Generic filters
FS Logoi

Grubenwassermanagement im Ruhrgebiet: Hüllrohre für die „Ewigkeit“

2018 endete offiziell die deutsche Steinkohlenförderung. Mit der Schließung der letzten Zeche Prosper Haniel in Bottrop bleiben jedoch die sogenannten Ewigkeitsaufgaben – wie das Grubenwassermanagement – bestehen. Hierbei kommen spezielle GFK-Rohre von Amiblu zum Einsatz.

von | 19.09.25

Anlieferung von sechs Meter langen, schwarzen GFK-Rohre
Foto: Amiblu Germany GmbH

Das Grubenwassermanagement dient dem Schutz des darüber liegenden und für die Trinkwassergewinnung wichtigen Grundwassers im gesamten Ruhrgebiet sowie im Saarland. Im Pott, wie das Ruhrgebiet auch genannt wird, lässt die RAG AG mit Sitz in Essen seitdem an sechs Standorten die alten Schachtanlagen in moderne Brunnenwasserhaltungen durch Thyssen Schachtbau GmbH, Mülheim an der Ruhr, umrüsten.

Eine wichtige Aufgabe spielen dabei die sogenannten Hüllrohre, die in die vorhandenen Schachtanlagen senkrecht einbetoniert werden und in deren Innerem Tauchpumpen das wasserführende Niveau regulieren. Bei den Hüllrohren fiel die Wahl auf spezielle GFK-Rohre von Amiblu, die sich laut Hersteller durch Korrosionsbeständigkeit und Stabilität auszeichnen sollen.

Ex-Geschützt durch eine spezielle Grafitmodifizierung werden die Rohre im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der RAG für die nächsten Jahre regelmäßig speziell für diesen Anwendungsfall produziert, in das Ruhrgebiet geliefert und von Thyssen Schachtbau verbaut.

„Auf immer und ewig“

Amiblu-Vertriebsmitarbeiter Adrian Wurm (li.) und Amiblu-Vertriebsleiter Deutschland Holger Hörnemann (Mi.) sind mit Amiblu Germany Geschäftsführer Mario Frieben (re.) in den „Schacht 2“ der Zeche Concordia in Oberhausen eingefahren

Ohne einen dauerhaften Betrieb von Pumpenanlagen würde das Grubenwasser unkontrolliert ansteigen. Damit dies nicht passiert, pumpt die RAG jährlich schätzungsweise rund 70 Mio. Kubikmeter Grubenwasser an die Oberfläche. Bislang geschieht dies an elf Standorten mit Horizontalkreiselpumpen aus Tiefen bis zu 1.200 m und mehr.

Über ein neues und nachhaltiges Grubenwassermanagement wird die RAG diese Aktivitäten zukünftig an sechs Wasserhaltungsstandorten im Ruhrgebiet (Lohberg in Dinslaken, Walsum in Duisburg, Heinrich in Essen, Friedlicher Nachbar und Robert Müser in Bochum, Haus Aden in Bergkamen) bündeln.

Damit das Grubenwasser aus den einzelnen Wasserprovinzen unter Tage durch das unterirdische System (Grubengebäude) an diese sechs Standorte fließen kann, muss es jedoch zunächst kontrolliert ansteigen. Dabei hat der Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen stets höchste Priorität.

GFK-Druckrohre: Wickelverfahren und Grafitpaste

Bei den GFK-Rohren handelt es sich um Amiblu GFK-Druckrohre, die im Wickelverfahren hergestellt werden.

„Wir liefern für die unterschiedlichen Schachtanlagen kreisrunde Rohre mit Durchmessern von 1.000 beziehungsweise 1.400 mm. Jedes Rohr hat dabei eine Länge von 6 m und verfügt über eine längskraftschlüssige Verbindung mit Scherstäben“, erklärt Adrian Wurm, Regionaler Amiblu Gebietsverkaufsleiter der das Projekt vor Ort betreut.

Und noch eine weitere Eigenschaft weisen die speziell für dieses Projekt hergestellten GFK-Rohre auf: Sie sind so schwarz wie die Kohle, die früher gefördert wurde.

