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RSV-Stellungnahme zu Preiserhöhungen beim Schlauchlining

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Autor: Nico Hülsdau

RSV-Stellungnahme zu Preiserhöhungen beim Schlauchlining

Eine weltweite Verknappung bei Rohstoffen sorgt aktuell für einen drastischen Preisanstieg auf dem Kunststoffmarkt. Die Hersteller von Schlauchliningsystemen geben einen Teil des Anstiegs nun an die ausführenden Unternehmen weiter.

“Dienstleister, die derartige Preisschwankungen nicht in ihrer Kalkulation berücksichtigen konnten, trifft die Situation jetzt mit voller Wucht”, erklärt Andreas Haacker, Vorsitzender des Rohrleitungssanierungsverbandes. Nach einer Phase stabiler und teils rückläufiger Preise fürs Schlauchlining haben mehrere Systemanbieter einen Anstieg ihrer Lieferpreise um rund 10 % angekündigt – zum Teil mit sofortiger Wirkung.

“Die im RSV organisierten Hersteller von Schlauchlinern bemühen sich nach Kräften, weiterhin lieferfähig zu bleiben”, sagte Haacker. In kurzer Zeit hatte es zuletzt zahlreiche Meldungen über unerwartete Produktionsausfälle seitens internationaler Rohstoffproduzenten gegeben – mit deutlich erhöhten Kosten für die Beschaffung von Ersatzstoffen. Der für die Branche tätige Lieferant AOC hatte beispielsweise Mitte März einen Anstieg der Preise für alle UPR- und Vinylesterharze um 350 Euro pro Tonne angekündigt – zusätzlich zu den bereits mehrfach erfolgten Erhöhungen der vergangenen Monate.

“Auch wenn die Situation zurzeit schwierig ist, bleibt das Schauchlining für die Auftraggeberseite weiterhin die wirtschaftlich vernünftige Form der Renovierung von Abwasserleitungsnetzen. Wir hoffen, dass die Prognosen von Experten stimmen und die Lage sich bis zum Herbst wieder entspannt”, so Andreas Haacker.

 

Verschiedene Ursachen für die Lieferkrise

Bei den Rohstoffen hatte sich bereits seit Ende 2020 ein kontinuierlicher Aufwärtstrend bemerkbar gemacht. Als Gründe nennen Experten des EuPC, der Handelsvereinigung europäischer Kunststoffverarbeiter, mehrere Faktoren:

  • Die Corona-Krise: Nach dem weltweiten Lockdown und einem starken Rückgang in der Produktion zog die Nachfrage in der  zweiten Jahreshälfte 2020 kräftiger an als die Versorgung mit Rohstoffen. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage lässt sich nicht so schnell ausgleichen, da zunächst die Kapazitäten wieder hochgefahren werden müssen.
  • Der Wintereinbruch in den USA: Extreme Wetterbedingungen brachten die Produktion von Rohstoffen zum Jahreswechsel ins Stocken – mit Folgen auch für den europäischen Markt.
  • Fehlende Frachtkapazitäten: Der wirtschaftliche Aufschwung in Asien und der weltweit steigende Online-Handel hat den Bedarf an Containern und Schiffsfrachten schlagartig in die Höhe schnellen lassen – nach Jahren kontinuierlichen Nachfrage-Rückgangs. Der Frachtraum von Passagierflugzeugen fehlt weiterhin.

 

Drastischer Preissprung bei chemischen Ausgangsstoffen

“Wir haben es bei den Ausgangsstoffen mit einem sehr volatilen Markt zu tun, der sich bisher weitgehend am Rohölpreis orientiert hat und zwischenzeitlich eher nach unten zeigte”, sagt Andreas Haacker. Die aktuelle Lage stellt sich nach Einschätzung der Hersteller im Verband völlig anders dar: Es herrscht ein harter Wettbewerb der Zulieferer um die begehrten Ausgangsstoffe. So ist bei Styrol beispielsweise der Rohstoffpreis binnen eines Monats um rund 50 % gestiegen. Die Styrol-Preisexplosion wurde zuletzt mit fehlenden US-Importen und einer Force Majeure eines niederländischen Werks begründet – solche Meldungen über höhere Gewalt bei ausgefallenen Produktionen seitens der Zulieferer gibt es nach Angaben von Branchenvertretern derzeit nahezu täglich.

Sollte die Situation sich nicht entspannen, kann es nach Einschätzung des Verbandes EuPC zu einer weiteren Reduzierung der Produktion und Engpässen bei Kunststoffprodukten kommen. Der Verband ruft seine Partner in der polymerverarbeitenden Industrie dazu auf, “gemeinsam mit den Kunden nach Lösungen zu suchen, um die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern nicht zu gefährden”.

 

Die rechtliche Situation

Auf die Preisgestaltung bei bestehenden Kanalsanierungsprojekten wirkt sich die rasante Preisentwicklung bei den Rohstoffen nach Einschätzung von Experten zunächst grundsätzlich nicht aus. “Eine unmittelbare Weitergabe der Mehrkosten ist angesichts der allgemein üblichen Vertragsgestaltung bei öffentlichen Vergaben nach VOB nicht zu erwarten”, erklärt Rechtsanwalt Carsten Wittenberg, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und Partner der Kanzlei CLP Rechtsanwälte in Düsseldorf. Die Verträge sehen im Regelfall Festpreise vor, die eine Stoffpreisveränderung unberücksichtigt lassen. “Es gibt die Möglichkeit der Vereinbarung einer Preisgleitklausel, die aber nicht standardmäßig in den Verträgen Einzug erhält und insofern eine Ausnahme darstellt”, so Wittenberg.

Gestiegene Materialpreise können aber gegebenenfalls im Rahmen von Nachträgen und gestörten Bauabläufen Berücksichtigung finden. Können Materialbestellungen aufgrund von Anordnungen des Auftraggebers oder wegen Behinderungen, die der Auftraggeber zu vertreten hat, erst verspätet und zu schlechteren Konditionen vorgenommen werden, kommt ein „Durchreichen“ der Mehrkosten durchaus in Betracht.

 

Anwälte referieren beim RSV-Erfahrungsaustausch

Aus aktuellem Anlass referieren Experten von CLP beim nächsten RSV-Erfahrungsaustausch online zum Thema “Durchsetzung von Mehrkosten im VOB-Vertrag“. Der Termin ist am Mittwoch, 14. April 2021, von 11:00 bis 12:00 Uhr. Auch Nichtmitglieder und Netzbetreiber können  dabei sein: Anmeldung unter webkonferenz@rsv-ev.de.

 

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