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Thyssengas stellt die Weichen für Wasserstoff-Startnetz

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Autor: Kathrin Mundt

Thyssengas stellt die Weichen für Wasserstoff-Startnetz

Der Dortmunder Fernleitungsnetzbetreiber Thyssengas bereitet sich proaktiv auf den Transport von Wasserstoff und anderer grüner Gase vor. In diesem Zuge schafft das Unternehmen in einem ersten Schritt 25 zusätzliche Stellen, die den Aufbau eines „Thyssengas-H2-Startnetzes“ aus dem bisherigen Erdgasnetz heraus vorantreiben sollen. Damit unterstreicht Thyssengas den eigenen Anspruch, Wegbereiter und Gestalter der Energiewende zu sein.

800 km langes Wasserstoff-Startnetz geplant

Das „Thyssengas-H2-Startnetz“ mit einer Länge von rund 800 Leitungskilometern soll die Ausgangsbasis für den sukzessiven Übergang in den Wasserstoff-Transport bilden. Es umfasst die Leitungsabschnitte im Thyssengas-Netz, die in einem ersten Schritt H2-ready gemacht und dann nach und nach auf Wasserstoff umgestellt werden sollen.

Dr. Thomas Gößmann

„Mit dieser Investition in Personal und Know-how gehen wir als Fernleitungsnetzbetreiber in Vorleistung. Bislang haben wir keinen gesetzlichen Auftrag für den Aufbau eines Wasserstoff-Netzes, obwohl Nachfrage und Potenzial gegeben sind. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ohne unsere Initiative ein schneller Wasserstoff-Hochlauf nicht gelingen wird“, erläutert Dr. Thomas Gößmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Thyssengas GmbH. Den Aufbau eines H2-Netzes auf Basis bestehender Erdgasleitungen sieht er als notwendigen Hebel und wichtiges Signal an Produzenten, Importeure und Verbraucher im Thyssengas-Netzgebiet. „Alle Marktteilnehmer brauchen Planbarkeit, ab wann ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz zur Verfügung steht, um ihre jeweiligen Bedarfe befriedigen zu können. Dafür setzen wir nun für unser Netz den Startschuss“, so Gößmann weiter.

Grundlage für die Wasserstoff-Netzplanung sind rund 45 Absichtserklärungen (MoUs), die Thyssengas im Rahmen einer Marktabfrage des FNB Gas e.V. mit potenziellen Wasserstoff-Erzeugern und -Abnehmern geschlossen hat. Über die 800 identifizierten Leitungskilometer sollen diese künftigen Kunden ab spätestens 2030 zuverlässig mit Wasserstoff versorgt werden. Dabei handelt es sich um Leitungen, die in der Mehrzahl sukzessive für den H2-Transport umgewidmet oder in Teilen neu gebaut werden sollen. Bis 2045 sollen dann immer mehr Leitungskilometer hinzukommen und das Wasserstoff-Netz im Thyssengas-Netz parallel zum wachsenden Markt ausgebaut werden.

Damit sind die Thyssengas Leitungen wesentlicher Bestandteil des deutschlandweiten Wasserstoffnetzes für das Jahr 2032, das als Wasserstoffvariante im Rahmen des Zwischenstands zum Netzentwicklungsplan Gas 2022-2032 am 6. Juli 2022 von den Fernleitungsnetzbetreibern veröffentlicht worden ist.

„Wir als Thyssengas gehen jetzt diesen Schritt, um zu zeigen: Wir meinen es ernst und treffen mutige unternehmerische Entscheidungen. Wir tun das, weil Wasserstoff das Schlüsselelement für die Herausforderungen der Energieversorgung ist. Wir und viele andere Akteure entlang der H2-Wertschöpfungskette stehen in den Startlöchern. Unser Appell an die Politik lautet: Lassen Sie dieser Initialzündung durch die Unternehmen eine pragmatische Regulierung folgen. Sobald Planungs- und Investitionssicherheit bestehen, wird der Markt für Wasserstoff Fahrt aufnehmen. Wir haben jetzt die Chance, dieses Potenzial zu entfesseln“, erläutert Dr. Thomas Gößmann.

Zusätzliches Personal für neue Aufgaben

Mit der schrittweisen Leitungsumstellung auf Wasserstoff sind zahlreiche planerische und technische Maßnahmen verbunden. Vor diesem Hintergrund schafft Thyssengas ab sofort 25 neue Stellen, vor allem in den technischen Bereichen des Unternehmens. Im Schwerpunkt werden Ingenieurinnen und Ingenieure gesucht, die die Umwidmung bestehender Leitungen sowie ergänzende Leitungsbauprojekte für das Wasserstoff-Netz begleiten. Aber auch in den Bereichen Vertrieb, Personal, Finanzen und Kommunikation sucht das Unternehmen Verstärkung. Die Stellen richten sich sowohl an Berufseinsteiger als auch an erfahrene Fachkräfte.

Jörg Kamphaus

„Wir müssen uns jetzt zusätzliche Mitarbeitende als Zukunftsgestalter ins Haus holen, wenn wir den H2-Hochlauf mit Geschwindigkeit vorantreiben wollen. Damit bauen wir unser Know-how weiter aus und bereiten uns auf künftige neue Aufgaben vor“ erläutert Jörg Kamphaus, kaufmännischer Geschäftsführer und verantwortlich für den Bereich Personal. „Zu bieten haben wir eine berufliche Herausforderung, die sinnstiftender wohl kaum sein könnte: gemeinsam mit einem engagierten Team die Transformation der Energiewirtschaft in eine klimaneutrale Zukunft mitzugestalten“, so Kamphaus weiter. Eine Recruiting-Kampagne soll den Personalaufbau in den nächsten Monaten kommunikativ begleiten und für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen.

Wasserstoff als Energieträger der Zukunft

Thyssengas betreibt ein rund 4.400 km langes Fernleitungsnetz, über das heute noch überwiegend Erdgas transportiert wird. Doch nicht nur mit Blick auf die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft hat Erdgas als fossiler Energieträger auf absehbare Zeit keine Zukunft. In Anbetracht der Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen soll die Brückentechnologie Erdgas deutlich verkürzt werden – zusätzlich zum ohnehin beschlossenen Kernenergie- und Kohleausstieg. Der gasförmige Energieträger Wasserstoff kann wesentlich zur Versorgungssicherheit in Deutschland beitragen und die Energiewende hin zur Klimaneutralität beschleunigen. Dafür müssen Wasserstoff und andere grüne Gase jedoch möglichst zeitnah in nennenswerter Menge zur Verfügung stehen.

Bereits seit 2018 engagiert sich Thyssengas im Wasserstoff-Pionierprojekt ELEMENT EINS sowie in den zukunftsweisenden H2-Initiativen GET H2, GET H2 Nukleus IPCEI, H2morrow steel, IN2Climate und EcoPort 813 – H2UB DeltaPort. Mit dem ersten Thyssengas Dialog Anfang Mai 2022 hat das Unternehmen zudem eine eigene Plattform für die Vernetzung und den Austausch entlang der H2-Wertschöpfungskette initiiert.

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