Generic filters
FS Logoi

Leitfaden definiert Qualitätsstandards für Baufirmen im Gigabit-Ausbau

Welche Bauunternehmen sind aufgrund ihres technischen Know-hows für den Gigabitausbau geeignet? Diese Frage stellen sich Wegebaulastträger und Telekommunikationsunternehmen mit der Gigabitstrategie der Bundesregierung, die einen beschleunigten Ausbau der digitalen Infrastruktur vorsieht. Nun haben Branchenverbände im Auftrag des BMDV einen Leitfaden erarbeitet.

von | 18.06.24

Bis zum Jahr 2030 soll laut Bundesregierung flächendeckend Glasfaser zur Verfügung stehen
Foto: pixabay

Laut der Bundesregierung soll bis zum Jahr 2030 flächendeckend Glasfaser zur Verfügung stehen und bereits in den nächsten Jahren der neueste Mobilfunkstandard abrufbar sein.

Der Tief- und Leitungsbau macht sich bereits seit langem dafür stark, beim Ausbau den Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit zu richten. Besonders die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau (GLT), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (BAUINDUSTRIE) und der Rohrleitungsbauverband (rbv) haben sich bisher dafür eingesetzt.

Am 12. Juni wurde bekanntgegeben, dass unter der Federführung der Leitungstiefbauer im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) ein Leitfaden erarbeitet wurde. Hier sollen „essenzielle Standards für eine qualitätsorientierte Bauausführung beim Gigabitausbau auf den Punkt“ gebracht werden, um die Auswahlverfahren transparent und fair zu gestalten.

Zudem soll anhand praxisrelevanter Beispiele sichergestellt werden, ausschließlich qualifizierte, mit entsprechender Ausrüstung und Expertise ausgestattete Unternehmen am Gigabitausbau zu beteiligen. An der Broschüre sind neben den drei o. g. Organisationen auch Vertreter von Städten und Gemeinden, Telekommunikationsunternehmen sowie weitere Fachverbände beteiligt.

Kriterien für Bauausführung

Bild: BMDV

Der Katalog „Glasfasernetze – Qualität von Bauunternehmen beim Gigabitausbau.Leitfaden für Wegebaulastträger, Bau- und Telekommunikationsunternehmen zur Beurteilung und Förderung der Qualität von Bauunternehmen beim Gigabitausbau“ hält auf 24 Seiten alle wichtigen Anforderungen fest, die ein mit dem Gigabitausbau beauftragtes Unternehmen erfüllen sollte und gibt darüber hinaus wertvolle Tipps und Hilfestellungen zu weiteren technischen und organisatorischen Aspekten rund um den Gigabitausbau.

So enthält er zum Beispiel

  • Informationen zu von den Bauunternehmen benötigte Nachweise (wie unter anderem Einträge in Handelsregister oder Handwerkskammer, eine Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes, Versicherungsnachweise, eine Bonitätsauskunft),
  • Ausbildungsanforderungen mit zahlreichen Beispielen für Funktionsbezeichnungen und Schulungsnachweise, um die Qualifikation und Erfahrung des Personals sicherzustellen,
  • eine Checkliste zur technischen Ausrüstung (zwingend benötigte Ausstattung und Geräte abhängig von der Methode wie Fräsen, Pflügen oder Spülbohren),
  • Informationen zur Einhaltung Umweltstandards sowie von Bau- und Sicherheitsvorschriften,
  • einen Katalog mit einer stichpunktartigen Zusammenfassung von Grundlagenwissen für das Legen von Glasfaserlinien im offenen Tiefbau bzw. für den Leitungsbau.

Wichtiger Schritt für die Branche

GLT-Geschäftsführerin Dipl.-Ing. Susanne Hake betont die große Bedeutung der Teilnahme an dem Leitfaden, der „fast 1:1 die Qualitätskriterien aus unserem RAL-Gütezeichen 962 und somit die Normen VDE-AR-N 4220/4221 abbildet”. Die Empfehlung seitens der Politik zur Berücksichtigung der aufgeführten Kriterien sei „ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Bauausführung“.

