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Kombinierte Leitungstrasse: Wasserstoff und Strom für Finkenwerder

Die Transformation der Energieversorgung erreicht auch die Elbinsel Finkenwerder: Das Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN soll dort ab 2027 den Luftfahrt-Standort versorgen und auch der steigende Strombedarf erfordert eine leistungsfähigere Infrastruktur.

von | 30.09.25

Kombinierter Leitungsbau für die Energiewende: Ein 270 m langes Stahlrohr unterquert nun das Gewässer Aue zwischen Moorburg und Finkenwerder. Es enthält sowohl eine Wasserstoffleitung des Projekts HH-WIN als auch Stromleitungen.
Foto: Hamburger Energienetze

Die Hamburger Energienetze kombinieren nun das Legen von Wasserstoff- und Stromleitungen auf einem rund 4,5 km langen Abschnitt zwischen Altenwerder und dem Norden der Elbinsel. Um das Gewässer „Aue“ zwischen Alter Süderelbe und Dradenauhafen zu queren, entsteht ein insgesamt 270 m langer kombinierter Leitungstunnel, ein sogenannter Düker.

Aktuell gräbt sich eine Horizontalbohrmaschine unter der Aue durch. Dort zieht ein Team aus Tunnel-Fachleuten Rohre tief unter dem Gewässergrund ein, durch die künftige Strom- und Wasserstoffleitungen verlaufen werden. Dank des Horizontal-Spülbohrverfahrens von einer Baugrube nördlich des Ufers zu einer weiteren südlich der Aue beeinträchtigen die Arbeiten das naturnahe Gewässer nicht. Weil rund um die Baustelle vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen liegen, gehen von den Maßnahmen kaum Verkehrsbeeinträchtigungen aus. Lediglich der Radweg auf dem Bahndamm musste umgeleitet werden. Die Kombination zweier Leitungsneubauten senkt darüber hinaus den Aufwand gegenüber Einzelmaßnahmen erheblich.

Michael Dammann, Technischer Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, hebt den Nutzen der kombinierten Baumaßnahme hervor: „Die Synergien bei diesem gebündelten Leitungsbau liegen auf der Hand. Unser Wasserstoffnetz HH-WIN erhält hier eine wichtige neue Trasse und die steigenden Lasten bei der Stromversorgung am Standort Finkenwerder decken wir durch den Ausbau dieser Leitungsstrecke. Beides schaffen wir mit gesenkten Belastungen für die Natur sowie für die Bürgerinnen und Bürger der Elbinsel.“

Horizontalspülbohrverfahren quert Aue

Kräne und Bagger kamen beim Rohreinzug zum Einsatz, weil das 270 m langes Stahlrohr nur mit geringem Biegeradius in den Bohrkanal eingebracht werden kann. Im Innern enthält es bereits eine weitere Stahlleitung für den Wasserstofftransport sowie Rohre, durch die künftig neue Stromkabel Finkenwerder versorgen werden. Foto: Hamburger Energienetze

Über eine Länge von 270 m gräbt sich die Horizontalspülbohranlage von der Startgrube auf Finkenwerder nahe des Osterfelddeichs zur Zielgrube bei der Straße ‚An der alten Süderelbe‘. Hinter dem Bohrkopf stabilisiert dabei eine Bentonit-Spülung den Bohrkanal und transportiert zugleich Abraum in die Startgrube zurück. Eine per Kreiselkompass geführte Steuerung lenkt dabei die Bohrung zielsicher von Start- zu Zielgrube. Mit dem Bohrkopf zieht das Fachteam Spezialrohre mit rund 30 cm Durchmesser in den Bohrkanal ein, die bereits für die Aufnahme der Stromleitung bzw. für den Transport von Wasserstoff vorbereitet sind. Die von Altenwerder kommenden Leitungen verlaufen hier später in Nord-Süd-Richtung entlang des alten Finkenwerder Bahndamms, auf dem heute ein Radweg liegt.

Mehrere Leitungen für Hamburgs Energiezukunft

Zusätzlich zur Wasserstoff-Infrastruktur HH-WIN bauen die Hamburger Energienetze auf Finkenwerder das Stromnetz aus. Mittelspannungs-, Niederspannungs- und Datenkabel sollen Industrie und Anlieger künftig zuverlässig mit Strom versorgen. Der Ersatz alter Leitungen und die Digitalisierung des Netzes spielen bei dem Ausbau eine zentrale Rolle. Zusätzlich schaffen Leerrohre für 110-kV-Kabel Reserven für weitere Leistungserhöhungen. Die Transformation der Energieinfrastruktur macht hier Hamburg-Finkenwerder fit für die Anforderungen der Energiewende.

(Quelle: Hamburger Energienetze)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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