Ende August tauschten sich 30 Fachleute aus 18 Kommunen und Verbänden online im Strategiedialog „Trockenheit und Hitze“ aus. Die Veranstaltung fand im Rahmen des KomNetABWASSER statt. Im Mittelpunkt standen Schadensbilder, betriebliche Gegenmaßnahmen und langfristige Strategien.

Heiße Sommer und Trockenheit verändern die Anforderungen an Stadtentwässerungen, da geringe Wasserführung Ablagerungen, längere Aufenthaltszeiten und Geruchsprobleme im Kanalnetz begünstigen kann. (© IKT)
In einer Kurzumfrage berichtete die Hälfte der Teilnehmer bereits von sommerlichen Problemen, die unmittelbar mit Trockenheit und Hitze zusammenhängen. Die Probleme betreffen vor allem Netzbereiche mit geringer Trockenwetterwasserführung, ungünstigen hydraulischen Verhältnissen oder langen Aufenthaltszeiten. Das betrifft etwa einzelne Misch- und Schmutzwasserkanäle, Druckentwässerungssysteme sowie Übergabe- und Endschächte.
Dort begünstigen lange Aufenthaltszeiten und hohe Temperaturen Ablagerungen und Geruchsprobleme. Unter anaeroben Bedingungen kann zudem verstärkt Schwefelwasserstoff entstehen. Auch Regenbecken und andere Anlagen leiden bei langen Standzeiten unter Algenwachstum, Gerüchen und veränderter Wasserqualität. Treffen hohe Temperaturen und geringe Wasserführung zusammen, geraten zudem empfindliche Gewässerabschnitte unter zusätzlichen Stress.
Betriebswasser wird knapp, Personal und Technik gefordert
In trockenen Phasen steigt der Bedarf an Wasser für Reinigung und Spülung. Gleichzeitig leisten Brunnen weniger, Entnahmen unterliegen Beschränkungen, und alternative Wasserquellen stehen kurzfristig nicht zur Verfügung. Stadtentwässerungen müssen deshalb frühzeitig klären, welche Reserven bestehen und wie Betriebe Trinkwasser durch Betriebs-, Brauch- oder aufbereitetes Wasser ersetzen können.
Hohe Temperaturen belasten zudem Beschäftigte im Außendienst und auf Anlagen. Arbeitszeiten, Pausen, Trinkwasserversorgung, Schattenplätze, UV-Schutz sowie klimatisierte Fahrzeuge und Aufenthaltsräume gewinnen an Bedeutung. Betriebe müssen Fahrzeuge, elektrische Anlagen, Sensorik und weitere Betriebsmittel für längere Hitzeperioden vorbereiten.
Kurzfristige Maßnahmen sind bereits bekannt:
- Spülpläne anpassen
- kritische Netzabschnitte häufiger kontrollieren
- bei Geruch gezielt reagieren
- Arbeitsabläufe flexibel organisieren
Der Strategiedialog zeigte zugleich: Trockenheit muss dauerhaft in Betriebsplanung, Ressourcenmanagement und Investitionsentscheidungen einfließen.
5 Handlungsfelder für den Betrieb

Blau-grüne Infrastruktur hält Wasser vor Ort zurück und verbindet Starkregen- mit Trockenheitsvorsorge. (© IKT)
Aus den Erfahrungen der Abwasserbetriebe und der fachlichen Einordnung des IKT leiten sich 5 zentrale Aufgaben ab:
- Hotspots kennen und kritische Netzabschnitte sowie Anlagen systematisch erfassen
- Spülpläne und Reserven vorbereiten und dabei Wasserbedarf, Bezugsquellen und Prioritäten festlegen
- Hitzeschutz für Beschäftigte, Fahrzeuge und technische Anlagen regeln
- Sensorik und Frühwarnung nutzen, um Belastungen früher zu erkennen und Maßnahmen gezielt auszulösen
- Wasser wiederverwenden und geeignete Betriebs- und Brauchwasserquellen erschließen
Langfristig kommen weitere Ansätze hinzu: Wasser in der Stadt zurückhalten, blau-grüne Infrastruktur ausbauen und digitale Mess- und Steuerungssysteme stärker nutzen. Lösungen der Schwammstadt verbinden dabei Starkregen- und Trockenheitsvorsorge.
Fachkräftemangel: Neue Studienreihe bündelt Qualifizierung
Neben dem Klimathema begegnet das IKT einem zweiten Problem der Branche: dem Fachkräftemangel. Mit der neuen „Studienreihe Stadtentwässerung“ verbindet das Institut bestehende Lehrgänge und Seminare zu einem Qualifizierungsweg. Erfahrene Mitarbeiter bereiten sich damit auf höherwertige Aufgaben vor, Neu- und Quereinsteiger erwerben die nötigen Grundlagen.
Die Studienreihe richtet sich an Ingenieure, Techniker und Fachkräfte sowie an Ein- und Quereinsteiger mit abgeschlossener Berufsausbildung. Wer fundierte Kenntnisse in Bau, Betrieb, Sanierung, Regenwasser, Arbeitssicherheit und Management nachweist, verbessert seine Chancen auf höherwertige Fachaufgaben.
Die Studienreihe umfasst 15 Studienwochen und ist berufsbegleitend angelegt. Teilnehmer können jederzeit beginnen; das IKT empfiehlt eine Verteilung über 1 bis 3 Jahre.
4 Schritte zum Zertifikat „Fachkunde Stadtentwässerung“
Der Qualifizierungsweg gliedert sich in 4 Schritte. In den Grundlagen vermitteln 3 Pflicht-Lehrgänge das gemeinsame Fundament: Aufgaben der Stadtentwässerung, Entwässerungsplanung sowie Kanal- und Leitungsbau. In der Vertiefung der Kernkompetenzen wählen Teilnehmer je einen Pflicht-Lehrgang aus den Bereichen Kanalbetrieb oder Kanalsanierung sowie Grundstücksentwässerung, Regenwasserbewirtschaftung oder Starkregenvorsorge und einen der Wahlbereiche Arbeitssicherheit, Abwasserreinigung sowie Kommunikation und Unternehmensführung.
Weitere Lehrgänge und Seminare wählen sie nach ihren Schwerpunkten aus. Den Abschluss bildet ein Kolloquium: Eine Prüfkommission aus Führungskräften ausgewählter Stadtentwässerungen unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Bert Bosseler nimmt das Erlernte ab. Erfolgreiche Teilnehmer erhalten das IKT-Zertifikat „Fachkunde Stadtentwässerung“.
Das IKT berücksichtigt bereits absolvierte, anrechenbare Lehrgänge und Prüfungen. Teilnehmer ergänzen nur die Bausteine, die ihnen bis zum Abschluss noch fehlen. In einem persönlichen Online-Gespräch erläutert das IKT die Studienreihe, prüft anrechenbare Bausteine und entwickelt gemeinsam mit Interessierten einen individuellen Qualifizierungsweg.