„Das liegt an der Grafitpaste, die bei der Produktion der Rohre hinzugefügt wird“, so Wurm weiter. „Hierdurch verhindern wir, dass sich die GFK-Rohre elektrostatisch aufladen können. Ein entscheidendes Kriterium, da die Konstruktion der Brunnenwasserhaltung explosionsgeschützt sein muss. Normale GFK-Rohre haben eine geringe elektrische Leitfähigkeit und diese wird durch die Zugabe von Grafit erhöht.“

Das gesamte Brunnenhaltungskonzept sei darauf ausgelegt, „dass die Pumpen für Wartungs- oder Reparaturarbeiten nach über Tage gezogen werden“, und eine Sanierung der Hüllrohre sei unmöglich. Es werde daher ein korrosionsbeständiges Material benötigt, wie Wurm die der GFK-Lösung hervorhebt, die zudem ein geringes Eigengewicht haben.

Gleichzeitig verfügen die Rohre laut Hersteller über eine große Stabilität, die durch eine Sandwich-Struktur erreicht wird. Hochfeste kontinuierliche Glasfasern sollen Umfangbelastungen durch Innendruck standhalten. Während geschnittene Fasern eine optimale Druckfestigkeit gegenüber axialen Kräften, Stößen und Installationslasten garantieren sollen.
Die Rohrwand besteht laut Amiblu aus stark verstärkten Außenschichten und einem kompakten, mit Quarzsand gefülltem Kern für eine sehr gute Biegefestigkeit. In Kombination mit den Schutzschichten soll diese Struktur eine sehr gute Langzeitsteifigkeit bieten.

(Quelle und Fotos: Amiblu Germany GmbH)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Trimet startet Abwärme-Einspeisung ins Iqony-Fernwärmenetz
Trimet startet Abwärme-Einspeisung ins Iqony-Fernwärmenetz

Am 3. Februar starteten die Trimet Aluminium SE und die Iqony Fernwärme GmbH offiziell die Einspeisung industrieller Abwärme aus der Essener Aluminiumhütte in das Fernwärmenetz von Iqony. Die klimaneutral Energie soll die umweltfreundliche Wärmeversorgung in der Region weiter verbessern.

mehr lesen
Sanierung von Abwasserschächten: Untergrund ist entscheidend
Sanierung von Abwasserschächten: Untergrund ist entscheidend

Die Sanierung von Abwasserschächten wird laut IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur in der Praxis häufig unterschätzt. Wie entscheidend sorgfältige Vorbereitung und fachgerechte Ausführung sind, erläutern Professor Dr.-Ing. Bert Bosseler und Dipl.-Ing. Markus Gillar vom IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur in einem aktuellen Podcast.

mehr lesen
32. Tagung Leitungsbau: Netzausbau jetzt beschleunigen
32. Tagung Leitungsbau: Netzausbau jetzt beschleunigen

Die Energiewende in Deutschland kommt nur schleppend voran, der Netzausbau hinkt den Zielen deutlich hinterher. Die 32. Tagung Leitungsbau, zu der rbv und HDB am 20. und 21. Januar nach Berlin eingeladen hatten, sendet ein klares Signal: Das nötige Know-how und die erforderlichen Kapazitäten sind vorhanden. Was fehlt, sind klare politische Entscheidungen und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer die Energiewende will, muss den Netzausbau ermöglichen.

mehr lesen

Publikationen zum Thema

Überblick über die Rahmenbedingungen zu Wasserversorgungskonzepten in NRW

Überblick über die Rahmenbedingungen zu Wasserversorgungskonzepten in NRW

Autor: Von Beate Kramer, Frank Licht und Galina Paschkow
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen gewinnt die Aufgabe der Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung immer mehr an Bedeutung. Darauf hat der Gesetzgeber in Nordrhein-Westfalen mit der Pflicht der Kommunen zur Vorlage eines ...

Zum Produkt

Praxisorientiertes Risikomanagement in der Wasserversorgung

Praxisorientiertes Risikomanagement in der Wasserversorgung

Autor: Von Esad Osmancevic
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Das Thema „Kontinuität der Wasserversorgung“ ist in den Grundsätzen und Zielen des Betriebs der Wasserversorgungsanlagen verankert. Des Weiteren ist eine störungsfreie Wasserlieferung von der Wasserqualität, den Wassermengen, dem Personal und der ...

Zum Produkt

Die Unterschiede der GFK-Schlauchliner – vom Freispiegelkanal zur Trinkwasserleitung

Die Unterschiede der GFK-Schlauchliner – vom Freispiegelkanal zur Trinkwasserleitung

Autor: Von Dr. Nils Füchtjohann
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Bereits über Jahrzehnte sind GFK-Schlauchliner im Abwasserbereich etabliert. Seit wenigen Jahren halten sie auch zunehmend Einzug in den Trinkwasserbereich. Hygienisch, nachhaltig und projektsicher – für die grabenlose Sanierung von ...

Zum Produkt