Generic filters
FS Logoi

Rohrfrosten im Weltkulturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“

Bei der letzten Inspektion der Erdgasleitungen, die die Insel Borkum vom Festland versorgen, blieb der Molch in einer der Leitung stecken. Um den Molch herauszuschneiden, haben Techniker der Bardenhagen-Niederlassung Horneburg zwei Rohrfrostungen im Weltkulturerbe Wattenmeer vor der Insel Borkum durchgeführt.

von | 16.09.24

Frostmanschette bei der Rohrfrostung Quelle: Bardenhagen

Unter den Lieblingsferieninseln der Deutschen nimmt Borkum, die größte und am weitesten westlich gelegene ostfriesische Insel, einen der vorderen Plätze ein: Auf 5.000 feste Einwohner kommen rund 240.000 Übernachtungsgäste mit rund 2,3 Mio. Übernachtungen pro Jahr. Und diese Gäste erwarten ein ähnliches Komfortniveau wie auf dem Festland, also auch eine funktionierende Heizung und warmes Wasser. In vielen Häusern auf Borkum sorgt Erdgas für diesen Komfort. Die EWE NETZ GmbH, ein langjähriger Bardenhagen-Kunde, versorgt die Insel Borkum vom Festland über zwei Erdgasleitungen mit einer Gesamtlänge von rund 50 km Länge.

Inspektion durch “Inline-Molchung”

Die im Wattenmeer verlegten Stahlrohre sind durch eine Kunststoffummantelung geschützt und verfügen über einen aktiven kathodischen Korrosionsschutz. Angesichts der Bedeutung dieser Leitungen für die Insel werden die beiden Versorgungsleitungen regelmäßig überprüft, u. a. durch intelligente Molchungen. Um in der kalten Jahreszeit eine reibungslose Versorgung zu gewährleisten, werden solche Molchungen gewöhnlich in den Sommermonaten vorgenommen.

Dabei wird das sogenannte „Inline-Molch-Verfahren“ eingesetzt. Diese gründliche Untersuchung liefert detaillierte Informationen über den Zustand der gesamten Rohrleitung. Zunächst wird das Erdgas aus einer der Leitungen entfernt: Die Gaszufuhr zur Leitung wird unterbrochen und die Borkumer verbrauchen das restliche Gas in der Leitung innerhalb von etwa einer Woche.

Danach wird die Leitung mit Wasser befüllt. Ein spezielles Werkzeug, ein sogenannter intelligenter Molch, der durch Wasserdruck angetrieben wird und mit speziellen Messgeräten (Ultraschall und/oder Magnetfeld) ausgestattet ist, durchquert die Leitung von der Insel bis zum Festland. Dabei werden unter anderem die Lage der Leitungen im Wattenmeer, mögliche Veränderungen der Wanddicke und Korrosionsstellen am Stahlrohr erfasst. Nach Abschluss der Messungen wird das Wasser aus der Leitung entfernt, die Leitung getrocknet und anschließend wieder mit Erdgas befüllt.

Prinzip der Rohrfrostung

Bei der letzten Inspektion trat leider ein Problem auf: In einer der beiden Leitungen blieb der Molch stecken und konnte nicht weiterbewegt werden. Die Versorgung der Insel Borkum konnte aber erst einmal über die andere Leitung sichergestellt werden. Nach einer internen Bewertung der möglichen Bergungsmaßnahmen nahm die EWE NETZ GmbH Kontakt zur Bardenhagen Niederlassung in Horneburg auf. Das Unternehmen ist unter anderem Spezialist für das sogenannte Rohrfrosten, eine Technik, bei der flüssiger Stickstoff zum Einsatz kommt. Als vom TÜV zertifizierter Fachbetrieb für das Rohrfrosten verfügt Bardenhagen über umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich.

Die Aufgabe war eindeutig definiert: Eine DN 100-Rohrleitung musste an zwei Stellen mittels Flüssigstickstoff eingefroren werden, um den zwischen diesen beiden Punkten festsitzenden Molch aus der Leitung herauszuschneiden und anschließend ein neues Rohrstück einzuschweißen. Erschwert wurde diese ohnehin anspruchsvolle Aufgabe noch durch die speziellen Anforderungen der Arbeitsstelle Wattenmeer.

