Für die zweite Ausgabe der Studie „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland“ haben die Forschenden rund 380 Wärmepläne ausgewertet, die etwa 940 Kommunen umfassen. Damit ist die Datenbasis deutlich breiter als bei der ersten Auswertung vom Mai 2025. Die Mehrheit der neu einbezogenen Wärmepläne basiert bereits auf dem Wärmeplanungsgesetz.
Die untersuchten Kommunen planen bis 2045 einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl. An deren Stelle treten vor allem Wärmepumpen und Wärmenetze. Wärmepumpen sollen 2045 rund 42 Prozent der Wärmeversorgung abdecken, Wärmenetze rund 37 Prozent. Kleinere und mittlere Kommunen setzen dabei besonders auf dezentrale Wärmepumpen. Größere und dichter bebaute Städte setzen stärker auf Wärmenetze.
„Die deutlich breitere Datenbasis bestätigt: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der kommunalen Wärmewende. Damit haben die Kommunen eine gute Grundlage für ihre Infrastrukturplanung – vom Ausbau der Strom- und Wärmenetze bis zum künftigen Umgang mit den Gasverteilnetzen“, sagte Marc Stobbe, Energieexperte am Öko-Institut. „Transparente und belastbare Annahmen zur Prozesswärme und konkrete Vorgaben etwa zur Nutzung von Biomasse würden die Planungen noch deutlich verbessern.“
Erzeugungsmix der Wärmenetze bleibt häufig offen
Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 91 Prozent steigen, bis 2035 auf 95 Prozent. Der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme in diesen Kommunen soll von derzeit rund 15 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2045 steigen.
Mehr als der Hälfte der Wärmepläne fehlen jedoch Angaben dazu, wie die Wärmeerzeugung für die Wärmenetze künftig erfolgen soll. Wo Angaben vorliegen, kombinieren die Kommunen am häufigsten Wärmepumpen mit biogenen Energieträgern. Lokalspezifische Lösungen ergänzen diesen Mix um industrielle Abwärme und Geothermie.
Insgesamt spielt Wasserstoff in den kommunalen Zielbildern lediglich eine ergänzende Rolle. Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen sehen für 2045 keinen Wasserstoffeinsatz vor. Wo Kommunen Wasserstoff einplanen, sehen sie ihn vor allem für industrielle Anwendungen sowie zur Abdeckung von Spitzenlasten in Wärmenetzen vor. Für die dezentrale Beheizung von Gebäuden taucht er nur in Einzelfällen auf, häufig unter Vorbehalt.
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass es keinen einheitlichen Transformationspfad gibt: Lokale Wärmequellen, bestehende Infrastrukturen, Siedlungsdichte und strategische Entscheidungen bestimmen, welche Lösungen vor Ort geeignet sind.
Sanierungsannahmen beeinflussen die Infrastrukturplanung
Über alle ausgewerteten Wärmepläne hinweg sinkt der angenommene Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen setzen dabei für ihre Gebäude eine jährliche Sanierungsrate voraus, die über dem historischen Vergleichswert von etwa einem Prozent liegt.
Ob und unter welchen Rahmenbedingungen sich diese höheren Sanierungsraten erreichen lassen, bleibt vielfach offen. Die Forschenden empfehlen deshalb, die zentralen Bedarfsannahmen transparent darzustellen und bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe zu berücksichtigen.
Biomasseverbrauch liegt vielerorts über den lokalen Potenzialen
Die erweiterte Auswertung bestätigt Zielkonflikte bei der Nutzung biogener Energieträger. Erstmals berücksichtigten die Forschenden neben dezentralen Heizungen auch die Biomassenutzung in Wärmenetzen, soweit entsprechende Angaben vorlagen. In 63 Prozent der untersuchten Kommunen liegt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger über dem jeweils lokal ausgewiesenen Potenzial.
Aufsummiert über die ausgewerteten Pläne übersteigt der geplante Verbrauch das Potenzial um fast 40 Prozent. Die Kommunen gehen damit teilweise davon aus, Biomasse aus anderen Regionen oder aus dem Ausland beziehen zu können. Treffen viele Wärmepläne gleichzeitig solche Annahmen, können Nutzungskonkurrenzen entstehen.
Hinzu kommt, dass die Wärmepläne unterschiedliche Begriffe und Abgrenzungen für Biomassepotenziale verwenden. Häufig bleibt unklar, welche Reststoffe, Flächen oder Holzsortimente einbezogen und welche Nachhaltigkeitsanforderungen berücksichtigt werden. Für eine belastbare überregionale Planung sind deshalb einheitlichere Definitionen und Kriterien erforderlich.
Prozesswärme bleibt bei der Wärmeplanung unterbelichtet
Für rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen enthalten die Wärmepläne Angaben zum Wärmebedarf für Industrie sowie für Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Dieser Anteil liegt in den betreffenden Kommunen im Durchschnitt bei rund 27 Prozent. In stark industriell geprägten Kommunen kann er mehr als die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs ausmachen.
Trotz dieser Bedeutung unterscheiden die Wärmepläne nur selten zwischen Raumwärme, Warmwasser und industrieller Prozesswärme. Damit lassen sich weder die Höhe und die erforderlichen Temperaturniveaus der Prozesswärme noch ihre künftige Deckung zuverlässig bestimmen. Diese Differenzierung ist insbesondere für die Abschätzung des künftigen Wasserstoffbedarfs relevant.
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