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Aktuelle Analyse: Aufbau einer CCS-Infrastruktur möglich

Das Öko-Institut und Agora Industrie bewerten Carbon Capture and Storage (CCS) auf Basis einer 72-seitigen Analyse als notwendige Option für schwer vermeidbare Emissionen, verweisen jedoch auf hohe Kosten, lange Umsetzungszeiträume und fehlende Rahmenbedingungen. 

von | 18.02.26

Ziel Klimaneutralität: CO2 soll abgeschieden, transportiert und gespeichert werden
Quelle: Pixabay/Intermalte

Das Erreichen der Klimaneutralität setzt laut der Verfassser den Einsatz von Carbon Capture and Storage (CCS) dort voraus, wo Emissionen nicht durch andere Maßnahmen vermieden werden können. Derzeit fehlten jedoch zentrale finanzielle und regulatorische Rahmenbedingungen für den Ausbau von CO₂-Speichern und Transportinfrastruktur, zudem seien die tatsächlichen CCS-Kosten deutlich höher als häufig angenommen.

Nach neuen Berechnungen von Agora Industrie in Kooperation mit dem Öko-Institut belaufen sich die Gesamtkosten für Abscheidung, Transport und Speicherung von CO₂ auf etwa 150 bis 300 Euro pro Tonne. Die Analyse aktueller Projekt- und Kostendaten zeige, dass bestehende und geplante Speicherprojekte mindestens 50 % teurer sind als frühere Prognosen.

Damit sollen die erwarteten CCS-Kosten deutlich über dem aktuellen CO₂-Preis von rund 85 Euro pro Tonne im Europäischen Emissionshandel (ETS I) liegen, sodass Investitionen in vollständige CCS-Prozessketten derzeit nicht wirtschaftlich sind. Erschwerend wirkten Projektentwicklungszeiten von sechs bis dreizehn Jahren für Offshore-Speicher, wodurch Kapazitäten nur langsam aufgebaut werden könnten und vorerst begrenzt blieben.

„Erste CCS-Projekte zeigen: Für schwer vermeidbare Emissionen gibt es eine realistische klimaneutrale Perspektive. CCS ist jedoch noch teuer. Damit der Markthochlauf von CCS in Deutschland und Europa gelingt, muss die politische Unterstützung vor allem darauf abzielen, die Kostenlücke zum CO₂-Preis zu schließen und den Bau von CO₂-Infrastruktur abzusichern“, sagt Dr. Julia Metz, Direktorin von Agora Industrie. „Entscheidend ist nun eine gezielte Unterstützung der Bundesregierung, um Branchen ohne Alternativen zur Emissionsminderung – etwa der Zement- und Kalkindustrie sowie der Abfallwirtschaft – eine klimaneutrale Zukunft in Deutschland zu ermöglichen.“

Die Bundesregierung hat mit der Novelle des Kohlenstoffdioxidspeichergesetzes zwar eine rechtliche Grundlage für den kommerziellen Einsatz von CCS geschaffen, aus Sicht von Agora Industrie und Öko-Institut sind für einen Markthochlauf jedoch weitere Weichenstellungen erforderlich. Genannt werden eine industriepolitische Strategie für den zielgerichteten CCS-Einsatz, ein robuster CO₂-Preis sowie konkrete planerische und finanzielle Instrumente für den Aufbau eines CCS-Marktes in Deutschland und Europa. Förderprogramme und staatliche Absicherungsgarantien sollen Unternehmen in der Hochlaufphase helfen, die Differenz zwischen CCS-Kosten und CO₂-Preis zu überbrücken und den Ausbau der Infrastruktur abzusichern.

„Klimaneutralität braucht CCS. Und CCS braucht einen umfassenden und systematischen Policy-Mix, der den CCS-Hochlauf in den nächsten zwei Dekaden absichert. Nur mit staatlichem Engagement beim Aufbau der CO₂-Infrastrukturen, einer robusten Finanzierung sowie breit angelegten Maßnahmen zur Marktinitiierung kann ermöglicht werden, dass die Klimaschutzoption CCS rechtzeitig verfügbar wird“, sagt Dr. Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut.

Für die aktuelle Kosten- und Kapazitätsanalyse wurden Offshore-CCS-Projekte im Europäischen Wirtschaftsraum und in Großbritannien in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zusammengeführt und ausgewertet. Daraus leitet sich laut der Verfasser ab, dass in der EU und Norwegen bis Anfang der 2030er Jahre voraussichtlich nur eine jährliche Einspeicherleistung von etwa 10 Mio. Tonnen CO₂ verfügbar sein soll, was rund einem Fünftel des EU-Ziels von 50 Mio. Tonnen bis 2030 entspricht. Um den Speicherbedarf bis 2050 decken zu können, wären demnach künftig jährlich zwei zusätzliche Großspeicher mit jeweils 5 Mio. Tonnen Einspeicherleistung in Betrieb zu nehmen.

„Die jährlichen Speicherkapazitäten für CO₂ wachsen nur langsam. Deshalb sind jetzt zwei Dinge zentral: Erstens muss der Hochlauf beschleunigt werden, indem die Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen entlang der CCS-Wertschöpfungskette schafft. Zweitens sollten Deutschland und die EU sicherstellen, dass die begrenzten Speicherkapazitäten den Emissionen vorbehalten bleiben, für die es keine Alternativen gibt“, sagt Metz.

Diese Fragen seien auch mit Blick auf das für Herbst 2026 angekündigte CO₂-Infrastrukturpaket der EU-Kommission zu klären.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Ansprechpartner am Öko-Institut
Dr. Felix Chr. Matthes
Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik
Öko-Institut Consult GmbH, Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-330
E-Mail: f.matthes@oeko.de

Pressekontakt bei Agora Industrie
Roman Rudnik
Manager Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Agora Industrie
Telefon: +49 159 0435 4660
E-Mail: roman.rudnik@agora-thinktanks.org


Originalpublikation:

https://www.oeko.de/publikation/carbon-capture-and-storage-ccs-in-der-energiewen… Analyse „Carbon Capture and Storage (CCS) in der Energiewende zur Klimaneutralität – Der infrastrukturelle und regulatorische Rahmen für CO2-Transport und -Speicherung“ von Öko-Institut und Agora Industrie

„Diese Analyse ist ein 72-seitiger Foliensatz von Agora Industrie und der Öko-Institut Consult GmbH. Darin werden die Kapazitäten und Kosten von bereits bestehenden und in Planung befindlichen Projekten zur Speicherung von CO₂ in Europa sowie die unterschiedlichen Transportoptionen analysiert und eingeordnet. Zudem werden politische Empfehlungen gegeben, wie der erforderliche Markthochlauf zügig und effizient gelingen kann.“

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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