Generic filters
FS Logoi

KI soll Kanalnetze in Hof und Jena klimaresilienter machen

Nach über drei Jahren intensiver Forschung endet in Hof und Jena das Projekt InSchuKa 4.0. Dessen Ziel war es, Abwassernetze mithilfe künstlicher Intelligenz widerstandsfähiger gegen Starkregen und Trockenphasen zu machen. So sollen bestehende Infrastrukturen künftig flexibler, effizienter und klimaangepasster arbeiten.

von | 10.11.25

Digital steuerbare Kanalklappen im Einsatz
Bild: JenaWasser

In Hof und Jena arbeiteten kommunale Praxispartner, Technikunternehmen und Forschungseinrichtungen eng zusammen, um zukunftsfähige Lösungen für eine klimaresiliente Wasserwirtschaft zu entwickeln. Koordiniert wurde das Projekt durch die Hochschule Hof, deren Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) die wissenschaftliche Leitung innehatte. Von hier aus wurden die Beiträge aller Beteiligten zu einem leistungsfähigen Gesamtsystem vereint.

Intelligente Steuerung statt Betonbecken

Das Herzstück des Projekts liegt in Jena: Zwei groß dimensionierte Edelstahlklappen im Hauptsammler werden digital gesteuert und künftig von einer KI geregelt. Das System verarbeitet Messwerte, Modellierungen und Wetterdaten, um zu entscheiden, ob Wasser im Kanalnetz gespeichert oder abgeleitet werden soll – und vermeidet so Überflutungen ebenso wie das Austrocknen von Leitungen.

„Wir wollten zeigen, dass man mit bestehenden Netzen arbeiten kann, ohne gleich neue Rückhaltebecken errichten zu müssen“, sagt Robert Köllner, stellvertretender Werkleiter von JenaWasser. „Die intelligente Steuerung macht unser Kanalnetz flexibler und robuster gegenüber Extremwetter.“

Seit September 2025 läuft das System dort im Echtbetrieb – ein wichtiger Schritt von der Forschung in die Praxis, betonen die Beteiligten aus Hof und Jena.

Wissenstransfer als Schlüssel

Neben der technischen Entwicklung stand für die Forschenden der Wissenstransfer im Fokus. Das Team untersuchte Entscheidungsprozesse in kommunalen Betrieben: Welche Erwartungen bestehen an KI-Systeme? Welche Chancen und Hürden gibt es?

Eine bundesweite Online-Befragung von 154 Fachleuten ergab: Intelligente Kanalnetzsteuerung gilt als notwendiger Schritt zur Klimaanpassung. Gleichzeitig wurden Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Ressourcenknappheit und der Wunsch nach transparenter KI hervorgehoben. Hof lieferte hier wichtige wissenschaftliche Impulse für die Praxis.

Abschluss in Jena: Forschung trifft Anwendung

Zum Projektabschluss trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Fachverbänden und Ingenieurbüros in Jena. Bei einer Live-Demonstration im Kanalnetz zeigte das Team von JenaWasser, wie das System Stauraum aktiviert, Abflüsse drosselt und Spülwellen auslöst.

Ein zentrales Ziel von InSchuKa 4.0 sei nicht „nur die technische Entwicklung, sondern auch der Transfer in die kommunale Praxis“ gewesen, wie die Projektbeteiligten betonen. Daher seien Entscheidungsprozesse in Stadtwerken und Verwaltungen untersucht worden. Man habe herausfinden wollen, welche Erwartungen an KI-gestützte Steuerungssysteme bestehen und welche Chancen und Hürden existieren.

Ausblick: Hof und Jena bleiben vernetzt

Auch nach Projektende bleibt die Kooperation zwischen Hof und Jena bestehen. Die Partner planen, die entwickelten Konzepte weiterzuführen, Schulungen für Betriebspersonal zu etablieren und die KI-Algorithmen zu verbessern.
Aus der Koordination in Hof ist eine dauerhafte Plattform für klimaresiliente Wasserwirtschaft entstanden – und Jena zeigt mit seiner Praxisumsetzung, wie Innovationen aus Forschung und Anwendung zusammenfinden.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Günter Müller-Czygan
Hochschule Hof

(Quelle: Hochschule Hof/Rainer Krauß)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Stabile Energieinfrastruktur: Breite Branchenallianz warnt vor Kurswechsel bei Erdverkabelung
Stabile Energieinfrastruktur: Breite Branchenallianz warnt vor Kurswechsel bei Erdverkabelung

