Generic filters
FS Logoi

Nordisch-baltische Wasserstoff-Partnerschaft wird vorangetrieben

Erzeuger, Infrastrukturentwickler und Abnahmepartner arbeiten künftig eng zusammen, um erneuerbare Energien aus der nordisch-baltischen Region in eine leistungsfähige Wasserstoff-Infrastruktur nach Deutschland zu überführen.

von | 22.04.26

Auf der WindWorks 2026 unterzeichneten Northern Europe Energy Group, SEFE und das BHC-Konsortium eine Absichtserklärung (MoU), um die Entwicklung einer integrierten Wasserstoff-Wertschöpfungskette zwischen der Nordisch‑Baltischen Region und Deutschland voranzutreiben.
Fotograf: Rudolf Liepins

Auf der WindWorks 2026 in Riga unterzeichneten die Northern Europe Energy Group AS (Northern), SEFE und das Konsortium Baltic Sea Hydrogen Collector (BHC) eine Absichtserklärung, um die Entwicklung einer integrierten Wasserstoff-Wertschöpfungskette voranzutreiben, die die nordisch-baltische Region mit Deutschland verbindet.

Der Baltic Sea Hydrogen Collector (BHC) ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das die Versorgung mit grünem Wasserstoff in den nordischen Ländern und Mitteleuropa sicherstellen wird. Das BHC-Konsortium besteht aus Gasgrid Finland, GASCADE Gastransport und Copenhagen Energy Islands – einem Teil von Copenhagen Infrastructure Partners.

Die Zusammenarbeit vereint Angebot, Infrastruktur und Nachfrage – die drei entscheidenden Elemente, die für den Ausbau von Wasserstoffprojekten erforderlich sind:

  • Northern trägt durch seine Produktionspläne in Lettland und im gesamten Ostseeraum zur Angebotsseite bei.
  • BHC stellt den geplanten Offshore-Transportkorridor bereit.
  • SEFE sorgt für die auf der Nachfrageseite benötigte Zugkraft, um das regionale Angebotspotenzial in langfristige Abnahme- und Transportnachfrage umzuwandeln.

 

Die strategische Grundlage ist solide. Die nordisch-baltische Region vereint reichhaltige erneuerbare Ressourcen, attraktive Industriestandorte und direkten Zugang zu wichtigen europäischen Nachfragemärkten. In Liepāja wird das Flaggschiffprojekt von Northern, CIS Liepāja, als Projekt mit dem Potenzial präsentiert, in der ersten Phase eine Produktion von rund 100.000 t grünem Wasserstoff pro Jahr zu erreichen, wobei ein erheblicher Anteil für den Export nach Deutschland und in andere EU-Märkte vorgesehen ist. Die vollständige Projektentwicklung wird Investitionen von weit über 1 Mrd. Euro mobilisieren können, was das Ausmaß der Chancen für Lettland und die gesamte Region unterstreicht.

Gleichzeitig wird die Entwicklung eines nordisch-baltischen Wasserstoff-Ökosystems die europäische Energieversorgungssicherheit stärken, die zukünftige Versorgung mit sauberer Energie diversifizieren, Europa mit kosteneffizientem Wasserstoff versorgen und zu einer größeren europäischen Energieautarkie beitragen, indem die Abhängigkeit von importierter fossiler Energie verringert wird.

BHC fügt die Infrastrukturkomponente hinzu, die erforderlich ist, um dieses regionale Potenzial in einen grenzüberschreitenden Korridor zu verwandeln. Das Projekt hat den Status eines Vorhabens von gemeinsamem Interesse (PCI) und hat 15,3 Mio. Euro an EU-Fördermitteln für Vorbereitungsarbeiten erhalten. Die Infrastruktur soll voraussichtlich Anfang bis Mitte der 2030er Jahre einsatzbereit sein, vorbehaltlich der weiteren Reifung des Projekts.

Umfassendes Wasserstoff-Ökosystem

Die Bedeutung dieser Absichtserklärung geht über eine bilaterale Verbindung hinaus. Es ist ein konkreter Schritt hin zu einem umfassenderen Wasserstoff-Ökosystem, das alle Länder rund um die Ostsee einbezieht, in dem Produktion, Transport und Nachfrage parallel statt isoliert entwickelt werden.

