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Ruhrgebiet: Umbau des Berne-Systems erfolgreich abgeschlossen

Der Umbau des Berne-Systems in Essen und Mülheim ist abgeschlossen. Die Maßnahme befreit die Berne und ihre Nebengewässer von kommunalen Abwässern und unterstützt die Renaturierung der Emscher. Bei den groß angelegten Bauarbeiten kamen Stahlbeton-Vortriebsrohre zum Einsatz.

von | 20.02.26

Absenkschacht
Quelle: Berding Beton

Die Emscher, ein 83 km langer Nebenfluss des Rheins durch das Ruhrgebiet, galt bis Mitte des 20. Jahrhunderts als schmutzigster Fluss Deutschlands. Abwasser aus Bergbau, Industrie und Haushalten floss direkt hinein. Seit Anfang 2022 leitet der 51 km lange Abwasserkanal Emscher (AKE) das Abwasser unterirdisch zu Kläranlagen in Bottrop und Dinslaken. Dies schuf eine neue Flusslandschaft mit Blauwasser und Grünufern für Flora und Fauna.

Für den Erfolg mussten einmündende Nebengewässer wie das Berne-System schmutzwasserfrei werden. Dieses System entwässert rund 60 km2 in Essen, Mülheim an der Ruhr und Bottrop. Die Berne verläuft größtenteils unterirdisch und war Essens Hauptentwässerungskanal. Die Emschergenossenschaft, zuständig für Emscher-Unterhaltung, Abwasser und Hochwasserschutz, investierte 130 Mio. Euro. Ziel war das Gleichgewicht von Mensch und Natur wiederherzustellen. Auf 20 km entstand eine neue Kanaltrasse unter dem Grundwasserspiegel in 6 bis 13 m Tiefe. Hauptkanäle haben 3 % Sohlgefälle. Im Hauptsammler kamen Stahlbetonrohre DN 2000 bis DN 3800 zum Einsatz, Anschlusskanäle DN 300 bis DN 3000.

Am Sulterkamp: Baustelleneinrichtung und Press-Schacht S009

Ein letzter Abschnitt lag am Sulterkamp in Essen, Mündung des Borbecker Mühlenbachs in die Berne. Für „Abwasserkanal Berne mit Stauraumkanal (SKU E) Sulterkamp“ lieferte Berding Beton 3.500 m Stahlbeton-Vortriebsrohre DN 400 bis DN 3800. Die 31.000 Tonnen erforderten nächtliche Transporte mit Genehmigungen wegen Überbreite. Pro Nacht 4 bis 6 Rohre, gesichert durch Begleitfahrzeuge. Enge Abstimmung mit Bauausführenden sicherte reibungslose Lieferung.

Bauausführung und Planung

Kanalbegehung DN 3800

Großrohre wurden in 6 bis 13 m Tiefe im dicht besiedelten Essen per gesteuertem Rohrvortrieb verlegt. Die Planungen für dieses umfangreiche Projekt lagen in den Händen der Planungsgemeinschaft Afry Deutschland GmbH (vormals Pöyry), Essen und Hydro-Ingenieure GmbH, Düsseldorf. Für die Bauausführung war das Ingenieur- und Tiefbauunternehmen Eiffage Nordwest GmbH aus Wallenhorst verantwortlich. Eiffage Infra-Spezialtiefbau GmbH aus Nürnberg und SMET Tunnelling n. v., Düsseldorf übernahmen die Bauausführung. Für die Bauüberwachung zeichnete die Sweco GmbH aus Köln verantwortlich. Berding Beton lieferte zusätzlich Bauwerke, Rahmen, Schächte, Absenkschächte und Wirbelfallschacht nach Emschergenossenschaft-Vorgaben. Der Ortbeton-Wirbelfallschacht wurde als Fertigteil optimiert, Bauzeit und Kosten gesenkt.

Wirbelfallschacht-Produktion

Schachtunterteil Wirbelfallschacht

Für die Herstellung und Komplettierung des gesamten Wirbelfallschachtes stimmten sich die drei Lieferwerke Stendal, Möhnesee und Dortmund miteinander ab. Da Stahlbeton-Bauteile mit Teilen aus Polymerbeton kombiniert werden mussten, brachte die zur Berding Beton Unternehmensgruppe gehörende meyer-Polycrete GmbH ihr Know-how im Bereich Polymerbeton ein. Am Standort Stendal fertigte sie Fallrohre (DN 1000) sowie einen Anschluss zum Bestandskanal in Polymerbeton. Die Bauwerke aus Stahlbeton wie der Wirbelfallschacht wurden von der Caspar Hessel GmbH, die ebenfalls zur Berding-Gruppe gehört, am Standort in Dortmund produziert. Das Berding-Werk Möhnesee steuerte sonderbewehrte Schachtringe DN 1200 bei.

Der Wirbelfallschacht dient der Abwasserkontrolle. Er sorgt für eine ruhige Abflussgeschwindigkeit und wandelt die Energie um, wodurch Bauwerke geschützt und durch einen geordneten Luftstrom die Geräuschentwicklung reduziert wird. Denn bei der Entwässerung wird das Abwasser über das obere sogenannte Schneckenbauwerk in eine Drall- beziehungsweise Spiralbewegung gebracht und dadurch kontrolliert. Auf diese Weise wird es mit geringer Energie über einen großen Höhenunterschied abgeleitet. Durch die spiralförmige Einleitung entsteht ein zentrifugaler, wirbelnder Abstieg entlang der Fallrohre. Diese Wirbelbewegung bremst das Wasser ab und wandelt die potenzielle Energie in einen geordneten Luftstrom im Zentrum des Schachts um, wodurch Lärm und Erosion an den Wänden reduziert werden.

Fazit

Die Bauzeit für diesen Bauabschnitt betrug knapp zwei Jahre. Durch die Zusammenarbeit von Bauherr, Planern, Ausführenden und Herstellern konnte Störungen vorgebeugt werden. Mit der Fertigstellung der Arbeiten schreitet die Renaturierung der Flusslandschaften weiter voran. Die naturnahe Gestaltung und ökologische Aufwertung schafft neue Lebensräume für Flora und Fauna. Gleichzeitig entstehen für den Menschen zusätzliche Naherholungs- und Freizeitmöglichkeiten, wie etwa neu angelegte Fußgänger- und Radwege entlang der Flussufer. Insgesamt bildet der Umbau des Berne-Systems als Teil des Generationenprojekts Emscher-Umbau einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Steigerung der Lebens- und Freizeitqualität im Ruhrgebiet.

(Quelle und alle Bilder: Berding Beton)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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