„Mit unserem gemeinsamen Engagement im Rahmen der Ausarbeitung möchten wir dazu beitragen, dass nur qualifizierte Unternehmen mit der erforderlichen Ausrüstung und Fachkenntnis am Gigabitausbau beteiligt sind“, ergänzt rbv-Hauptgeschäftsführer Dipl.-Wirsch.-Ing. Dieter Hesselmann. „Dies dient nicht nur dem Ziel eines nachhaltigen Ausbaus, sondern zahlt ebenso darauf ein, Mehrfachlegungen zu verhindern und bestehende erdverlegte Infrastrukturen zu schützen.“

GLT, HDB und rbv sehen Leitungs- und Tiefbauunternehmen nicht nur als Ausführende, sondern auch als wichtige Partner – mit Blick auf die Gestaltung der digitalen Zukunft Deutschlands. Nur die Einhaltung und Förderung hoher Standards gewährleiste die erfolgreiche Progression des Gigabitausbaus und die Stärkung der Rolle Deutschlands in der globalen digitalen Wirtschaft.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, betont die tragende Rolle des Leitungsbau aufgrund seines hohen technischen Sachverständnisses im Kontext vieler Zukunftsprojekte wie der Digitalisierung oder der Energiewende, die von der Politik mittlerweile wahrgenommen und geschätzt werde:

„Es sind einige Experten-Runden in den letzten Jahren im Bundesverkehrsministerium entstanden, in denen wir aktiv gehört werden und unsere Expertise auf fruchtbaren Boden fällt. Das ist gut so, denn unsere Unternehmen bauen die Digitalisierung Deutschlands. Umso wichtiger ist es, dass die Umsetzung nachhaltig und effizient geschieht, die Politik hat mit dieser Handreichung hierfür eine vernünftige Rahmenbedingung gesetzt. Dies ist auch im Sinne der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.“

Den Leitfaden können Sie hier herunterladen.

(Quelle: RBV)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Horizontalspülbohrung schließt Lücke in Wasserstoff-Pipeline unter dem Dortmund-Ems-Kanal
Horizontalspülbohrung schließt Lücke in Wasserstoff-Pipeline unter dem Dortmund-Ems-Kanal

Thyssengas stellt für eine Wasserstoff-Pipeline im Münsterland eine 2009 unterbrochene Kanalquerung wieder her. Das neue Stück der Coesfeld-Rinkerode Leitung entsteht im Horizontalspülbohrverfahren unter dem Dortmund-Ems-Kanal. Bei einer Baustellenbesichtigung haben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft am 16. Juli über den Fortschritt der Arbeiten informiert. Insgesamt rüstet der Netzbetreiber eine 45 Kilometer lange ehemalige Mineralölleitung auf den Transport von Wasserstoff um.

mehr lesen
IKT sucht kommunale Vorbilder:  „Goldener Kanaldeckel 2026“ – jetzt bewerben
IKT sucht kommunale Vorbilder: „Goldener Kanaldeckel 2026“ – jetzt bewerben

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur schreibt zum 19. Mal den Preis „Goldener Kanaldeckel“ aus. Ausgezeichnet werden Mitarbeiter:innen von Stadtentwässerungen, Tiefbauämtern und Stadtwerken, die mit einem konkreten Projekt die kommunale Abwasserwirtschaft vorangebracht haben. Bewerbungen und Vorschläge können bis zum 31. August 2026 eingereicht werden.

mehr lesen
Prüfverfahren bewertet Zustand alternder Kunststoffrohre
Prüfverfahren bewertet Zustand alternder Kunststoffrohre

Zahlreiche Kunststoffrohrleitungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren haben ihre ursprünglich auf 50 Jahre veranschlagte Mindestlebensdauer erreicht. Netzbetreiber stehen deshalb vor der Entscheidung, ob sie ihre Rohrsysteme weiter nutzen oder sanieren. Um Betreiber bei der Frage zu unterstützen, hat das Kunststoff-Zentrum SKZ ein Prüf- und Analyseverfahren entwickelt. Mit diesem können Netzbetreiber den tatsächlichen Zustand der Rohrsysteme bewerten und Investitionen gezielter planen. 

mehr lesen
Gasaufbereitung sichert Wasserstoffqualität für den Leitungstransport
Gasaufbereitung sichert Wasserstoffqualität für den Leitungstransport

Die Gasaufbereitungsanlage im Energiepark Bad Lauchstädt hat die H₂-Dichtheitsprüfung des TÜV Thüringen bestanden und ist damit bereit für den stufenweisen Hochlauf. Die Anlage bringt Wasserstoff aus einem 30-MW-Elektrolyseur auf einen Reinheitsgrad von 99,97 Prozent, bevor das Gas über eine rund 25 Kilometer lange Leitung zur TotalEnergies-Raffinerie in Leuna transportiert wird.

mehr lesen

Publikationen zum Thema