Thor Magnus Rovik, Chief Executive Officer der Northern Europe Energy Group, sagte: „Die nordisch-baltische Region verfügt über bedeutende Ressourcen und wird als Energieknotenpunkt für die europäische Energieversorgung und -wende von großer Bedeutung sein. Der nächste Schritt besteht darin, dieses Ressourcenpotenzial mit der Infrastruktur und den Kunden zu verbinden. Genau darum geht es bei dieser Zusammenarbeit – und darum, regionale Stärke in industriellen Wert umzuwandeln.“

Thomas Dalsgaard, Chief Executive Officer, Copenhagen Energy Islands, sagte: „Die Ostseeregion kann zu einer wichtigen Säule der Wasserstoffzukunft Europas werden. Das erfordert jedoch Korridor-Denken, grenzüberschreitende Infrastruktur wie den BHC und starke Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Vereinbarung ist ein klarer Ausdruck dieses Ziels.“

Für die unterzeichnenden Partner ist die Botschaft klar: Das nordisch-baltische Wasserstoff-Ökosystem verfügt über echtes strategisches und industrielles Potenzial. Diese Zusammenarbeit soll dazu beitragen, dieses Potenzial zu erschließen – in großem Maßstab, zügig und mit einem klaren Fokus darauf, die regionalen Stärken im Bereich der erneuerbaren Energien mit der industriellen Nachfrage in Europa zu verbinden, während gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit Europas gestärkt und ein autarkeres europäisches Energiesystem gefördert wird.

(Quelle: Gascade Gastransport GmbH)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Talsperren bewahren die Ruhr vor dem Trockenfallen
Talsperren bewahren die Ruhr vor dem Trockenfallen

Im Einzugsgebiet der Ruhr sind im Juli nur 22 Millimeter Niederschlag gefallen, 77 Prozent weniger als üblich, wie der Ruhrverband am 7. August mitgeteilt hat. Ohne den Ausgleich durch das Talsperrensystem wäre der Fluss am Pegel Villigst bei Schwerte an 18 von 31 Tagen streckenweise trockengefallen.

mehr lesen
Wärmewende: Studie bestätigt Rolle von Wärmepumpen und Wärmenetzen
Wärmewende: Studie bestätigt Rolle von Wärmepumpen und Wärmenetzen

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE und Öko-Institut haben die zweite Ausgabe ihrer Studie zur kommunalen Wärmeplanung vorgelegt. Darin haben sie die Ergebnisse aus rund 380 Wärmeplänen von etwa 940 Kommunen ausgewertet. Die Untersuchung bestätigt, dass Wärmepumpen und Wärmenetze die tragenden Säulen der künftigen Wärmeversorgung in Deutschland bilden, zeigt jedoch weiterhin Lücken bei den Annahmen zu Gebäudesanierung, Biomasseeinsatz und industrieller Prozesswärme.

mehr lesen
Behörde benennt Prüfstelle für Niederschlagswasser an Bahnanlagen
Behörde benennt Prüfstelle für Niederschlagswasser an Bahnanlagen

Das Eisenbahn-Bundesamt hat das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur als Prüfstelle für dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlagen an Bahnanlagen benannt, wie das Institut am 5. August mitgeteilt hat. Hersteller können die Reinigungsleistung ihrer Systeme damit künftig für den Einsatz an Gleisanlagen nachweisen lassen, wo neben Schwermetallen auch Herbizide im Abfluss auftreten können.

mehr lesen
CO2-Bilanzierungsregeln bestimmen Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseanlagen
CO2-Bilanzierungsregeln bestimmen Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseanlagen

Forschende der Universität Mannheim haben berechnet, wie sich CO₂-Bilanzierungsregeln auf die Wirtschaftlichkeit von Power-to-Gas-Anlagen auswirken. Die im Nature Communications veröffentlichte Studie nimmt dabei die Perspektive gewinnorientierter Unternehmen ein. Die Ergebnisse zeigen: Strenge Regeln bieten ausreichende Investitionsanreize bei Renditen von 8 bis 15 Prozent, garantieren aber keinen kohlenstoffarmen Wasserstoff. Weniger strenge Regeln erhöhen die Renditen auf bis zu 23 Prozent.

mehr lesen
WONKa: Bundesnetzagentur ordnet Wasserstoffnetzkosten und Kapitalverzinsung neu
WONKa: Bundesnetzagentur ordnet Wasserstoffnetzkosten und Kapitalverzinsung neu

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 29. Juli ein Verfahren zur Neuregelung der Netzkosten und der Kapitalverzinsung für Wasserstoffnetze eingeleitet. Die „Festlegung für einen Wasserstoff-Ordnungsrahmen zu den Netzkosten und Methoden der Kapitalverzinsung” (WONKa) löst die bisherige „Verordnung über die Kosten und Entgelte für den Zugang zu Wasserstoffnetzen“ (WasserstoffNEV) ab und soll eine Regelungslücke bei den Zinssätzen für die Kapitalverzinsung schließen. Sie soll für die Kostengenehmigungsverfahren ab dem Jahr 2028 in Kraft treten. Ein Konsultationsentwurf ist für Dezember angekündigt.

mehr lesen

Publikationen zum Thema