Maßnahmen & Arbeitsablauf

Für die Baumaßnahme wurde mitten im Wattenmeer eine etwa 60 Quadratmeter große und 6,5 m tiefe Baugrube errichtet. Aufgrund der Gezeiten wurde die Baugrube mit Spundwänden gesichert und mit Schwimmpontons ausgestattet, um eine stabile Arbeitsfläche zu schaffen, die unabhängig von Ebbe und Flut genutzt werden konnte.

Alle benötigten Baumaterialien, wie Stickstoffbehälter, Schläuche und Manschetten sowie die Techniker von Bardenhagen wurden mit einem Transportschiff zur schwimmenden Plattform gebracht. Die beiden mit dem anspruchsvollen Projekt betrauten Bardenhagen-Techniker übernachteten sogar vor Ort, um die Arbeiten durchgehend betreuen zu können.

Nach dem zweitägigen Einsatz im Wattenmeer kehrten die zwei Bardenhagen-Techniker mit ihrem Equipment sicher in den Hafen von Emden zurück.

Nach dem Abschluss der Arbeiten und einer erneuten erfolgreichen Molchung kann jetzt auch wieder die zweite Erdgasleitung genutzt werden, so dass wieder eine Redundanz für die Gasversorgung von Borkum gewährleistet ist.

 

(Quelle: Bardenhagen/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Kommunen bekämpfen Wassermangel durch anhaltende Trockenheit mit fünf Maßnahmen
Kommunen bekämpfen Wassermangel durch anhaltende Trockenheit mit fünf Maßnahmen

Sinkende Pegel an Rhein und Donau haben die Wasserversorgung deutscher Kommunen unter Druck gesetzt. Die Stadt Stuttgart hat deshalb seit Ende Juni die Wasserentnahme aus Flüssen und Seen eingeschränkt. Das Umweltministerium Baden-Württemberg hat prognostiziert, dass mehr als die Hälfte der Kommunen im Land den Trinkwasser-Spitzenbedarf bis 2050 unter heutigen Bedingungen nicht mehr decken kann. Deshalb hat Drees & Sommer Maßnahmen für Kommunen und Industrie zusammengestellt, mit denen sich Wasserverluste im Leitungsnetz senken und Ressourcen mehrfach nutzen lassen.

mehr lesen
Horizontalspülbohrung schließt Lücke in Wasserstoff-Pipeline unter dem Dortmund-Ems-Kanal
Horizontalspülbohrung schließt Lücke in Wasserstoff-Pipeline unter dem Dortmund-Ems-Kanal

Thyssengas stellt für eine Wasserstoff-Pipeline im Münsterland eine 2009 unterbrochene Kanalquerung wieder her. Das neue Stück der Coesfeld-Rinkerode Leitung entsteht im Horizontalspülbohrverfahren unter dem Dortmund-Ems-Kanal. Bei einer Baustellenbesichtigung haben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft am 16. Juli über den Fortschritt der Arbeiten informiert. Insgesamt rüstet der Netzbetreiber eine 45 Kilometer lange ehemalige Mineralölleitung auf den Transport von Wasserstoff um.

mehr lesen
IKT sucht kommunale Vorbilder:  „Goldener Kanaldeckel 2026“ – jetzt bewerben
IKT sucht kommunale Vorbilder: „Goldener Kanaldeckel 2026“ – jetzt bewerben

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur schreibt zum 19. Mal den Preis „Goldener Kanaldeckel“ aus. Ausgezeichnet werden Mitarbeiter:innen von Stadtentwässerungen, Tiefbauämtern und Stadtwerken, die mit einem konkreten Projekt die kommunale Abwasserwirtschaft vorangebracht haben. Bewerbungen und Vorschläge können bis zum 31. August 2026 eingereicht werden.

mehr lesen
Prüfverfahren bewertet Zustand alternder Kunststoffrohre
Prüfverfahren bewertet Zustand alternder Kunststoffrohre

Zahlreiche Kunststoffrohrleitungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren haben ihre ursprünglich auf 50 Jahre veranschlagte Mindestlebensdauer erreicht. Netzbetreiber stehen deshalb vor der Entscheidung, ob sie ihre Rohrsysteme weiter nutzen oder sanieren. Um Betreiber bei der Frage zu unterstützen, hat das Kunststoff-Zentrum SKZ ein Prüf- und Analyseverfahren entwickelt. Mit diesem können Netzbetreiber den tatsächlichen Zustand der Rohrsysteme bewerten und Investitionen gezielter planen. 

mehr lesen

Publikationen zum Thema