Im Einzugsgebiet der Ruhr sind im Juli 2026 nach vorläufigen Auswertungen des Ruhrverbands nur 22 Millimeter Niederschlag gefallen. Damit zählt der Monat zu den zwei trockensten Julimonaten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 100 Jahren, möglicherweise war er sogar der trockenste.
Ohne das Talsperrensystem des Ruhrverbands wäre die Ruhr am Pegel Villigst bei Schwerte an 18 von 31 Tagen streckenweise trockengefallen. An allen 31 Tagen im Juli bestand Zuschusspflicht, um die gesetzliche Mindestwasserführung an diesem Pegel aufrechtzuerhalten.
Die Entnahmemengen aus der Ruhr lagen im Juli durchgehend über dem natürlichen Durchfluss. Nur das Zuschusswasser aus den Talsperren verhinderte, dass der Fluss am Pegel Villigst trockenfiel. Für das Talsperrensystem bedeutete die Trockenheit damit durchgehend zusätzlichen Steuerungsaufwand.
Trockenphase zieht sich durch das gesamte Abflussjahr
Die Trockenheit im Juli reiht sich in einen längeren Trend ein. Seit November 2025, dem Beginn des aktuellen Abflussjahres, fiel nur der Februar durchschnittlich und der Mai überdurchschnittlich nass aus. Alle übrigen Monate blieben trockener als im langjährigen Mittel: November, Dezember und März um mehr als die Hälfte, der Juli voraussichtlich um mehr als drei Viertel.
In den ersten neun Monaten des Abflussjahres 2026 fielen insgesamt rund 30 Prozent weniger Niederschläge als üblich. Um einen annähernd durchschnittlichen Jahresniederschlag zu erreichen, müssten die verbleibenden Monate bis Ende Oktober sehr nass ausfallen. Aktuelle Prognosen zeigen dafür keine Anzeichen.

Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands (© Ruhrverband)
„Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Bedeutung der Talsperren für die sichere Trinkwasserversorgung unserer Region gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, sagt Prof. Christoph Donner, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands. „Aufgrund des Klimawandels werden Trockenphasen, wie wir sie im Moment erleben, ebenso wie Starkregen, Stürme und Hochwasser zu einem Teil unserer neuen Lebensrealität.
Im Zusammenwirken mit renaturierten Gewässern, entsiegelten Flächen, Schwammstädten und -wäldern seien die Talsperren wichtige Multifunktionsspeicher, heute schon und in Zukunft noch mehr, so Donner. Das Wasser dort zu halten, wo es gebraucht werde, und die natürlichen und künstlichen Speicherkapazitäten gezielt weiterzuentwickeln, werde daher die Aufgabe des Ruhrverbands in der Wasserwirtschaft sein.
Ruhrverband unterstützt Entnahmeverbot für Ruhr und Lenne
Der Füllstand des Talsperrensystems liegt aktuell bei rund 80 Prozent vom Vollstau. Das entspricht einer Gesamtmenge von etwa 380 Millionen Kubikmetern. Nach Angaben des Ruhrverbands lässt sich die Wasserversorgung damit auch bei anhaltender Trockenheit in den kommenden Wochen und Monaten sicherstellen.
Allein im Juli musste der Ruhrverband seine Talsperren um 31 Millionen Kubikmeter Wasser abstauen, um die Mindestwasserführung der Ruhr aufrechtzuerhalten.
„Wasser ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Christoph Donner. „Es ist ein kostbares Gut, mit dem wir achtsam umgehen müssen.“ Der Ruhrverband unterstützt deshalb das von der Bezirksregierung Arnsberg ausgesprochene Verbot der Wasserentnahme aus Ruhr und Lenne. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden kann damit jede und jeder Einzelne dazu beitragen, die Wasserreserven zu schonen.
Was ein Abflussjahr von einem Kalenderjahr unterscheidet
Abflussjahre, auch hydrologische Jahre oder Wasserwirtschaftsjahre genannt, weichen von den Kalenderjahren ab. So lassen sich in der Jahresbilanz auch Niederschläge erfassen, die als Schnee und Eis bereits im Frühwinter fallen und erst im folgenden Kalenderjahr als Schmelzwasser abflusswirksam werden. Eine DIN-Norm legt das Abflussjahr in Deutschland deshalb einheitlich vom 1. November bis zum 31. Oktober fest, weil die Wasserreserven Ende Oktober erfahrungsgemäß am geringsten sind.






