Straßen bilden das Rückgrat der kommunalen Infrastruktur und werden täglich stark beansprucht. Gleichzeitig verlaufen unter ihnen komplexe Leitungsnetze der Gas-, Wasser- und Abwasserwirtschaft. Für deren Betrieb sind Armaturen erforderlich, deren Betätigung traditionell über Straßenkappen im Fahrbahnbereich erfolgt.
Was lange als praktikable Lösung galt, entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für Netzbetreiber, Straßenbaulastträger und Verkehrsteilnehmer. Die Schönborner Armaturen GmbH (SAGmbH) hat daher ein System entwickelt, das die Betätigung dieser Armaturen in weniger belastete Bereiche verlagert.
Ausgangssituation
Die SAGmbH produziert Betätigungselemente für erdverbaute Armaturen, die sich in Tiefen von etwa 80 bis 160 cm unter Verkehrsflächen befinden. Üblicherweise erfolgt die Bedienung über Straßenkappen, die direkt in den Fahrbahnbelag integriert sind.
Diese Bauteile sind hohen dynamischen Belastungen ausgesetzt. Nach DIN 3580-1 müssen Straßenkappen Verkehrslasten bis zur Lastklasse SLW 60 standhalten, mit Prüfbelastungen von 200 bis 400 kN (ca. 20 bis 40 Tonnen). Dennoch führen wiederholte Überfahrungen, insbesondere durch schwere Nutzfahrzeuge, häufig zu Setzungen im Umfeld.
Die Folgen sind Vertiefungen, Schlaglöcher, Geräusche und Erschütterungen, die sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Lebensdauer der Infrastruktur beeinträchtigen können.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Die Materialkosten für Straßenkappen liegen meist zwischen 20 und 60 Euro. Demgegenüber stehen Instandsetzungskosten von etwa 1.000 bis 2.000 Euro pro Schadensfall, die durch Demontage, Wiedereinbau und Wiederherstellung des Fahrbahnbelags entstehen.
Werden Schäden nicht zeitnah behoben, können zusätzliche Folgeschäden auftreten. Dazu zählen Beeinträchtigungen an Leitungsnetzen, angrenzenden Bauwerken sowie am Straßenoberbau. Die tatsächlichen Gesamtkosten übersteigen daher häufig die direkten Reparaturkosten.
Neuer Lösungsansatz: Verlagerung der Betätigung
Vor diesem Hintergrund verfolgt die SAGmbH einen alternativen Ansatz: Mithilfe eines Winkelgetriebe-Einbausets wird die Betätigungsstelle aus dem Fahrbahnbereich in angrenzende Geh- oder Radwege verlagert. Die Armatur selbst verbleibt an ihrem ursprünglichen Standort. Die Bedienung erfolgt somit außerhalb stark belasteter Verkehrsflächen.
Das bietet die Systemlösung
- Erhöhte Arbeitssicherheit
Die Notwendigkeit von Verkehrsabsicherungen oder Straßensperrungen wird reduziert. Gleichzeitig sinkt das Gefährdungspotenzial für das Bedienpersonal erheblich. - Reduzierung von Instandhaltungsmaßnahmen
Der Verzicht auf Straßenkappen im Fahrbahnbelag minimiert Setzungen und daraus resultierende Schäden. Dies senkt den Wartungsaufwand für Netzbetreiber und Straßenbaulastträger. - Verringerung von Lärm und Erschütterungen
Klappergeräusche und Erschütterungen durch überfahrene Straßenkappen entfallen, was die Lebensqualität für Anwohner verbessert. - Verbesserte Qualität des Straßenbaus
Ein homogener Fahrbahnaufbau ohne Einbauten ermöglicht eine bessere Verdichtung der Tragschichten und erhöht die Dauerhaftigkeit der Straße. - Verbesserter Verkehrsfluss und Fahrkomfort
Unebenheiten im Straßenbelag werden reduziert, wodurch der Fahrkomfort steigt und sich Verkehrsteilnehmer besser auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren können. - Vermeidung von Folgeschäden
Weniger Schlaglöcher und Absenkungen verringern das Risiko von Schäden an Fahrzeugen und Infrastruktur.
Wirtschaftliche Betrachtung
Die Einführung des Winkelgetriebe-Einbausets ist mit zusätzlichen Investitions- und Montagekosten verbunden. Besonders bei Neuerschließungen oder Sanierungen in stark belasteten Verkehrsbereichen können diese Kosten jedoch durch geringere Instandhaltung, reduzierte Verkehrsbeeinträchtigungen und erhöhte Arbeitssicherheit kompensiert werden.
Ein wirtschaftlicher Einsatz ist insbesondere in Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und hoher Schwerlastbelastung gegeben.
Ausblick
Die Weiterentwicklung des Systems erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Netzbetreibern und Anwendern. Ziel ist die kontinuierliche Optimierung von Komponenten und Montageprozessen sowie die Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten.
Die Verlagerung von Armaturenbetätigungen stellt damit einen innovativen Ansatz dar, um die Betriebssicherheit von Leitungsnetzen zu erhöhen, Instandhaltungskosten zu senken und die Qualität der Verkehrsinfrastruktur nachhaltig zu verbessern.
Quelle und mehr Informationen: Schönborner Armaturen GmbH






