Der Hintergrund: Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt nach Angabe der INES derzeit bei 53,6 Prozent. Die gesetzliche Zwischenvorgabe für den 1. September liegt bei 75 Prozent. Ursache für den Rückstand sind aus Sicht des Verbands die aktuellen Marktbedingungen: Sie setzen aus Sicht des Verbands keine ausreichenden wirtschaftlichen Anreize für die Gasspeicherbefüllung. Die Preisdifferenz zwischen Ein- und Ausspeicherung reicht derzeit nicht aus, um die damit verbundenen Kosten zu decken.
Bei der Nutzung von Monatskontrakten am Terminmarkt beträgt der Spread aktuell minus 0,01 Euro je MWh (Quelle: EEX, 02. September). Dem stehen variable Kosten der Speichernutzung von 3,13 Euro je MWh gegenüber. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Verlust von 3,14 Euro je MWh.
INES fordert Abschaffung von Umlage und Netzentgelten
Kurzfristig schlägt INES vor, die Konvertierungsumlage sowie die Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten abzuschaffen. Zusätzlich könnten vergünstigte staatliche Kredite, etwa über die KfW, die Finanzierungskosten für das einzuspeichernde Gas reduzieren. In der Summe ergeben die drei Maßnahmen die genannte Kostenreduktion von 1,16 Euro je MWh.
Ergänzend verweist der Verband auf die kurzfristige Ausschreibung von Long-Term-Options (LTO) an Speichern. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dieses Instrument eingeführt, um den Betrieb der Gasfernleitungsnetze mit Speichern abzusichern. Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) fragt dabei im Auftrag der Fernleitungsnetzbetreiber Ausspeicherleistungen nach und nimmt sie unter Vertrag. Speichernutzer erwirtschaften bei regulären LTO-Ausschreibungen ein Umsatzpotenzial von 3,50 Euro je MWh, bei Sonderausschreibungen von rund 9,70 Euro je MWh.
Die zuletzt durchgeführten regulären und Sonderausschreibungen im Jahr 2026 haben nach Angaben von INES lediglich einen Gasspeicherfüllstand von schätzungsweise 8 bis 9 Prozent abgesichert. LTO setzen damit derzeit keinen umfassenden Anreiz für die Befüllung vor dem Winter, sondern sichern in erster Linie den Netzbetrieb an Engpasspunkten. INES ordnet das Instrument deshalb als Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets ein.
Verband verlangt Rahmen für langfristigen Speicherbetrieb
Über die kurzfristigen Maßnahmen hinaus sieht INES strukturellen Handlungsbedarf. Der Verband fordert einen verlässlichen Rahmen, der die Speicherbefüllung und den langfristigen Erhalt der benötigten Kapazitäten sichert. Deutschland müsse dafür zunächst ein Versorgungssicherheitsniveau festlegen und darauf einen Marktrahmen aufbauen.
Andere EU-Mitgliedstaaten haben nach Angaben von INES bereits entsprechende Modelle umgesetzt. Zwei Ansätze stehen dabei zur Auswahl: ein Differenzausgleich zwischen Marktwert und Betriebskosten oder eine Verpflichtung der Marktakteure zur Speichernutzung. Die Niederlande zahlen Marktakteuren einen Bonus für die Speicherbefüllung. Österreich verpflichtet Marktakteure wie Lieferanten zur Befüllung. Frankreich und Italien kombinieren beide Ansätze: Speichernutzer buchen Kapazitäten zu Marktwerten und müssen vor dem Winter ein Füllstandsziel erreichen. Die Differenz zwischen erzielbaren Marktwerten und den Vollkosten des Speicherbetriebs wird dabei ausgeglichen und über die Netzentgelte auf alle Marktakteure umgelegt.
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann begründete die Forderung mit der Versorgungssicherheit im Winter. Ein verlässlicher Rahmen müsse verhindern, dass die Versorgungssicherheit vom Marktgeschehen abhängt. Der Aktionsplan verbinde deshalb kurzfristige Handlungsempfehlungen mit dem Appell für einen dauerhaften wirtschaftlichen Rahmen.






