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Hamburg Wasser verzeichnet positive Bilanz und kündigt Bauoffensive an

Mit 109,8 Mio. Euro Überschuss schließt der Konzern Hamburg Wasser das Geschäftsjahr 2023 äußerst erfolgreich ab. Die Hamburger Wasserwerke GmbH erwirtschafteten dabei ein Ergebnis von 43,8 Mio. Euro, die Hamburger Stadtentwässerung AöR 65,2 Mio. Euro und Tochterunternehmen 0,8 Mio. Euro. Der Gewinn aus dem Trinkwasserverkauf wird an die Freie und Hansestadt Hamburg abgeführt.

von | 05.07.24

Ingo Hannemann und Gesine Strohmeyer, Geschäftsführung Hamburg Wasser, am Zusammenfluss vom Kuhmühlenstammsiel und dem Verbindungssiel zu Isebek- und Geeststammsiel
Foto: Ulrich Perrey/Hamburg Wasser

Der Überschuss aus dem Abwassergeschäft geht in die Rücklagen des Unternehmens und wird für umfassende Investitionen genutzt. Von 2023 bis 2027 fließen gut 1,4 Mrd. Euro in unterschiedliche Infrastrukturprojekte, darunter die Sanierung historischer Abwasseranlagen und ein Unterstützungsprogramm für den U5-Neubau, bei dem Trinkwasserleitungen in Straßen saniert werden, die als Ausweichstrecken für die großen U-Bahn-Baustellen in Frage kommen. Mit den angekündigten Maßnahmen im Abwasserbereich wird Hamburg Wasser künftig mehr Regen als bislang abführen können – und damit einen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leisten.

Hamburg zukunftsfest machen – 30.000 Regentonnen für die Innenstadt

In zentralen Teilen Hamburgs sorgen seit gut 120 Jahren große, gemauerte Stammsiele für eine reibungslose Entwässerung. Rund 250 km dieser „alten Riesen“ müssen punktuell saniert werden, damit sie auch in Zukunft häusliches Abwasser und Niederschlag sicher ableiten können. Wie das gelingen soll, erläutert Ingo Hannemann, Sprecher der Geschäftsführung von Hamburg Wasser:

„Anders als es im Straßenverkehr der Fall ist, können wir unsere Abwassersiele nicht einfach komplett sperren, um daran zu arbeiten. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren zunächst Ersatzkanäle gebaut, die das Wasser aus den Stammsielen aufnehmen können. Bis in die frühen 2030er Jahre werden wir unsere alten Riesen sukzessive sanieren und gleichzeitig weitere Bauvorhaben initiieren, um Hamburgs Zukunftsfähigkeit angesichts von Bevölkerungsdynamik, Urbanisierung und Klimawandel zu sichern.“

Langfristig ist ein Parallelbetrieb der neu gebauten Ersatzsiele sowie der historischen Stammsiele geplant. Damit erhöht sich die Netzkapazität um bis zu 9.000 m3 – so viel, wie in 30.000 handelsübliche Regentonnen passt.

Grün statt gelbgrau: Hamburgs Pumpwerk an der Hafenstraße wird saniert

Hamburgs Kanalisation wird künftig nicht nur mehr Wasser aufnehmen können, sondern es auch effizienter zum Klärwerk transportieren. Dafür sorgt die Modernisierung des Pumpwerks Hafenstraße.

„Die Bauwerke aus den 1950er und 1960er Jahren werden für gut 110 Mio. Euro bis 2029 grundsaniert und erweitert“, sagt Ingo Hannemann. Im Endausbau pumpt das Werk zusammen mit dem Transportsiel Altona 9.000 Liter pro Sekunde in Richtung Klärwerk. Im Zuge der Arbeiten saniert Hamburg Wasser an der Hafenstraße zudem eine Druckrohrleitung, einen Regenauslass und erneuert Rechen- und Sandfänge des Bauwerks.

Zusätzlich plant Hamburg Wasser, den Pumpwerkkomplex zukünftig vollständig mit regenerativen Energien zu versorgen. Dazu realisiert Hamburg Wasser eine Wärmerückgewinnung aus Abwasser durch den Einbau von fünf Wärmetauschern an der Hauptpumpenleitung.

