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Kommunale Wärmeplanung verdoppelt sich binnen eines Jahres

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat seinen halbjährlichen Überblick zum Status quo der kommunalen Wärmeplanung in Deutschland veröffentlicht. Zum Stichtag am 30. Juni haben bundesweit 2.836 Gemeinden ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen. Damit hat das BBSR doppelt so viele fertige Wärmepläne gezählt wie Ende 2025. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt inzwischen in einer Kommune mit einem vollendeten Wärme-Konzept.   

von | 10.08.26

Zum 30. Juni 2026 haben 2.836 Gemeinden ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen
© BBSR
Wärmeplanung erreicht mehr als die Hälfte der Bevölkerung

Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland gewinnt an Tempo. Zum 30. Juni hatten rund 26,3 Prozent aller Gemeinden ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Ende 2025 lag dieser Wert noch bei 13 Prozent. Weitere 4.419 Kommunen arbeiten derzeit an einem Wärmeplan. Das zeigt der aktuelle Halbjahresbericht des BBSR.

Öffentlich verfügbar sind aktuell 1.217 Wärmepläne. Die Differenz zur Zahl der Gemeinden mit abgeschlossener Planung ergibt sich aus interkommunalen Kooperationen. Dabei erstellen mehrere Gemeinden gemeinsam einen Wärmeplan. Nahezu zwei Drittel der Gemeinden mit fertiger Planung sind Teil einer solchen Kooperation. Am häufigsten kommt der Gemeindeverband zum Einsatz, mit einem Anteil von 43 Prozent. Der freiwillige Zusammenschluss im sogenannten Konvoi folgt mit 21,6 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (55,6 Prozent) lebt aktuell in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan. Für ein weiteres Drittel wird derzeit ein Plan erarbeitet.

Großstädte legen Wärmepläne überwiegend rechtzeitig vor

Für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern endete die gesetzliche Frist zur Vorlage eines Wärmeplans am 30. Juni. Von den 83 Großstädten haben 72 ihre Wärmeplanung fristgerecht abgeschlossen. Bei den übrigen elf Städten ist die Fertigstellung bis Ende 2026 vorgesehen, eine Stadt kündigt eine Fertigstellung im Dezember 2026 an.

Kleinere Gemeinden haben für die Wärmeplanung bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Fast ein Viertel der Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern hat die Planung bereits abgeschlossen, 40,7 Prozent haben den Prozess begonnen.

Sanierungsraten liegen deutlich über dem aktuellen Niveau

Die Sonderauswertung der 72 vorliegenden Großstadt-Wärmepläne zeigt Basisjahr, Zieljahr und Umsetzungsdauer der Planungen. Mehr als die Hälfte der Pläne nennt 2045 als Zieljahr, rund ein Drittel setzt 2040 an. Einzelne Städte planen eine klimaneutrale Wärmeversorgung bereits bis 2035 oder 2038, darunter Rostock mit dem Zieljahr 2035.

Die rechnerische Umsetzungsdauer reicht von 14 bis 25 Jahren. Bei 37 Prozent der Pläne liegt sie zwischen 20 und 22 Jahren, bei 31 Prozent zwischen 23 und 25 Jahren. Bei 17 Prozent der Pläne verbleiben lediglich 14 bis 16 Jahre bis zum Zieljahr.

43 der 72 untersuchten Wärmepläne setzen eine konstante jährliche Sanierungsrate für Wohngebäude an. Davon nennen 19 Pläne einen Wert von 2,0 Prozent pro Jahr. Die tatsächliche Sanierungsquote für Wohngebäude lag 2025 bundesweit bei 0,67 Prozent, für Nichtwohngebäude bei 0,92 Prozent. Eine Sanierungsrate von 2,0 Prozent entspräche gegenüber der aktuellen Quote für Wohngebäude fast einer Verdreifachung. Ob die Kommunen diese Annahmen erreichen, hängt laut BBSR von Investitionen, Fachkräften und den Kapazitäten im Baugewerbe ab. Die Kapazitätsauslastung im Ausbaugewerbe lag zuletzt bei 68,5 Prozent, die Kapazitätsgrenze bei etwa 85 Prozent.

Wärmenetze übernehmen zentrale Rolle in den Zielszenarien

Wärmenetze gewinnen in den untersuchten Großstadt-Wärmeplänen an Bedeutung. Im Basisjahr liegt der Anteil der Wärmeversorgung über Wärmenetze im Schnitt bei 22 Prozent, verfügbar sind Werte für 40 der 72 Städte. Im Zieljahr steigt der durchschnittliche Anteil auf 49,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der auswertbaren Pläne sieht künftig einen Wärmenetzanteil von über 50 Prozent vor.

Den höchsten Zielwert plant die Stadt Jena mit 86 Prozent bis 2035. Den stärksten Ausbau in Prozentpunkten sieht der Wärmeplan der Hansestadt Lübeck vor: Der Anteil der Wärmenetze soll dort von 11 Prozent im Basisjahr auf 67 Prozent im Zieljahr 2040 steigen. Das entspricht einer Zunahme von 56 Prozentpunkten.

Südwesten führt, Ostdeutschland holt auf

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Baden-Württemberg liegen in 33 Prozent der Gemeinden fertige Wärmepläne vor, die 67 Prozent der Landesbevölkerung abdecken. Rheinland-Pfalz hat den Anteil abgeschlossener Planungen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um 25 Prozentpunkte gesteigert, damit leben dort zwei Drittel der Bevölkerung in einem Gebiet mit fertigem Plan.

In den ostdeutschen Bundesländern gewinnt die Entwicklung erst an Dynamik. In Sachsen hat der Bevölkerungsanteil mit fertigem Wärmeplan im Vergleich zum vorherigen Halbjahr um 32 Prozentpunkte zugelegt. Ähnliche Zuwächse verzeichnen Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Grund dafür ist unter anderem die Ende Juni abgelaufene Frist für Großstädte, die in diesen Ländern liegen.

Für 32,7 Prozent der bundesweit 10.775 bewohnten Gemeinden ist der Planungsstand derzeit nicht dokumentiert. Eine bundesweite Meldepflicht existiert nicht. Das BBSR erfasst den Status über Fördermittelabrufe, Internetrecherche und den Austausch mit den zuständigen Landesministerien.

Novelle des Wärmeplanungsgesetzes in Vorbereitung

Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) ist am 1. Januar 2024 in Kraft getreten und verpflichtet die Bundesländer zu einer flächendeckenden Wärmeplanung. Das Bundeskabinett hat am 27. Mai 2026 einen Gesetzentwurf zur Novelle des WPG beschlossen. Parallel dazu wird das Gebäudeenergiegesetz (GEG) zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) weiterentwickelt. Die bisherige Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien beim Heizungstausch soll entfallen, neue Gas- und Ölheizungen sollen unter der Vorgabe schrittweise klimafreundlicherer Brennstoffe wieder zulässig werden.

Vorgesehen ist zudem, dass die Bundesländer Daten aus den Wärmeplänen künftig in maschinenlesbarer Form bereitstellen. Das soll das bundesweite Monitoring der kommunalen Wärmeplanung erleichtern.

 

Zum 1. Halbjahresbericht 2026 der kommunalen Wärmeplanung

 

(Quelle: BBSR /2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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