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Größter Meilenstein des Emscher-Umbaus: Pumpwerk Oberhausen eingeweiht

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Autor: Kathrin Mundt

Größter Meilenstein des Emscher-Umbaus: Pumpwerk Oberhausen eingeweiht
Emscher-Umbau: Inbetriebnahme des Pumpwerks Oberhausen durch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (Mitte). Foto: EGLV

Es war dieser eine Moment, auf den die gesamte Region in einer gemeinsamen Kraftanstrengung 30 Jahre lang hingearbeitet hat: Die Emschergenossenschaft hat am 20. August 2021 in Oberhausen gemeinsam mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Deutschlands größtes Schmutzwasserpumpwerk und damit den gesamten unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE) in Betrieb genommen. Das Finale des Emscher-Umbaus ist somit eingeläutet – bis Ende des Jahres wird die Emscher komplett vom Abwasser befreit sein.

Größtes Infrastruktur- und Renaturierungsprojekt der Region

„Der Emscher-Umbau ist ein weltweit beachtetes Infrastrukturprojekt, das die enorme Leistungs- und Innovationsfähigkeit Nordrhein-Westfalens einmal mehr unter Beweis stellt. Umwelt- und Naturschutz, Städtebau und Klimafolgenanpassung gehen bei diesem Projekt Hand in Hand. Der Emscher-Umbau zeigt aber auch das enorme Potenzial auf, das im Ruhrgebiet steckt: Eine Region, die einen über 150 Jahre lang als Kloake genutzten Fluss inmitten des drittgrößten Ballungsraumes Europas von seiner Abwasserlast befreien kann, kann noch mehr. Der Abschluss dieses größten Infrastruktur- und Renaturierungsprojekts der Region ist ein Meilenstein für den langfristigen Wandel im Revier. Nordrhein-Westfalen kann auf dieses Projekt wirklich stolz sein“, sagte Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 20. August in Oberhausen.

Blau-grüne Zukunft der Emscher

„Die Emscher als offener Schmutzwasserlauf ist bald schon Geschichte, dem zentralen Fluss im Ruhrgebiet steht eine blau-grüne Zukunft bevor. Das Generationenprojekt Emscher-Umbau endet, nicht jedoch die Transformation unserer Region – sie beginnt gerade erst! Herausforderungen gibt es genug“, sagte Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft mit Blick auf den laut Wissenschaftlern immer schneller einsetzenden Klimawandel. Die regionale Klimafolgenanpassung, so Paetzel, müsse das nächste große Projekt nach dem Emscher-Umbau sein. „An Erkenntnissen mangelt es nicht. Ereignisse wie das Juli-Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind Mahnung genug, dass es Zeit wird, nun noch entschlossener und gemeinsam zu handeln.“

Impulsgeber für die regionale Klimafolgenanpassung

Bereits in den vergangenen rund 20 Jahren hat der wasserwirtschaftliche Emscher-Umbau großen Einfluss auf die Anpassung der Region an die Folgen des Klimawandels gehabt. Bereits zu Beginn des Jahrtausends mahnte die Emschergenossenschaft einen nachhaltigen Umgang mit Regenwasser an. Einerseits, um Überflutungen nach Starkregenereignissen zu vermeiden – andererseits, um bereits renaturierte Gewässer in Hitzephasen vor dem Austrocknen zu bewahren.

Im Fokus des Ruhrkonferenz-Projekts ‚Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft‘ stehen ganz aktuell Maßnahmen, die alle dem Ziel dienen, bis 2040 mindestens 25 % der befestigten Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln und den Verdunstungsgrad bis 2040 um 10 % in der Region zu erhöhen. Damit setzt die Emschergenossenschaft fort, was bereits seit 2004 erfolgreich mit Kooperationen wie der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ sowie der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ begonnen wurde – auch hier arbeiteten das Land NRW, die Kommunen sowie die Emschergenossenschaft zusammen.

Abwasserkanal Emscher und Pumpwerk Oberhausen

Im Fokus des Emscher-Umbaus stand jedoch stets das Ziel, die Emscher komplett vom Abwasser zu befreien. Mehr als 400 km an neuen unterirdischen Abwasserkanälen sind dafür seit 1992 inmitten des ohnehin schon dicht bebauten Ruhrgebietes verlegt worden, vier moderne Großkläranlagen sind zudem in Dortmund, Bottrop, Duisburg und Dinslaken entstanden.

Der in Tiefenlagen von bis zu 40 m quer durchs zentrale Ruhrgebiet verlegte Abwasserkanal Emscher (AKE) löst den Emscher-Fluss künftig als „abwassertechnische Hauptschlagader“ der Region ab – und eine Hauptschlagader benötigt ein „Herzstück“: das Pumpwerk Oberhausen.