Eine Allianz führender Branchenverbände unter Beteiligung des Rohrleitungsbauverbandes (rbv) spricht sich mit Nachdruck dafür aus, die Nutzung der Erdverkabelung bei Gleichstromprojekten beizubehalten. Die Initiative repräsentiert mehrere tausend deutsche Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Kabel- und Rohrherstellern über Leitungsbau und Tiefbau bis hin zu spezialisierten Technologieanbietern.

mehr lesen
Fokus auf nachhaltige Leitungsinfrastruktur und grabenlose Technologien
Fokus auf nachhaltige Leitungsinfrastruktur und grabenlose Technologien

Der Bundesverband grabenlose Technologien e. V. (BGT) und der Kunststoffrohrverband e. V. (KRV) stellen auf der IFAT in München in Vorträgen und mit einer Podiumsdiskussion innovative grabenlose Lösungen zur Sanierung erdverlegter kritischer Leitungsinfrastruktur vor. Es geht um nachhaltige, langlebige und zum Abbau des Sanierungsrückstaus in den Kommunen praktikable Lösungen zur Sicherung unserer Daseinsvorsorge.

mehr lesen
VPC® Delta-Ring: Sohlengleich trotz unterschiedlicher Nennweiten
VPC® Delta-Ring: Sohlengleich trotz unterschiedlicher Nennweiten

Bei Kanalsanierungen müssen Tiefbauer häufig unterschiedliche Nennweiten miteinander verbinden. Handelt es sich dabei auch noch um verschiedene Werkstoffe, liegen bauartbedingt stark abweichende Außendurchmesser vor. Mit dem VPC® Delta-Ring lassen sich diese Verbindungen versatzfrei herstellen.

mehr lesen
IFAT: Umwelttechnologien im Fokus von Politik und Wirtschaft
IFAT: Umwelttechnologien im Fokus von Politik und Wirtschaft

Die IFAT Munich 2026 unterstreicht einmal mehr ihre Rolle als zentrale Plattform für Umwelttechnologien: Hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und internationalen Institutionen nutzen die Weltleitmesse vom 4. bis 7. Mai 2026, um zentrale Zukunftsfragen rund um Zirkularität und Klimaschutz zu diskutieren.

mehr lesen
Mennicke und Brochier schließen sich zusammen
Mennicke und Brochier schließen sich zusammen

Die Mennicke Rohrbau GmbH und die Brochier Rohrleitungs- und Anlagenbau GmbH planen einen Zusammenschluss. Künftig sollen beide Unternehmen unter der Firmierung Mennicke+Brochier GmbH auftreten; ergänzend ist die Kurzmarke M+B vorgesehen. Ziel des Vorhabens ist die Bündelung der jeweiligen Kompetenzen.

mehr lesen

Publikationen zum Thema

Die Unterschiede der GFK-Schlauchliner – vom Freispiegelkanal zur Trinkwasserleitung

Die Unterschiede der GFK-Schlauchliner – vom Freispiegelkanal zur Trinkwasserleitung

Autor: Von Dr. Nils Füchtjohann
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Bereits über Jahrzehnte sind GFK-Schlauchliner im Abwasserbereich etabliert. Seit wenigen Jahren halten sie auch zunehmend Einzug in den Trinkwasserbereich. Hygienisch, nachhaltig und projektsicher – für die grabenlose Sanierung von ...

Zum Produkt

Kanalquerschnitts- und Profilvermessung in der Praxis

Kanalquerschnitts- und Profilvermessung in der Praxis

Autor: Von Erik Büttner und Ulrich Jöckel
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Nachdem mit 3D-Kameraequipments auch Querschnitte von Abwasserleitungen vermessen werden sollen, wird sich dieser Fachbericht dem Thema widmen. Vielen sind diverse Fachberichte zu Laserscann, photographischen und manuellen Messmethoden bekannt. Ein ...

Zum Produkt

Rheda-Wiedenbrück: Havarie-Konzept für wichtige Abwasserdruckleitung – Anschlussteil selbst entwickelt

Rheda-Wiedenbrück: Havarie-Konzept für wichtige Abwasserdruckleitung – Anschlussteil selbst entwickelt

Autor: Von Henning Winter und Ludger Wördemann
Themenbereich: Rohrleitungstechnik

Fast jede Kommune hat sie: Abwasserdruckleitungen. Und fast jede Kommune hat sie in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt. Doch so langsam kommen viele Druckleitungen in die Flegeljahre. Die KomNetABWASSER-Teilnehmerstadt ...

Zum Produkt