Generic filters
FS Logoi

Fernwärme der Zukunft: Großwärmepumpen erschließen ungenutzte Energiequellen

Die Fernwärmeversorgung in Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden Das Forschungsprojekt FernWP hat untersucht, wie Großwärmepumpen natürliche und industrielle Wärmequellen für eine klimaneutrale Versorgung mit Fernwärme nutzen können. Die Leitung hatte das Fraunhofer IEG. Zudem hat man „die aktuellen ökonomischen Hemmnisse analysiert und ökonomische Rahmenbedingungen für den Einsatz von Großwärmepumpen weiterentwickelt“, so das Institut. Ein Originalbeitrag.

von | 24.06.25

Fernwärme: Wärmepumpen funktionieren als Gebäudeheizungen oder in höheren Leistungs- und Temperaturklassen auch in Fernwärmenetzen und Industrieprozessen
© Frank Wiedemeier
Fernwärme

Fossile Kraftwerke erzeugen meist Strom und Wärme zugleich. Nach Angaben der Bundesnetzagentur betrieben Anfang 2024, 123 von 141 Kraftwerksblöcke Wärmeauskopplung. Mit dem Kohleausstieg soll die Stromerzeugung grüner werden. Fernwärmenetze, die einen großen Anteil ihrer Wärme von fossil gefeuerten KWK-Anlagen beziehen, stehen vor der Herausforderung ihre Wärmeversorgung zu gewährleisten und zu dekarbonisieren.

Eine Alternative zur fossilen Wärmeerzeugung ist die Einbindung natürlicher Wärmequellen wie Luft, Gewässer und geothermale Wärme. Darüber hinaus kann industrielle Abwärme, kombiniert mit Großwärmepumpen (GWP), einen signifikanten Beitrag zur Dekarbonisierung der leitungsgebundenen Wärmeversorgung leisten und bestehende Kraftwerksblöcke als Wärmequelle anteilig oder in Gänze ersetzen.

Standortanalyse zeigt Potenziale vorhandener Wärmequellen

Im Forschungsprojekt FernWP – Fern- und Prozesswärmeversorgung durch Wärmepumpen als Ersatz der Kohleverbrennung« hat das Projektteam analysiert, ob sich bereits existierende Wärmequellen an acht exemplarischen Kraftwerkstandorten für GWP eignen und welchen Anteil der Wärmenachfrage sie decken können. Die Forschenden bewerteten diese Eignung aufgrund der zeitlichen bzw. räumlichen Verfügbarkeit von natürlichen Wärmequellen, der Temperaturniveaus, sowie netzspezifischer Charakteristika.

Die Ergebnisse zeigen: Niedertemperatur-Wärmequellen haben ein hohes verfügbares Einsatzpotenzial und können den Fernwärmebedarf unter Bezug von Großwärmepumpentechnologie in Deutschland anteilig oder gänzlich decken. Das verfügbare Wärmeangebot aus natürlichen und anthropogenen Quellen hängt jedoch stark vom Standort ab, wobei die geografische Lage und die vorhandene Infrastruktur an Kraftwerksstandorten zur weiteren Nutzung eine wichtige Rolle spielen.

Großwärmepumpen als Baustein klimaneutraler Fernwärme

„Mit Großwärmepumpen lassen sich natürliche Wärmequellen effizient nutzen und die Wärmeerzeugung aus Kohle schrittweise ersetzen“, erklärt Anja Hanßke, Projektleiterin des Forschungsprojekts FernWP.

Das eröffnet neue Perspektiven für eine nachhaltige Fernwärmeversorgung.« Das Projekt zeigt, dass Großwärmepumpen gegenüber konventionellen Technologien einen flexiblen Betrieb vorlegen können: Sie können unterschiedlich temperierte Wärmequellen effizient nutzen und je nach Anforderungen der Fernwärmenetze grüne Fernwärme anbieten. Zudem binden Großwärmepumpen erneuerbare Energiequellen effektiv ein.

Jedoch müssen die spezifischen Bedingungen in den Einsatzregionen Deutschlands, wie die Bevölkerungsdichte und bereits vorhandene Infrastruktur beim Einsatz von Großwärmepumpen berücksichtigt werden. Eine Reduktion von Netzvorlauftemperaturen, soweit möglich, kann die Gesamteffizienz beim Einsatz von Großwärmepumpen weiter erhöhen. Die Transformation von Standorten mit Kohlekraftwerken zur Betriebsstätte von Großwärmepumpen ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch Anpassungen und Investitionen.

Die analysierten Kohlekraftwerksstandorte, an denen Wärmequellen wie Oberflächen- bzw. Fließgewässer, Geothermie und Solarthermie vorliegen, bieten aufgrund dieser Quellen ausreichend Potenziale, die für die Fernwärmeversorgung durch Großwärmepumpen erschlossen werden könnten.

Förderhinweis
Das BMWK fördert das Projekt FernWP mit 4,4 Mio. Euro. Projektpartner sind Fraunhofer IEG (Koordination), Fraunhofer ISE, AGFW, Fraunhofer ISI, GESMEX EXCHANGERS GmbH, Johnson Controls Systems & Service GmbH und die Stadtwerke Cottbus.

Weitere Informationen

 

(Quelle: Fraunhofer IEG)

 


 

Lesen Sie auch:

Grüne Fernwärme: Baustart für Großwärmepumpe am Klärwerk Hannover

HEnW und Aurubis starten Leuchtturmprojekt für klimaneutrale Fernwärme

Wien Energie nimmt Europas leistungsstärkste Großwärmepumpe in Betrieb

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

„Wasserstoff aus Lubmin“ reserviert H2-Kapazitäten bei Gascade
„Wasserstoff aus Lubmin“ reserviert H2-Kapazitäten bei Gascade

Das Projekt WAL – „Wasserstoff aus Lubmin“ und der Fernleitungsnetzbetreiber Gascade Gastransport GmbH haben einen Kapazitätsreservierungsvertrag im H2-Kernnetz unterzeichnet. Ziel des IPCEI-Projekts WAL ist es, sich Einspeisekapazitäten für grünen Wasserstoff aus dem geplanten Elektrolyseur am Standort Lubmin zu sichern. WAL wird gemeinsam von H2APEX und Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) entwickelt.

mehr lesen
Rheinmetall und Telekom entwickeln Drohnen-Schutzschild
Rheinmetall und Telekom entwickeln Drohnen-Schutzschild

Rheinmetall und die Telekom planen die gemeinsame Entwicklung eines Abwehrschirms gegen Drohnen und Sabotage, um damit Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland zu schützen. Die Vereinbarung erfolgte im Vorfeld der bevorstehenden Fachausstellung für Sicherheitstechnik AFCEA in Bonn.

mehr lesen
17. Symposium Pipelinetechnik steht vor der Tür
17. Symposium Pipelinetechnik steht vor der Tür

Das 17. Symposium Pipelinetechnik rückt näher und bringt am 18. Juni Fachleute, Betreiber und Dienstleister im RuhrCongress Bochum zusammen. Im Mittelpunkt stehen sichere, robuste Leitungsnetze, aktuelle Fragen rund um kritische Infrastruktur und Digitalisierung sowie ein vielfältiges Programm aus Fachvorträgen, Fachausstellung und Networking. 

mehr lesen

Publikationen zum Thema