Investitionen von 5,5 Mrd. Euro in 30 Jahren

Gemeinsam mit dem AKE wird es ab sofort die Emscher zu neuem Leben erwecken. Die Inbetriebnahme der Anlage bedeutet den größten und wichtigsten Meilenstein im Zuge des Emscher-Umbaus, in den die Emschergenossenschaft über einen Zeitraum von rund 30 Jahren knapp 5,5 Mrd. Euro investiert.
Das Pumpwerk Oberhausen, das sprichwörtliche Herzstück der technischen Abwasserinfrastruktur, ist essenziel für die Flutung des AKE auf seiner gesamten Länge von 51 km zwischen Dortmund und Dinslaken – denn: Erst jetzt können nach und nach bis Ende 2021 alle Nebenkanäle aus den Emscher-Kommunen an den AKE angeschlossen werden, so dass ab Ende des Jahres kein Tropfen ungereinigtes Abwasser mehr in der Emscher fließen wird.

Insgesamt sind in Deutschlands größtem Schmutzwasserpumpwerk zehn mächtige Pumpen nötig, um das Abwasser aus einer Tiefe von rund 40 m zu heben – mit einer Maximalleistung von 16.500 Litern pro Sekunde!

Nach dem Emscher-Umbau: Flüsse werden den Menschen zurückgegeben

Was kommt nach der Abwasserfreiheit in der Emscher und ihren Nebenläufen? Der öffentlich-rechtlichen Emschergenossenschaft war es schon immer wichtig, dass die Bevölkerung an den Umbauprojekten beteiligt wird bzw. von den Ergebnissen profitiert. Zahlreiche Mitmach-Projekte wie die vielen Blauen Klassenzimmer an der Emscher und ihren Nebenläufen sowie Beteiligungsprozesse wie bei der Renaturierung des Katernberger Bachs in Essen waren dabei erst der Anfang. Die Emschergenossenschaft arbeitet aktuell an mehreren neuen Partizipationsformaten, bei denen sich die Menschen im Emscher-Gebiet künftig noch intensiver in die Entwicklung ihrer Region einbringen können. Details dazu wird die Emschergenossenschaft im September bekanntgeben.

„Erst die Pflicht, dann die Kür – mit dem Erreichen der Abwasserfreiheit in der Emscher werden wir den Menschen ihren Fluss zurückgeben“, kündigt Uli Paetzel an, „man darf bereits sehr gespannt sein. Die neue Emscher kommt!“

Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft: „Der Kern des Emscher-Umbaus liegt in der Abwasserfreiheit unserer Gewässer und einer zukunftsfesten Abwasserinfrastruktur. Daher ist der heutige Tag nicht nur für uns als Emschergenossenschaft, sondern für die gesamte Region ein wichtiger Meilenstein in der 30-jährigen Geschichte des Emscher-Umbaus.“

Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen und Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft: „Der Emscher-Umbau zeigt ganz konkret: Wir im Ruhrgebiet können Großartiges leisten, denn wir arbeiten gemeinschaftlich, genossenschaftlich, Hand in Hand. Unsere Region ist auf einem sehr guten Weg in Richtung Zukunft, mit Projekten wie der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ kann das Ruhrgebiet, kann NRW Vorbild und Modellregion für ganz Deutschland sein.”

Hintergrund: Emschergenossenschaft und Emscher-Umbau

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. Seit rund 30 Jahren setzt die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes ein weltweit einzigartiges Generationenprojekt um: Inmitten des drittgrößten Ballungsraumes in Europa entsteht seit 1992 ein hochmodernes unterirdisches Abwassersystem.
Die Umsetzung wurde erst durch das Ende der Bergsenkungen und die Nordwanderung des Bergbaus Ende der 1980er Jahre möglich. Die Emscher, der zentrale Fluss des Ruhrgebietes, und ihre Nebenläufe dienten über 150 Jahre lang als offene Schmutzwasserläufe und werden im Zuge dieses Mammutvorhabens von der Abwasserfracht befreit und ökologisch aufgewertet.
Der Emscher-Umbau, in den die Emschergenossenschaft als öffentlich-rechtlicher Verband mehr als 5 Mrd. Euro investiert, ist heute nicht nur das symbolträchtigste Projekt im Rahmen des Strukturwandels im Ruhrgebiet, er ist vielmehr auch zentraler Impulsgeber für die weitere städtebauliche Transformation der Region sowie für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. National und international gilt das Jahrhundertvorhaben als das Vorzeigeprojekt mit vielen Alleinstellungsmerkmalen.

 

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