Generic filters
FS Logoi

Geothermie: Bohrtechnik für mehr Wärme aus bestehenden Bohrungen

Ein europäisches Forschungskonsortium hat im Mai 2026 das Projekt UPLIFT gestartet. Fünf Länder haben sich zusammengeschlossen, um eine Bohrtechnik für die tiefe Geothermie weiterzuentwickeln. Das Fraunhofer IEG erprobt dabei die Einsatzbereitschaft seiner Micro Turbine Drilling Bohrtechnik in einer drei Kilometer tiefen Bohrung. Ziel ist es, bestehende Geothermiebohrungen zu erweitern und die wirtschaftlichen Risiken bei neuen Bohrungen zu senken.

von | 22.07.26

Darstellung der Mikro-Bohrturbine des Fraunhofer IEG
© Fraunhofer IEG
Geothermie: Bohrtechnik für mehr Wärme aus bestehenden Bohrungen

Niklas Geißler, Gruppenleiter Mikro-Bohrtechnologie am Fraunhofer IEG, benennt den Ausgangspunkt des Projekts: Viele Geothermie-Projekte erreichen die erwarteten Wärmeleistungen nicht, weil die Fördermengen an Tiefenwasser zu klein ausfallen. Die Micro Turbine Drilling (MTD)-Bohrtechnik soll bestehende Bohrungen gezielt erweitern und dadurch die Erfolgschancen von Projekten steigern.

Zum Einsatz kommt ein neuer Bohrprototyp mit der MTD-Technologie in einer drei Kilometer tiefen Bohrung des tschechischen Forschungszentrums RINGEN (Research Infrastructure for Geothermal Energy) in Litoměřice. Der Prototyp erbohrt von der vorhandenen Bohrung aus kleine Seitenäste, sogenannte Micro-Sidetracks, und ergänzt sie so um zusätzliche Abzweige zum Untergrund. Diese Seitenäste vergrößern die Kontaktfläche zwischen Bohrloch und Gestein und verbessern die Wasserdurchlässigkeit für Förderung und Injektion von Flüssigkeiten.

Schematische Darstellung der beiden Hauptbohrungen, die durch die Micro-Sidetracks an die Geologie angeschlossen wurden

Schematische Darstellung einer Hauptbohrung, die durch die Micro-Sidetracks ergänzt und an die Geologie angeschlossen wurden (© Fraunhofer IEG)

Im Vergleich zu konventioneller Perforation reichen sie fünf- bis zehnmal tiefer in die Formation und vermeiden schädigende Effekte im Gestein. Dadurch steigt die Menge an warmem Wasser, die sich aus einem bestehenden Brunnen gewinnen lässt. Das Verfahren kommt ohne klassische Bohranlage aus und eignet sich für bestehende oder reaktivierte Bohrungen. Die Forschenden untersuchen, wie stark sich die Leistungsfähigkeit des Systems dadurch verbessert.

Projektentwickler und Anlagenbetreiber können mit diesem Ansatz bestehende Investitionen weiter nutzen und technische Risiken verringern. Der Bedarf an geothermischen Lösungen wächst mit dem Ausbau klimaneutraler Wärmeversorgung. Gleichzeitig müssen Projekte wirtschaftlicher und zuverlässiger werden, um einen größeren Beitrag zur Wärmeversorgung von Städten und Industrie zu leisten.

Mikroturbine treibt Bohrkopf per Wasserdruck an

Das Verfahren basiert auf einer Mikro-Bohrturbine von weniger als fünf Zentimetern Länge und weniger als vier Zentimetern Breite. Wasserdruck aus einem flexiblen Schlauch treibt die Rotation der Turbine an. Ein Ablenkschuh führt die Turbine in der gewünschten Tiefe seitlich aus dem bestehenden Bohrloch. Der diamantbestückte Bohrkopf zerkleinert das Gestein bei hoher Drehzahl, Wasser spült das Bohrklein aus. Der Vortrieb liegt je nach Gestein bei rund einem Meter pro Stunde. Kameras, akustische Sensoren und Rückflussanalysen überwachen den Prozess und ermöglichen präzises Arbeiten auch in engen Bohrlöchern.

