Die INES-Modellrechnungen zeigen zwar, dass eine Befüllung der Speicher auf den aktuell vermarkteten Füllstand von 76 % bis zum 1. November 2026 technisch möglich bleibt. Ob diese Kapazitäten tatsächlich genutzt werden, hängt jedoch wesentlich von der weiteren Preisentwicklung und vom Verhalten der Marktakteure ab. Die infolge der Einschränkungen globaler LNG-Lieferketten stark gestiegenen Gaspreise drehen den saisonalen Sommer-Winter-Spread regelmäßig ins Negative: Gas ist für den kommenden Winter häufig günstiger verfügbar als für den Sommer. Damit fehlen aktuell weitgehend wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung, obwohl die Gasspeicher für die Gasversorgung im kommenden Winter eine zentrale Rolle spielen.
Steigender Gasverbrauch bereits im Sommer 2025
Bereits in den Sommermonaten 2025 lag der Gasverbrauch mit durchschnittlich rund 1,6 TWh pro Tag über dem Niveau des Vorjahres. Mit Beginn der Heizperiode stieg der Verbrauch noch einmal deutlich an. Schon im Oktober 2025 überwogen die Ausspeicherungen erstmals die Einspeicherungen. Im November und Dezember nahm die Entnahme aus den Speichern weiter zu. Zwar blieb der Verbrauch im Dezember aufgrund vergleichsweise milder Temperaturen unter den Werten zu Jahresbeginn 2025, dennoch schloss das Jahr 2025 insgesamt mit einem Gasverbrauch von 910 TWh – ein Anstieg von 6,9 % gegenüber 2024.
Schnellere Entleerung der Speicher durch kalten Januar
Besonders prägend für die Gasbilanz war der kalte Januar 2026. Die Temperaturen lagen unter dem Niveau des Referenzjahres im Normalszenario, wodurch die Ausspeicherungen gegenüber Dezember nahezu verdoppelt wurden. Rund 38 % des im Januar verbrauchten Erdgases stammten aus Speichern. Infolge des erhöhten Verbrauchs sanken die bereits zuvor unterdurchschnittlich gefüllten Speicher bis Anfang März 2026 auf nur noch rund 21 %.
Zwar führten die milden Temperaturen im März und April 2026 dazu, dass Importe und inländische Produktion den Gasbedarf wieder vollständig decken konnten und erste Einspeicherungen möglich wurden. Aufgrund stark gestiegener Gaspreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus blieb die Wiederbefüllung der Speicher jedoch deutlich hinter früheren Jahren zurück. Am 1. Mai 2026 lag der durchschnittliche Speicherfüllstand in Deutschland lediglich bei rund 26 % – ein Niveau, das zuletzt im Krisenjahr 2021/2022 erreicht wurde.
Versorgungssicherheit im kalten Szenario gefährdet
Nach den Modellrechnungen wäre ein Speicherfüllstand von 76 % bei normalen oder milden Wintertemperaturen ausreichend, um die Versorgungssicherheit im Winter 2026/27 zu gewährleisten. In einem kalten Szenario mit einem Temperaturniveau des Referenzjahres 2010 zeigen die Analysen jedoch Versorgungsknappheiten. In diesem Fall könnten in den Monaten Januar, Februar und März 2027 Unterdeckungen von insgesamt 20 TWh auftreten. In den Modellrechnungen kann an einzelnen Tagen über 35 % des Gasverbrauchs nicht mehr gedeckt werden.
„Die Analysen der INES-Gas-Szenarien verdeutlichen, dass neben ausreichenden technischen Kapazitäten insbesondere marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter sein werden“, so INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann . „Um auch auf einen sehr kalten Winter vorbereitet zu sein, müssen Speicherkapazitäten nicht nur ausreichend gebucht, sondern auch befüllt sein. Wir wissen bereits aus dem letzten Winter, dass eine Buchungs- und Befüllungssituation von 76 % nur reicht, wenn das Wetter mitspielt.“
Das nächste Update ist für den 7. Juli 2026 geplant. Aktuelle Informationen zu den Gasspeicherfüllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher), sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.
(Quelle: INES)