In Verbindung mit einer Wärmepumpe kann die gewonnene Energie nicht nur den Wärmebedarf des Pumpwerks von etwa 6.200 Megawattstunden pro Jahr vollständig decken, sondern auch andere Wärmeabnehmer auf dem Gelände versorgen.

Für die Erstellung des Sanierungskonzepts hat Hamburg Wasser wissenschaftliches Know-how einbezogen, wie Ingo Hannemann erläutert:

„Wir möchten mit dem Pumpwerk den Nachweis erbringen, dass es in stark verdichteten Quartieren möglich ist, wassersensibel zu bauen und Klimafolgen zu antizipieren. Unser neues, klimaresilientes Pumpwerk berücksichtigt Erkenntnisse der TU Hamburg und ist ein Pilot für das sogenannte Climate Informed Engineering.“

Pumpwerksgebäude und -gelände werden größtenteils kein Regenwasser in die Kanalisation leiten, stattdessen soll das Wasser an Ort und Stelle verbleiben und dort zur Bewässerung der begrünten Fassaden genutzt werden. Dass damit einer ganz besonderer Ort von symbolischer Bedeutung entsteht, freut Ingo Hannemann, der ergänzt:

„Von außen tragen begrünte Fassaden und die Abkopplung der Entwässerung zum Gelingen der Schwammstadt bei. Im Inneren vergrößern sein effizienter Betrieb und die punktuell vergrößerte Kanalisation die grauen Poren der Schwammstadt.“

Nachhaltige Finanzierung für Milliardeninvestitionen

Im Jahr 2023 lagen die Investitionen für die Abwasserseite bei 165,3 Mio. Euro und für Projekte auf der Trinkwasserseite bei 67,5 Mio. Euro. Auch in den nächsten Jahren wird Hamburg Wasser weiter kräftig investieren. Von 2023 und 2027 habe man laut Gesine Strohmeyer, kaufmännischer Geschäftsführerin, Investitonen von rund 1,4 Mrd. Euro eingeplant. Um die Finanzierungskraft zu stärken und das Finanzierungsportfolio zu erweitern, hat Hamburg Wasser eine Green Finance Framework erarbeitet. Dieses Rahmenwerk regelt die Bedingungen für grüne Finanzierungen. Gesine Strohmeyer weiter:

„Wir möchten, dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie und unsere Finanzierungsstrategie Hand in Hand gehen. Mit dem grünen Rahmenwerk bieten wir bestehende und neuen Investoren die Möglichkeit uns bei unseren Projekten zu unterstützen und damit echten Umwelt- und Klimaschutz zu fördern.“

Damit Wasser und Verkehr im Fluss bleiben – Sonderprogramm für die U5

Die Instandhaltung des 5.328 km langen Trinkwassernetzes ist eine Daueraufgabe. Um die Netzqualität zu erhalten und gleichzeitig Großprojekte anderer städtischer Akteure zu unterstützen, legt Hamburg Wasser ab diesem Jahr ein 20 Mio. schweres Sonderprogramm für die U5 auf.

In den Blick nimmt Hamburg Wasser dabei insbesondere Winterhude und Hohenfelde. „Großprojekte wie ein U-Bahn-Neubau sind ohne Riesenbaustellen nicht umsetzbar. Es wird daher erforderlich sein, potenzielle Ausweichrouten für den Verkehr vorab so zu ertüchtigen, dass dort keine ungeplanten Rohrbrüche entstehen“, kündigt Gesine Strohmeyer an und Ingo Hannemann ergänzt: „Wir stehen in den Startlöchern für die Umsetzung dieses Programms und wollen unseren Teil leisten, damit die U5 kommen kann. Was wir nun brauchen, sind rasche Genehmigungen.“ Vergleichbare vorbereitende Arbeiten hat Hamburg Wasser bereits im Jahre 2023 in Barmbek und Bramfeld durchgeführt.

(Quelle: Hamburg Wasser)

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