Durch die Thermografie des 315 Kilometer langen Fernwärmenetzes konnte anstelle von Einzelbefunden erstmals der Gesamtzustand des Netzes zu einem Zeitpunkt ermittelt werden. Die nächtlichen Flüge bieten nur bei Kälte und klarem Himmel aussagekräftige Daten. Der Hannover-Flug hatte beste Bedingungen – kein Wind, kaum Luftfeuchtigkeit – und so konnte die Analyse in weniger als zwei Nächten erfolgen.
Insgesamt ergaben die Wärmebilder einen weitgehend guten Zustand des Netzes. Sämtliche Befunde wurden in drei Klassen eingeteilt: – in der Klasse 1 wurden lediglich acht Fälle diagnostiziert, die aufgrund großer Temperaturabweichungen auf Rohrschäden oder mögliche Isolationsschäden hinwies. Diese Stellen untersuchten die enercity-Fernwärmetechniker sofort, um Reparaturen einzuleiten.
An den Orten Braunstraße und Andreaestraße/Schillerstraße, wo undichte Bauteile festgestellt wurden, starteten die Arbeiten bereits (siehe Bilder-Download Braunstraße und Andreaestraße/Schillerstraße mit Einkreisungen der georteten Schadstellen); – in 111 Fällen der Klasse 2 sind Auffälligkeiten festgestellt worden, die parallel zum laufenden Betrieb mittelfristig untersucht und ggfs. behandelt werden müssen; – die Klasse 3 umfasst 456 kleinere Auffälligkeiten auf den Wärmebildern, bei denen es sich um Anfangsstadien möglicher Schäden handeln kann. Die Stellen werden im Rahmen turnusmäßiger Kontrollen des Fernwärmenetzes mit überprüft.
Fernwärme entsteht mittels effizienter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bei der Stromerzeugung. Sie dient der umweltfreundlichen Heizung von Gebäuden und der Warmwasserbereitung.
Ebenso ist der Aufbau und die Instandhaltung des Gesamtsystems auf die Minimierung von Netzverlusten – durch beschädigte Dämmung oder Leckagen im Heizwassernetz – ausgerichtet.
Neben den technischen Erkenntnissen zum Zustand der Fernwärme-Infrastruktur entstanden bei den Flug-Thermografien auch interessante Draufsichten altbekannter Gebäude, Anlagen und Wahrzeichen Hannovers wie z. B. das Hannover 96-Stadion: hier ist die thermisch auffällige Rasenheizung deutlich. Ganz gewollt sorgt hier im Winter die Fernwärme für eisfreies Fußballspiel.
Prüfverfahren bewertet Zustand alternder Kunststoffrohre
Zahlreiche Kunststoffrohrleitungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren haben ihre ursprünglich auf 50 Jahre veranschlagte Mindestlebensdauer erreicht. Netzbetreiber stehen deshalb vor der Entscheidung, ob sie ihre Rohrsysteme weiter nutzen oder sanieren. Um Betreiber bei der Frage zu unterstützen, hat das Kunststoff-Zentrum SKZ ein Prüf- und Analyseverfahren entwickelt. Mit diesem können Netzbetreiber den tatsächlichen Zustand der Rohrsysteme bewerten und Investitionen gezielter planen.






