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Großwärmepumpe ersetzt Kohle: Hannover zeigt, wie Fernwärme skalierbar wird

Der Kohleausstieg Hannovers erreicht die nächste Etappe: An Hannovers zentralem Klärwerk im Stadtteil Herrenhausen nimmt eine der größten Einzelanlagen im neuen enercity-Wärmeportfolio sichtbar Form an. Nach der Stilllegung des ersten Kohleblocks im März treibt enercity den Ersatz von Kohleblock II konsequent voran. Zum dezentralen Mix aus verschiedenen Biomasseanlagen kommen nun mehrere Großwärmepumpen, Power‑to‑Heat‑Anlagen sowie die erweiterte MVA-Wärmeauskopplung hinzu. Damit diversifiziert enercity sein Erzeugungsportfolio weiter, um die Abhängigkeit von einzelnen Brennstoffen zu minimieren.

von | 23.04.26

Montage der Großwärmepumpe in Hannover
Quelle: Jannis Bach/enercity

Die Montage der Kernkomponenten der Großwärmepumpe hat begonnen – geplante Inbetriebnahme bis Ende 2026. Quelle: Jannis Bach/enercity

Aktuell entsteht eine Großwärmepumpe mit 30 MW Leistung, die künftig klimaneutrale Wärme für rechnerisch bis zu 13.000 Haushalte liefert. Der Hallenneubau am Klärwerk ist bereits abgeschlossen. Nun sind die zentralen Anlagenkomponenten des Schweizer Herstellers Friotherm – u.a. Motoren, Kompressoren sowie die beiden zentralen Wärmetauscher-Pakete – eingetroffen und die Montage hat begonnen.

„Innerhalb weniger Tage hat das Montageteam die bis zu 50 t schweren Einzelkomponenten vor der Halle zusammengefügt und sie über Schienen millimetergenau ins Gebäude eingezogen“, sagt Michael Hartung, Geschäftsführer der enercity Contracting GmbH, die das Projekt verantwortet. „In den kommenden Wochen verbinden wir die Komponenten über mehrere hundert Meter Rohrleitungen – für Verdampfer‑, Kondensator‑ und Klarwasserkreisläufe. Das ist Hochpräzisionsarbeit, um das Klarwasser aus dem Klärwerk für die Fernwärmeproduktion zu nutzen.“

Die Realisierung dieses Projekts unterstreicht die Schlagkraft der konzerninternen Kooperation: enercity bündelt die Expertise spezialisierter Tochtergesellschaften, um komplexe Infrastrukturvorhaben von der Planung und Finanzierung über die Errichtung bis zum langfristigen Betrieb vollständig aus einer Hand umzusetzen. Diese tiefe vertikale Integration im Konzernverbund hat sich bereits bei anspruchsvollen Anlagen zur Klärschlammverwertung, Biomethan-BHKW sowie dem Biomasse-Heizkraftwerk bewährt.

Winterstabile Wärme aus dem Klärwerk

Großwärmepumpen arbeiten nach dem Prinzip eines Kühlschranks, nur aus umgekehrter Perspektive: Umweltwärme – hier aus gereinigtem Abwasser – verdampft ein Kältemittel, das anschließend mit strombetriebenen Kompressoren verdichtet wird. Die dabei entstehende Wärme erhitzt das im Netz zirkulierende Fernwärmewasser auf rund 95 °C.

Das städtische Klärwerk Hannover bietet ideale Voraussetzungen für den Einsatz der Technologie. Selbst im Winter liegt die Temperatur des gereinigten Klarwassers stabil bei etwa 12 bis 16 °C. Damit ist die Anlage als Mittellast-Erzeuger besonders wertvoll – genau in den Monaten, in denen die Fernwärmenachfrage dauerhaft hoch ist.

Schlüsselprojekt für den Kohleausstieg und die Wärmewende

Mit einer Jahreswärmeerzeugung von rund 130 GWh deckt die Großwärmepumpe künftig etwa 7 bis 8 % des gesamten Fernwärmebedarfs Hannovers. Die Einbindung in das bestehende System ist vorbereitet: Strom‑ und Fernwärmeanschlüsse sind im vergangenen Jahr hergestellt worden. Eine technische Besonderheit ist die Unterquerung der Leine mittels Spülbohrverfahren – Voraussetzung für die Netzanbindung nach Herrenhausen.

Die vollständige Montage der Anlage ist bis Ende 2026 vorgesehen, anschließend geht sie in den Regelbetrieb. Insgesamt investiert enercity rund 56 Mio. Euro, gefördert wird das Projekt durch einen Zuschuss in Höhe von 22,5 Mio. Euro aus dem Programm ,,Bundesförderung für effiziente Wärmenetze” (BEW).

Projekte wie die Großwärmepumpe am Klärwerk Herrenhausen sind skalierbar. Das heißt, sie können sich flexibel an örtliche Potenziale und Anforderungen anpassen. Großwärmepumpen können modular erweitert und auf weitere Standorte übertragen werden. Damit wird die Fernwärme nicht nur klimafreundlicher, sondern auch zukunftssicher und in großem Maßstab umsetzbar.

Nächster Meilenstein auf dem Weg zur kohlefreien Fernwärme

Mit kommunaler Wärmeplanung, schnellem Netzausbau und einem breiten Technologiemix gilt enercity bundesweit als Vorreiter der urbanen Wärmewende. Der dezentrale Asset-Mix erhöht die Versorgungssicherheit, senkt Importabhängigkeiten und stabilisiert langfristig die Wärmepreise durch die Vermeidung steigender CO₂-Kosten.

Bis Ende des Winters 2027/28 soll das Kohlekraftwerk vollständig durch ein klimaneutrales Anlagenportfolio ersetzt sein. Parallel wächst das Fernwärmenetz erheblich: von heute rund 360 km auf perspektivisch etwa 550 km. Bis 2040 will enercity rund 18.000 Gebäude in Hannover mit klimaneutraler Fernwärme versorgen – etwa viermal so viele wie heute.

Der Wärmesektor verursacht in Deutschland rund 40 % der CO₂‑Emissionen. Entsprechend hoch ist seine Bedeutung für die Energiewende. enercity ersetzt das Kohlekraftwerk in Stöcken daher schrittweise durch über ein Dutzend klimafreundliche Erzeugungsanlagen – darunter Großwärmepumpen, Power‑to‑Heat‑Anlagen, das Biomasse‑Heizkraftwerk, MVA-Abwärme und die Klärschlammverwertung.

(Quelle: enercity)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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