Generic filters
FS Logoi

Grüner Wasserstoff aus Algerien: Machbarkeitsstudie gestartet

Mit dem Beginn einer Machbarkeitsstudie im Rahmen des internationalen Projekts ALTEH2A erfolgte ein weiterer Schritt in Richtung einer möglichen H2-Partnerschaft zwischen Algerien und Europa. Bei einer Veranstaltung am 12. November in Berlin informierten die beteiligten Partnerunternehmen – darunter die VNG AG aus Leipzig und der bayerische Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets GmbH – über den Fortschritt der Vorhaben ALTEH2A und SoutH2 Corridor.

von | 01.12.25

Hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik bei der Veranstaltung „Success Factors for Hydrogen Pipeline Import from Algeria"
Quelle: VNG AG

Die Projekte ALTEH2A und SoutH2 Corridor verfolgen das Ziel, langfristig grünen Wasserstoff aus Algerien nach Europa zu importieren. Im Mittelpunkt der in Berlin vorgestellten Initiative stand der Projektauftakt der vorläufigen Machbarkeitsstudie für ALTEH2A. Diese soll mögliche Produktionsstandorte in Algerien, potenzielle Transporttrassen sowie Marktpotenziale in Europa analysieren. Erste Ergebnisse zur technischen und strategischen Umsetzbarkeit der H2-Infrastruktur werden für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.

Bereits im Oktober 2024 hatten die VNG AG, die algerischen Energieunternehmen SONATRACH und Sonelgaz, der italienische Fernleitungsnetzbetreiber Snam, das Infrastrukturunternehmen SeaCorridor sowie der österreichische Energiekonzern VERBUND eine Absichtserklärung zur Gründung der „Algeria to Europe Hydrogen Alliance“ (ALTEH2A) unterzeichnet. Ziel der Kooperation ist es, die wirtschaftliche und technische Machbarkeit einer großskaligen Produktion von grünem Wasserstoff in Algerien zu prüfen und zu bewerten, ob ein Transport über den geplanten SoutH2 Corridor nach Europa realisierbar ist.

„Wir freuen uns, gemeinsam mit unseren geschätzten internationalen Projektpartnern ein Vorhaben für den Wasserstoffhochlauf in Europa voranzubringen“, so Ulf Heitmüller, CEO der VNG. „Die Partnerschaft mit Algerien und die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Infrastruktur über den SoutH2 Corridor sollen die Möglichkeit schaffen, grünen Wasserstoff in großem Maßstab und zu wettbewerbsfähigen Preisen nach Europa zu bringen. Damit leisten wir einen ent¬scheidenden Beitrag zur zukünftigen Versorgungssicherheit und zur Dekarbonisierung der deutschen Industrie. Algerien verfügt absehbar über großes Potenzial für die Produktion grünen Wasserstoffs. Dieses Potenzial wollen wir gemeinsam erschließen und unsere vertrauensvolle Energiepartnerschaft in die Zukunft führen.“

SoutH2 Corridor: Verbindung zwischen Nordafrika und Europa

Der Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets GmbH arbeitet gemeinsam mit den Partnerunternehmen GCA, TAG und Snam an der Entwicklung des rund 3.300 Kilometer langen SoutH2 Corridor. Die geplante Leitung soll Deutschland mit Nordafrika, Italien und Österreich verbinden und künftig den Transport von Wasserstoff ermöglichen. Die Europäische Kommission hat die Einzelprojekte des Importkorridors als „Project of Common Interest“ (PCI) eingestuft und damit deren zentrale Bedeutung für den Ausbau einer grenzüberschreitenden Energieinfrastruktur hervorgehoben.

Im Januar unterzeichneten die Regierungen von Algerien, Tunesien, Italien, Österreich und Deutschland eine gemeinsame politische Erklärung zur Unterstützung des Southern Hydrogen Corridor. Ein wichtiger Bestandteil der Initiative ist das PCI-Projekt „HyPipe Bavaria – The Hydrogen Hub“, das von bayernets entwickelt wird. Es soll künftig den Transport von Wasserstoff vom österreichischen Importpunkt zu industriellen Standorten in Bayern sowie in den Norden und Südwesten Deutschlands sicherstellen.

