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Wasserstoff für Thüringen – Netzbetreiber stellen aktuellen Stand vor

Bereits im März 2024 haben die Netzbetreiber Ferngas, GASCADE und TEN eine Grundsatzvereinbarung über die Umstellung des Thüringer Erdgasnetzes auf Wasserstoff geschlossen. Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltung „Wasserstoff für Thüringen“ präsentieren sie nun Fortschritte und Ziele für eine zukunftsfähige Energieversorgung auf Basis von Wasserstoff.

von | 12.11.25

V.l.n.r.: Ulrich Benterbusch (GASCADE), Tilo Kummer (Thüringer Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten), Antje Dimitrovici (Ferngas), Andreas Horn (Oberbürgermeister Erfurt), Ulf Unger (TEN)
Quelle: Gascade

Mit der zweiten gemeinsamen Wasserstoff-Konferenz der Netzbetreiber, Ferngas (Schwaig b. Nürnberg), GASCADE (Kassel) und TEN (Erfurt) berichten die Unternehmen in Erfurt, wie die im März 2024 bei der ersten gemeinsamen Konferenz geschlossene Grundsatzvereinbarung für die Umstellung ihrer Gasleitungsinfrastruktur auf Wasserstoff real umgesetzt wird. Alle drei Netzbetreiber erbringen in Thüringen mit ihrer Gasnetzinfrastruktur wesentliche Versorgungsleistungen.

Die Vereinbarung ist die Grundlage für einen engen Austausch zwischen den Unternehmen. Dies ist wichtig, um planen und festlegen zu können, wie Teile der Netzinfrastruktur für den Transport und die Verteilung von Erdgas auf Wasserstoff transformiert werden. Neben der Leitungsumstellung erfordert dies auch teilweise den Neubau von Netzstrukturen. Die Zusammenarbeit betrifft dabei die Netzebene der Fernleitungen (Ferngas, GASCADE) sowie die Verteilernetzebene (Ferngas, TEN).

Energieminister Tilo Kummer die Bedeutung einer funktionierenden Wasserstoffinfrastruktur für Thüringen hervor: „Thüringen ist auf einem sehr guten Weg, wichtigen Interessenten Wasserstoff bereitzustellen. Hier haben wir starke Partner für funktionsfähige Netze. Wenn wir den Energiemix mit erneuerbaren Energien flexibel nutzen wollen, brauchen wir neben Wasserstoffspeichern auch Wasserstoffverteilernetze, die die Versorgung für die Endkunden sicherstellen. Nachdem die Refinanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes auf Bundesebene geregelt wird, braucht es auch für den Aufbau eines Verteilernetzes passende Rahmenbedingungen für die Refinanzierung. Hierüber werde ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen auf der nächsten Energieministerkonferenz austauschen.“

Im Rahmen der Umsetzung des deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetzes hat GASCADE bereits rund 200 km bestehender Leitungen mit Wasserstoff gefüllt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um große Mengen an Wasserstoff zukünftig auch nach Thüringen zu transportieren. Erste Netzkopplungen und Netzanschlüsse zwischen den Gasnetzprojekten der Partner innerhalb Thüringens sind mittlerweile eng abgestimmt und teilweise bereits in die Planung gestartet.

Ein Beispiel dafür ist die Kopplung zweier Wasserstoff-Kernnetz Projekte von Ferngas und GASCADE bei Jena. Ferngas führt dazu bereits vorbereitende Maßnahmen für die Leitungsumstellung durch. Außerdem planen Ferngas und TEN weitere Netzkoppelpunkte vom zukünftigen Wasserstoff-Kernnetz in die nachgelagerte Netzebene, beispielsweise im nordthüringischen Marolterode: Dort sollen ein zukünftig mit Wasserstoff betriebener Untergrundspeicher der Thüringer Energie Speichergesellschaft und der Wasserstoffhub-Nord-West zwischen Nordhausen und Mühlhausen der TEN über das TH2ECO-Projekt der Ferngas an das Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. Damit ist sichergestellt, dass nicht nur überregionale Transportrouten entstehen, sondern auch Wasserstoffinfrastruktur in und für Thüringen.

Die Planungen der drei Partner zur Wasserstoffleitungsinfrastruktur im Freistaat orientieren sich an den Bedarfen der potentiellen Wasserstoffkunden. Um die Infrastruktur bedarfsgerecht und effizient dimensionieren und realisieren zu können, benötigen die Netzbetreiber frühzeitige und verlässliche Meldungen der potentiellen Wasserstoffkunden und -erzeuger.

Mit der Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Wasserstoff für Thüringen“ möchten die Partner auch unterstreichen, dass Thüringen in Sachen Wasserstoffinfrastruktur gut aufgestellt ist. Thüringen kann zudem auch von überregionalen Entwicklungen profitieren, wenn Netzbetreiber und Industrie zusammenarbeiten.

Die Transformation der Energieinfrastruktur ist eine massive Herausforderung und erfordert sowohl den Blick auf das bestehende Energiesystem als auch auf ein mögliches Zielbild.

Antje Dimitrovici, Geschäftsführerin Ferngas: „Wasserstoff als Energieträger stellt für Thüringen eine enorme Chance dar, um einen attraktiven Industriestandort mit Zugriff auf eine CO2-freie Energieversorgung zu schaffen. Wir denken hierbei sowohl an den Transport als auch die Verteilung in der Fläche. Auch wenn diese nicht schon kurz- oder mittelfristig angebunden werden kann, schaffen wir heute bereits die Voraussetzungen dafür. Besonders wichtig ist uns dabei, an die heutige Versorgungssicherheit zu denken und unsere zuverlässige Energieversorgung auch weiter beibehalten zu können. Hier erwarten wir von Politik und Regulierung, dass die gesetzten Rahmenbedingungen diese Anforderungen an Transformation und Versorgungssicherheit unterstützen und uns in der Umsetzung nicht behindern.“

Ulrich Benterbusch, Geschäftsführer GASCADE, stellt in Aussicht, dass “bis Ende des Jahres 400 km Leitungen der GASCADE für den Wasserstoff-Transport bereitstehen werden. Von dieser Entwicklung wird auch die infrastrukturelle Anbindung Thüringens profitieren. Bereits 2028 wird Wasserstoff nach Thüringen fließen können und 2029 wird die geplante Transportroute durchgängig nutzbar sein. Dabei wird es auch Netzkopplungen und Netzanschlüsse für die Bedarfe in Thüringen geben.”

“Für die TEN als Strom- und Gasnetzbetreiber lassen sich bereits heute wichtige Erkenntnisse für das Energiesystem der Zukunft ableiten: Ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren muss stärker an der Nachfrage und der Netzdienlichkeit orientiert werden, da wir bereits heute erhebliche Mengen erneuerbaren Stroms noch nicht selbst nutzen können und in das Übertragungsnetz zurückspeisen oder schlimmstenfalls sogar abregeln müssen. Um die Integration der Erneuerbaren in die Energiesysteme weiter zu stärken, erachten wir auch die netzdienliche Elektrolyse als Kopplungselement zwischen Strom- und Wasserstoffnetzen und die Nutzung des Wasserstoffs vor allem dort, wo eine Elektrifizierung nur schwer möglich oder gar unwirtschaftlich ist, als einen von mehreren wichtigen Bausteinen für das Gelingen der Dekarbonisierung der Energieversorgung”, erklärt Ulf Unger, Geschäftsführer der TEN Thüringer Energienetze.

(Quelle: GASCADE)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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