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23. Deutscher Schlauchlinertag

Schlauchlining gilt seit langen Jahren als ein bewährtes Verfahren der Kanalsanierung. Trotz definierter technischer Standards zeigt der Blick in die Praxis jedoch, dass die Ausführungsqualität teilweise immer noch deutlich variiert. Was es braucht, ist eine qualitätsorientierte Analyse der gesamten Wertschöpfungskette. Dies ist ein zentrales Thema des 23. Deutschen Schlauchlinertages, der in diesem Jahr am 16. September in Fulda stattfindet.

von | 20.08.25

Ein hochwertiges Schlauchliner-Endprodukt entsteht nicht im Werk, sondern während des Einzugs auf der Baustelle: Die Gleitfolie und der GFK-Schlauchliner werden für den Einzug positioniert
Foto: ISAS GmbH/Achim Schulz

Schlauchlining ist weit mehr als eine technische Bauleistung. Das Verfahren spielt eine Schlüsselrolle beim Erhalt unterirdischer Infrastrukturen und dient der Sicherung kommunaler Anlagenwerte. Doch wo stehen wir mit dem Verfahren und wie lässt sich Qualität langfristig sichern?

Qualität ist die Summe vieler Faktoren

Ein hochwertiges Schlauchliner-Endprodukt entsteht nicht im Werk, sondern wäh-rend des Einzugs auf der Baustelle. Dies macht eine präzise Planung, fehlerfreie Bauausführung und flächendeckende Dokumentation zur Grundlage eines quali-tätsorientierten Handelns. Kritische Einflussgrößen wie Lagertemperatur, Transport-bedingungen und insbesondere die Härtetemperatur sind dabei strikt einzuhalten, da bereits geringfügige Abweichungen die Integrität des Liners massiv gefährden können.

Aktuelle Untersuchungen aber belegen, dass immer wieder bei einer Vielzahl der untersuchten Liner zentrale Einbauparameter wie Härtungsgeschwindigkeit, Temperaturführung oder Wanddicke vom Handbuch der Hersteller abweichen. Dass mechanische Prüfkennwerte wie der E-Modul dennoch scheinbar unkritisch ausfallen, verschleiert systematische Qualitätsdefizite – mit potenziell gravierenden Folgen für die Lebensdauer und Betriebssicherheit der Netze.

„Eine kritische Phase des Pro-zesses betrifft insbesondere immer wieder die die UV-Härtung von GFK-Linern. Hier ist die Prozesssicherheit stark von der Einhaltung spezifischer Temperaturvorgaben abhängig. Die Steuerung der Anlagen ist hoch komplex und weder Standardnutzer noch Endkunden verstehen deren Funktion vollständig“, weist Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB), auf eine Problematik hin.

Hinzu kommt, dass die Verantwortung für Qualitätssicherung von verschiedenen Akteuren nicht konsequent wahrgenommen wird. Auftraggeber setzen häufig auf das wirtschaftlich günstigste Angebot, ohne technische Mindeststandards verbindlich zu definieren und deren Einhaltung zu überwachen.

„Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung sind zentrale Momente im gesamten Prozess. Bereits in der Projektvorbereitung werden die wichtigsten Weichen gestellt. Dazu gehören eine profiltreue Erfassung der Alt-rohrgeometrie ebenso wie die Festlegung von klaren, überprüfbaren Leistungsan-forderungen“, so Hippe. Genauso entscheidend aber sei die Bauüberwachung. „Diese umfasst mehr als reine Sichtkontrollen. Sie bedeutet unter anderem die Prüfung aller Linerbestellungen und Einbaupläne, die Kontrolle des Reststyrolgehalts, das Monitoring von Einbaugeschwindigkeiten und Temperaturen sowie die Einhaltung der technischen Handbuchvorgaben“, betont Hippe.

Materialprüfungen genau bewerten

Fällt eine Probe im Labor durch – etwa wegen eines unzureichenden E-Moduls, zu hoher Kriechneigung oder erhöhter Reststyrolgehalte – ist das zunächst ein ver-traglicher Mangel. Aber nicht jede Abweichung bedeutet auch ein Versagen in der Gebrauchstauglichkeit. Entscheidend ist die Einzelfallbewertung: Statische Nachrechnung, Materialgutachten oder Kriechtests liefern hier wichtige Entscheidungsgrundlagen. Auch die vielfach angenommene Korrelation zwischen Reststyrolgehalt und mechanischen Kennwerten eines Liners – insbesondere dem E-Modul und der Biegespannung – lässt sich in der Praxis nicht eindeutig bestätigen. Eine Analyse verschiedener Proben zeigt, dass höhere Reststyrolwerte keineswegs systematisch mit schlechteren mechanischen Eigenschaften einhergehen. „Je systematischer die Qualität im Vorfeld gesichert wird, desto seltener braucht es nachträgliche Abwägungen“, betont Hippe die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung aller re-levanten Qualitätsaspekte.

Dokumentation als ein Schlüsselmoment

Risiken und Qualitätseinbußen lassen sich datenbasiert minimieren. Hierfür ist es notwendig, Temperaturverläufe, Lagerbedingungen, Anlagendaten und Profildaten nicht nur zu erfassen, sondern systematisch auszuwerten und abzugleichen. Moderne digitale Werkzeuge ermöglichen dies mit intelligenten Funktionen: vom Import standardisierter Stammdaten (z. B. .xml) über die Anlage von Einbauabschnitten mit Plausibilitätsprüfung, der automatisierten Erfassung und Auswertung von Temperaturwerten bis hin zum Import kompletter Anlagenprotokolle auf Knopfdruck. So werden vorhandene Daten nicht nur gespeichert, sondern nutzbar gemacht. Auch dies zahlt ein auf Qualität und Langlebigkeit und ist ein wichtiger Baustein qualitätsorientierten Handelns.

(Quelle: Tecnische Akademie Hannover e. V.)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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