion und Leitungsbetrieb starten noch in diesem Jahr

Das DBI nimmt den Betrieb der Anlage schrittweise auf: Zunächst fährt sie unter Stickstoff hoch, bevor sie auf Wasserstoff umgestellt wird, sobald dieser kontinuierlich aus der Elektrolyse zur Verfügung steht. Die erste Wasserstoffproduktion und Einspeisung in die Leitung nach Leuna wird noch in diesem Jahr erwartet. Parallel zur Gasaufbereitung laufen am Energiepark die technische Prüfung und die Dichtigkeitsuntersuchung der Elektrolyse-Stacks, sodass alle Anlagenteile gemeinsam auf den Regelbetrieb der Transportkette vorbereitet werden.

Als Reallabor erprobt der Energiepark viele dieser Prozesse erstmals unter realen Bedingungen statt im Labormaßstab. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Gasqualität am Übergabepunkt sollen künftigen Leitungsprojekten als Vorlage für die Qualitätssicherung in Wasserstoffnetzen dienen.

 

(Quelle: /2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich
Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich

Die Wasserstoff-Kernnetzbetreiber haben ihr drittes Marktinformationspaket veröffentlicht. Darin haben sie zum Stichtag 23. Juli in den Angebotszonen des Kernnetzes Ein- und Ausspeisekapazitäten von knapp 6 GW zahlungspflichtig reserviert. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber der letzten Veröffentlichung vom 13. Mai. Für den Clusterübergangstransport sind zusätzlich 0,6 GW vertraglich gesichert, weitere 0,5 GW befinden sich in Prüfung. Ein mehrstufiger Übernachfrageprozess hat alle Anfragen bedient, die das ursprüngliche Kapazitätsangebot überstiegen haben.

mehr lesen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen

Die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken im Alpenraum sind im Juli auf einen historischen Tiefstand gesunken. Das hat eine Analyse des Energieinformationsanbieters Montel ergeben. Ursache ist die anhaltende Trockenperiode in Österreich und der Schweiz, die auch die Wasserkraftproduktion in Deutschland und Frankreich gedrückt hat. Mit einer Erholung rechnen Fachleute frühestens im September.

mehr lesen
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl

Über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz ist nun erstmals Wasserstoff aus der RWE-Elektrolyseanlage in Lingen zum Chemiepark in Marl geflossen. Die Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE haben die Leitungen gemeinsam mit der Evonik-Tochter SYNEQT für den Transport bereitgestellt. Damit hat einer der ersten fertiggestellten Abschnitte des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes den Betrieb aufgenommen.

mehr lesen
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper

Der Wupperverband hat die Wasserabgabe aus der Wupper-Talsperre reduziert. Am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal fließen ab sofort rund 3.000 Liter Wasser pro Sekunde statt bisher 3.500 Liter. Grund für die Anpassung ist die anhaltende Trockenheit im Wuppergebiet im Wasserwirtschaftsjahr 2026.

mehr lesen
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung

Der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) hat mit den BGT-FachTalks ein digitales Veranstaltungsformat etabliert, das Netzbetreiber, Kommunen, Ingenieurbüros, Hersteller und ausführende Unternehmen zu aktuellen Branchenthemen zusammenbringt. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere kostenfreie Online-Veranstaltungen zu Künstlicher Intelligenz in der Kanalinspektion, zur neuen EU-Trinkwasser-Richtlinie und zu technischen Regelwerken stattgefunden. Der Verband hat damit auf den wachsenden Bedarf an schnellem, praxisnahem Wissenstransfer in der Branche reagiert.

mehr lesen

Publikationen zum Thema