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Wärmenetz Wilhelmsburg wächst und wird klimafreundlicher

Die Hamburger Energiewerke (HEnW) bauen mit dem Wärmenetz Wilhelmsburg die klimafreundliche Fernwärmeversorgung auf Hamburgs größter Elbinsel weiter aus. Dafür werden die bereits existierenden zwei Wärmenetze – Energiebunker und Energieverbund – zusammengeschlossen, schrittweise verdichtet und ausgebaut. Zentrale erneuerbare Wärmequelle wird die Geothermie-Anlage, die an den Energiebunker angeschlossen wird. Sie wird künftig zuverlässig klimafreundliche Wärme in das erweiterte Wärmenetz einspeisen und so fossile Wärmeerzeugung weiter verdrängen.

von | 12.09.25

Zu Besuch bei der künftigen Geothermie-Anlage (v.l.: HEnW-Geschäftsführer Michael Prinz; Umweltsenatorin Katharina Fegebank; Thomas-Tim Sävecke, HEnW-Geschäftsbereichsleiter Engineering; Dr. Carsten Hansen, Leiter Forschung und Entwicklung des Geothermieprojekts)
Bild: Hamburger Energiewerke

Die Geothermie-Anlage ist maßgeblicher Baustein des Reallabors „Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg“ (IW3), das den Grundstein für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung auf der Hamburger Elbinsel legt. Am 8. September hat sich Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, auf der Geothermie-Baustelle im Wilhelmsburger Hafengebiet über den Stand des Projekts und das entstehende Wärmenetz Wilhelmsburg informiert.

Die Geothermie-Anlage schreitet in ihrer Realisierung voran

So hat der Bau des Heizhauses für die Wärmepumpenanlage bereits begonnen. Für ein stabiles Fundament wurden mehr als 140 Pfähle mit einer Länge von je 11 m in den Untergrund gebracht. Nach Herstellung des Betonfundaments soll nahtlos das Heizhaus errichtet werden. Dort steht zukünftig die mehrstufige Wärmepumpen-Anlage, die das Temperaturniveau des Thermalwassers aus der Geothermie auf das Niveau der Fernwärme in Wilhelmsburg anhebt. Auch die Wärmepumpen-Anlage ist bereits in der Fertigung. Im Verlauf des Jahres 2026 soll gemäß Planungsstand die Geothermie-Anlage mit all ihren Komponenten schrittweise in Betrieb gehen, um noch im gleichen Jahr CO2-neutrale Erdwärme zu fördern und die klimafreundliche Wärme bedarfsgerecht in das Wilhelmsburger Fernwärmenetz einzuspeisen.
Die Leitungsbauarbeiten für das Wärmenetz Wilhelmsburg kommen ebenfalls gut voran. Die Anbindungsleitung vom Geothermie-Standort an den Energiebunker wird in diesem Jahr fertiggestellt. Auch der Bau der Leitung, um beide Wärmenetze miteinander zu verbinden, ist bereits gestartet.

Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Neben Abwärme aus Industrie und thermischer Abfallbehandlung und Umweltwärme aus Luft und Wasser ist die Geothermie als erneuerbare Energie ein weiterer Baustein für eine erfolgreiche Wärmewende. Nur mit einem breiten Mix an Technologien können wir unsere ambitionierten Ziele erreichen. Ich freue mich daher, dass die HEnW bei der Geothermie wie auch bei Großwärmepumpen, Power-to-Heat und Industrie-Abwärme echte Pionierarbeit leisten. Wir zeigen damit ganz deutlich: Wir wagen Neues und wollen alle sinnvollen Möglichkeiten nutzen, unsere Energie- und Wärmeversorgung klimafreundlich zu gestalten. Während die HEnW die klimafreundliche Wärmeversorgung in Wilhelmburg und auch im Stadtzentrum ausbauen, arbeiten wir weiterhin auf Hochtouren an der umfassenden kommunalen Wärmeplanung für unsere gesamte Stadt. So zeigen wir für jedes Gebiet eine Perspektive für klimaneutrale, sozialverträgliche und versorgungssichere Wärmeversorgung auf und ebnen den Weg dorthin.“

Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke: „Das Forschungsprojekt Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg hat es uns ermöglicht, die Geothermie-Bohrung durchzuführen. Durch die erfolgreiche Erschließung des geothermischen Reservoirs können wir unsere klimafreundliche Wärmeversorgung in Wilhelmsburg jetzt weiter ausbauen. Wie geplant werden wir die drei neuen IBA-Quartiere Rathausviertel, Elbinselquartier und Spreehafenviertel sukzessive anschließen. Darüber hinaus sind wir in fortgeschrittenen Gesprächen mit Wohnungsbaugesellschaften über den Anschluss mehrgeschossiger Gebäude im Bestand. Die Entwicklung in Wilhelmsburg zeigt, dass die Nachfrage nach Fernwärme ungebrochen ist.“

Im Wärmenetz des Energiebunkers stammen bereits heute 45 % des Wärmemixes aus klimaneutralen Quellen wie Biomethan, Solarthermie und industrieller Abwärme. Der verbleibende Anteil wird in der Grund- bzw. Spitzenlast noch durch Erdgas gedeckt. Die Grundlast in der Wärmeerzeugung deckt den konstanten und von saisonalen Schwankungen unabhängigen Energiebedarf, während die Spitzenlast eine ausreichende Energieversorgung bei hoher, kurzzeitiger Nachfrage – z. B. in Wintermonaten – sichert.

Da geothermische Wärme rund um die Uhr verfügbar ist, kann sie das Erdgas in der Grundlast zukünftig verdrängen. Im Wärmenetz des Energieverbunds wird der konstante Energiebedarf über ein Biomethan-Blockheizkraftwerk erzeugt; lediglich für die Spitzenlast wird Erdgas eingesetzt. Die beiden Wärmenetze versorgen heute zusammen gut 3.700 Wohneinheiten. Die Geothermie-Anlage wird künftig nicht nur Erdgas im Wärmemix verdrängen, sondern auch die Versorgung zusätzlicher Gebäude mit klimafreundlicher Wärme ermöglichen.

Details zum ersten Hamburger Geothermie-Projekt

Das zukünftige Heizhaus der Geothermie-Anlage in Hamburg-Wilhelmsburg. Visualisierung: Hamburger Energiewerke

Das Geothermie-Projektteam hat in 2023 erfolgreich ein geothermisches Reservoir in einer Tiefe von über 1.300 m erschlossen. Die Experten rechnen mit einer rein geothermalen Wärmeleistung von ca. 6 MW. Das Thermalwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf gefördert und wieder in das Reservoir zurückgeleitet. Im Heizhaus wird dem ca. 48 °C warmen Thermalwasser mittels eines Wärmetauschers Wärme entzogen und durch die effiziente Wärmepumpen-Anlage auf die erforderliche Temperatur zwischen 75 und 85 °C angehoben und an den Heizwasserkreislauf abgegeben. Aufgrund des geplanten mehrstufigen Wärmepumpenprozesses können mit der Geothermie-Anlage rein rechnerisch über 6.000 Haushalte versorgt werden.

Das Hamburger Geothermie-Projekt wird von Hamburg Energie Geothermie, einer Tochter der Hamburger Energiewerke, umgesetzt. Das Projekt ist Teil des Reallabors IW3 – Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg. Mit IW3 wird der Grundstein für eine nahezu CO2-freie Wärmeversorgung von Wilhelmsburger Wohnquartieren gelegt. Als „Reallabor der Energiewende“, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das IW3 Vorhaben mit insgesamt rund 22,5 Mio. Euro, um die Forschung und Entwicklung im Bereich zukunftsweisender Energietechnologien zu unterstützen.

(Quelle: Hamburger Energiewerke)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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