Das MTD lässt sich in unterschiedlichen Gesteinstypen einsetzen, darunter kristalline Hartgesteine wie Granit oder Basalt, Sedimentgesteine wie Sandstein, Tonstein und Kalkstein sowie Evaporite wie Halit. Die Bohrtechnik eignet sich damit für Anwendungen im Grundwassermanagement, im Erdöl- und Erdgasbereich, für die Erschließung geothermischer Reservoire, für den Lithiumbergbau aus Solen sowie für untertägige Energiespeicher.

Neben der praktischen Erprobung in Litoměřice führt das Konsortium Laborversuche im Schweizer Untergrundlabor BedrettoLab durch, verbessert digitale Modelle und baut ein Echtzeit-Überwachungssystem für den Betrieb von Geothermieanlagen auf.

Konsortium koordiniert Entwicklung über vier Jahre

UPLIFT steht für “Unlocking Petrothermal Lithologies through Innovative Fracture Technologies”. Das Projekt läuft noch bis April 2030 und wird über das Programm Horizon Europe von der EU mit rund 10,9 Millionen Euro gefördert.

Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung koordiniert das Konsortium. Dazu gehören unter anderem das Fraunhofer IEG, die tschechische Charles University, Geo-Energie Suisse, die Solexperts AG, das schwedische Fraunhofer-Chalmers Centre for Industrial Mathematics, die ETH Zürich sowie die European Federation of Geologists. Das Gesamtprojekt verfügt über ein Budget von rund 12,2 Millionen Euro.

Mehr zur MTD Bohrtechnik

(Quelle: Fraunhofer IEG/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich
Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich

Die Wasserstoff-Kernnetzbetreiber haben ihr drittes Marktinformationspaket veröffentlicht. Darin haben sie zum Stichtag 23. Juli in den Angebotszonen des Kernnetzes Ein- und Ausspeisekapazitäten von knapp 6 GW zahlungspflichtig reserviert. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber der letzten Veröffentlichung vom 13. Mai. Für den Clusterübergangstransport sind zusätzlich 0,6 GW vertraglich gesichert, weitere 0,5 GW befinden sich in Prüfung. Ein mehrstufiger Übernachfrageprozess hat alle Anfragen bedient, die das ursprüngliche Kapazitätsangebot überstiegen haben.

mehr lesen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen

Die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken im Alpenraum sind im Juli auf einen historischen Tiefstand gesunken. Das hat eine Analyse des Energieinformationsanbieters Montel ergeben. Ursache ist die anhaltende Trockenperiode in Österreich und der Schweiz, die auch die Wasserkraftproduktion in Deutschland und Frankreich gedrückt hat. Mit einer Erholung rechnen Fachleute frühestens im September.

mehr lesen
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl

Über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz ist nun erstmals Wasserstoff aus der RWE-Elektrolyseanlage in Lingen zum Chemiepark in Marl geflossen. Die Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE haben die Leitungen gemeinsam mit der Evonik-Tochter SYNEQT für den Transport bereitgestellt. Damit hat einer der ersten fertiggestellten Abschnitte des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes den Betrieb aufgenommen.

mehr lesen
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper

Der Wupperverband hat die Wasserabgabe aus der Wupper-Talsperre reduziert. Am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal fließen ab sofort rund 3.000 Liter Wasser pro Sekunde statt bisher 3.500 Liter. Grund für die Anpassung ist die anhaltende Trockenheit im Wuppergebiet im Wasserwirtschaftsjahr 2026.

mehr lesen
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung

Der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) hat mit den BGT-FachTalks ein digitales Veranstaltungsformat etabliert, das Netzbetreiber, Kommunen, Ingenieurbüros, Hersteller und ausführende Unternehmen zu aktuellen Branchenthemen zusammenbringt. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere kostenfreie Online-Veranstaltungen zu Künstlicher Intelligenz in der Kanalinspektion, zur neuen EU-Trinkwasser-Richtlinie und zu technischen Regelwerken stattgefunden. Der Verband hat damit auf den wachsenden Bedarf an schnellem, praxisnahem Wissenstransfer in der Branche reagiert.

mehr lesen

Publikationen zum Thema

Datenschutz
3r-rohre.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
3r-rohre.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: