Das Benennung geht aus der „Fachinformation für die Entwässerung von Bahnanlagen“ hervor, die die Behörde bereits im Juni veröffentlicht hat. Hersteller können nun die erforderliche Reinigungsleistung ihrer Anlagen im IKT nach den vom Eisenbahn-Bundesamt genannten Verfahren untersuchen und nachweisen lassen.
Niederschlagswasser von Bahnanlagen stellt die Behandlungstechnik vor besondere Anforderungen. Auf Gleisflächen findet häufig chemische Vegetationskontrolle statt. Neben abfiltrierbaren Stoffen und Schwermetallen können deshalb auch Herbizide im Abfluss auftreten.
Gelangt belastetes Niederschlagswasser in das Grundwasser oder in ein Oberflächengewässer, müssen die Stoffeinträge begrenzt werden. Die üblichen Verfahren für Anlagen zur Behandlung von Niederschlagswasser aus Siedlungs- und Kfz-Verkehrsflächen des Deutsche Instituts für Bautechnik (DIBt) berücksichtigen den Rückhalt von Herbiziden bislang nicht. Die Fachinformation des Eisenbahn-Bundesamts ergänzt deshalb die Vorgaben aus DWA-A 102-2 und DWA-A 138-1 um bahnspezifische Anforderungen.
Drei Stoffgruppen erfordern unterschiedliche Prüfverfahren
Das Eisenbahn-Bundesamt sieht je nach Stoffgruppe unterschiedliche Prüfverfahren vor. Für ungelöste Stoffe und für gelöste Schwermetalle gilt jeweils eine Prüfung nach Teil 1 der DIBt-Zulassungsgrundsätze für Niederschlagswasserbehandlungsanlagen. Für Schwermetalle und Herbizide gemeinsam gilt eine Leistungsprüfung nach den Vorgaben des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute. Nach den Vorgaben des Eisenbahn-Bundesamts reicht dafür ein bestandener Labortest aus.
Soll eine Anlage Herbizide zurückhalten, untersucht die VSA-Leistungsprüfung wegen möglicher Wechselwirkungen zusätzlich den Schwermetallrückhalt. Im Fokus stehen die Metalle Kupfer und Zink sowie die Herbizide Diuron und Mecoprop. Standortspezifische Vorgaben und Regelungen für Wasserschutzgebiete gelten unabhängig vom Leistungsnachweis weiter.

Prüfung im Originalmaßstab: Große Niederschlagswasserbehandlungsanlagen lassen sich in der IKT-Versuchshalle unter kontrollierten Bedingungen untersuchen. Das Foto stammt aus einem früheren Prüfprojekt. (© IKT)
IKT simuliert Prüfbedingungen im Originalmaßstab
Im IKT lassen sich Niederschlagsereignisse, Durchflüsse und Stoffbelastungen reproduzierbar simulieren. Das Institut betreibt die Anlagen dafür unter definierten hydraulischen und stofflichen Bedingungen. Proben aus Zulauf und Ablauf zeigen, welche Stoffmengen die Anlage zurückhält und wie stabil die Reinigungsleistung unter unterschiedlichen Belastungen bleibt.
Für die Prüfungen bündelt das IKT die Kompetenz seiner staatlich anerkannten Prüfstelle für Durchflussmessung und seiner DIBt-benannten Prüfstelle für Regenwasserbehandlung. Zur Laborausstattung gehören mobile und stationäre Durchfluss- und Wasserstandsmessgeräte, Datenlogger, automatische Probenehmer sowie großmaßstäbliche Versuchsstände in der IKT-Versuchshalle.
„Eine belastbare Prüfung beginnt vor dem ersten Versuchslauf. Wir klären mit dem Hersteller Einsatzbereich, maßgebende Stoffgruppen und Anlagenkonfiguration. So entsteht ein passendes, transparentes Prüfprogramm“, sagte Marcel Goerke, Leiter der DIBt-benannten IKT-Prüfstelle.
Prüfbericht und Prüfsiegel für Hersteller
Eine unabhängige Prüfung liefert eine Grundlage für Gespräche mit Behörden, Planern und Betreibern. Sie zeigt zugleich, wie die Anlage hydraulisch funktioniert, wie viele Stoffe sie zurückhält und wo Optimierungspunkte liegen.
Nach bestandener Prüfung erhalten Hersteller einen fachlichen Prüfbericht zur Vorlage beim Eisenbahn-Bundesamt und bei weiteren Auftraggebern. Zusätzlich können sie das „IKT-Geprüft“-Siegel für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen.
Hersteller, die eine dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlage für den Einsatz an Bahnanlagen prüfen lassen wollen, sollten das Prüfprogramm frühzeitig mit dem IKT abstimmen. Das Institut berät zum passenden Verfahren, zu den erforderlichen Unterlagen und zum Ablauf des Prüfvorhabens.