Nour Eddine Daoudi, Vorstandsvorsitzender des algerischen Unternehmens SONATRACH, betonte die strategischen Ambitionen Algeriens, sich zu einem führenden Standort für die Produktion und den Export erneuerbarer Energien zu entwickeln. Die Kombination aus umfangreichen natürlichen Ressourcen, bestehender Energieinfrastruktur und geografischer Nähe zu Europa biete dafür günstige Voraussetzungen.

ALTEH2A-Projekt:  H2-Exporte mit Wachstumsperspektive

Laut Daoudi eröffne ALTEH2A neue Perspektiven für nachhaltiges Wachstum und internationale Kooperation. Zugleich stelle es ein Modell für eine Energiepartnerschaft zwischen Algerien und der Europäischen Union dar, das auf gemeinsamen Interessen und langfristiger Zusammenarbeit aufbaue. Auch Dr. Matthias Jenn, CEO der Bayernets GmbH begrüßt die Pläne und erklärt:

„Die Produktion von Wasserstoff und die entsprechende Transportinfrastruktur müssen parallel entwickelt werden. Unsere gemeinsame Veranstal¬tung hat diese Prämisse für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf für Europa erneut unterstrichen. Die Partner des SoutH2 Corridor schaffen die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Zugang zu grünen Wasserstoffquellen in Nordafrika. Jetzt ist es entscheidend, dass Konzepte zur Risikominderung für die Importkorridore entwickelt werden, damit Investitionsentscheidungen zügig getroffen werden können. Langfristig wird dies die Industrie in allen beteiligten Ländern stärken.“

Im Rahmen der Berliner Veranstaltung informierten die beteiligten Unternehmen Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland, Algerien, Italien und Österreich über die Fortschritte der Projekte ALTEH2A und SoutH2 Corridor. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftlichen Potenziale einer vertieften Energiekooperation zwischen Europa und Nordafrika sowie die Bedeutung des internationalen Hochlaufs der Wasserstoffwirtschaft.

Die Diskussionen befassten sich zudem mit den Rahmenbedingungen für den Aufbau von Importkorridoren und die Ausgestaltung langfristiger Abnahmeverträge. In der abschließenden Bewertung wurde die strategische Rolle von Wasserstoff hervorgehoben: Er gilt als Schlüssel zur Dekarbonisierung industrieller Prozesse und des Schwerlastverkehrs. Der Aufbau einer transnationalen Wasserstoffinfrastruktur mit grenzüberschreitenden Pipelines wurde dabei als zentraler Faktor für eine stärkere Energiesouveränität und Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union bezeichnet.

(Quelle: VNG)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau

Wie lassen sich Fern- und Nahwärmenetze unter hohem Zeit- und Kostendruck effizient realisieren? Dieser Frage widmet sich das Live-Webinar von BGS am 12. November 2026 um 11 Uhr. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Muffensysteme und ihr Einfluss auf Montageaufwand, Baustellenablauf und Wirtschaftlichkeit.

mehr lesen
IKT-Konferenz zu KI, Drohnen, Robotern weltweit: Was ist neu im Kanal?
IKT-Konferenz zu KI, Drohnen, Robotern weltweit: Was ist neu im Kanal?

Das IKT lädt Fachleute aus aller Welt zur dritten internationalen Konferenz „AI, Drones, Sensors and Robots for Smart Sewers and Urban Drainage“ ein. Am 3. und 4. Februar 2027 in Gelsenkirchen geht es um neue Technologien für Kanalnetze und Stadtentwässerung – und um die Frage, was sie in der Praxis leisten. Präsentationsvorschläge sind bis zum 31. Oktober 2026 willkommen.

mehr lesen
Ingenieure ohne Grenzen verbessern weltweit Lebensbedingungen
Ingenieure ohne Grenzen verbessern weltweit Lebensbedingungen

Der gemeinnützige Verein Ingenieure ohne Grenzen e. V. hat seit seiner Gründung im Jahr 2003 gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen im Globalen Süden zahlreiche Infrastrukturprojekte in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung, Energie und Bildung realisiert. Rund 900 Ehrenamtliche haben sich dafür in 28 deutschen Regionalgruppen organisiert. Aktuelle Projekte sind unter anderem in Sierra Leone, Tansania, Simbabwe, Uganda und Kenia entstanden.

mehr lesen

Publikationen zum Thema