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37. Oldenburger Rohrleitungsforum: Energiewende im Fokus

Die Dekarbonisierung unseres Energiesystems ist mit einem umfassenden Wandel verbunden. Dies erfordert sowohl eine Anpassung der Rohrinfrastruktur an den Wasserstoff-Transport als auch einen Ausbau der Strom- und Wärmenetze. Welche Herausforderungen die Rohrleitungsbranche dabei aktuell und künftig meistern muss, ist eines der zentralen Themen des Oldenburger Rohrleitungsforums am 6. und 7. Februar 2025.

von | 13.01.25

Regenerative Energie wird dezentral erzeugt und erfordert einen umfassenden Ausbau der Stromnetze
Quelle: pixabay

Ob Strom-, Wärme- oder Verkehrssektor: Die Energieversorgung in Deutschland befindet sich im Prozess einer grundlegenden Transformation. So sollen bis zum Jahr 2030 rund 80 % des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien, also aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft sowie aus Geothermie und Biomasse, gedeckt werden, bis 2035 sogar 100 %. Das Ziel ist ehrgeizig. Zum Vergleich: Laut Angaben des Umwelt Bundesamtes wurden im Jahr 2023 gut 272 TWh (das entspricht 52,5 % des derzeitigen Strombedarfs) aus Erneuerbaren gedeckt.

Ausbau der Übertragungsstromnetze

Eine steigende Anzahl an Elektroautos, strombasierten Heizsystemen wie Luft-Wärmepumpen und elektrifizierte Industrieprozesse lassen den Strombedarf künftig deutlich ansteigen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geht davon aus, dass er bis zum Jahr 2030 von 550 TWh auf bis zu 750 TWh zulegen wird. Damit das deutsche Strom-Übertragungsnetz auch vor dem Hintergrund dieser Prognosen den Anforderungen der Energiewende dauerhaft gerecht wird, muss es umfangreich ausgebaut werden. Die Bundesnetzagentur hat, Stand Juli 2024, rund 2.900 km Hochspannungsleitungen in den Bundesbedarfsplan aufgenommen, die zu großen Teilen mit dem Rhein-Main-Link und NordOstlink gebündelt werden.

Entwicklung der Anteile erneuerbarer Energien – Übersicht der einzelnen Sektoren. Grafik: Umweltbundesamt/ Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik

Insgesamt beläuft sich der Bedarf beim Netzausbau auf rund 16.900 km Hochspannungsleitungen. Dabei kommt im Kontext der Energiewende gerade den Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs- Leitungen (HGÜ) eine besondere Bedeutung zu. Vorwiegend unterirdisch verlegt, können sie große Distanzen verlustarm ohne den Einsatz von Wechselstrom überbrücken. Dies dient in erster Linie dem Anschluss der Offshore-Windparks in der Nordsee, um die mittels Windräder erzeugte und vor Ort nicht benötigte Energie in den windstilleren Süden und industriestarken Westen Deutschlands zu bringen. Nach Angaben des BMWK umfassen die Vorhaben derzeit 5.436 km neue HGÜ-Leitungen, wovon sich 248 km bereits in Betrieb und knapp 1.300 km im Bau befinden.

Damit das neue Stromsystem funktioniert, bedarf es neben einem forcierten Ausbau an Windkraft- und Photovoltaikanlagen auch Speicher, Back-up-Kapazitäten und einer klugen Steuerung, die misst, wann wieviel Strom zur Verfügung steht und gebraucht wird, denn die Menge erneuerbarer Energie ist nicht konstant. Für Phasen, in denen Wind und Sonne nicht ausreichen, um den Strombedarf zu decken, sichern leistungsstarke Kraftwerke die Versorgung ab. Statt Kohle- und Gaskraftwerken werden das in Zukunft vor allem Wasserstoffkraftwerke sein.

Transformation des Wärmesektors

Auch die Dekarbonisierung des Wärmesektors stellt die Rohrleitungsbranche vor Herausforderungen. Je nach Größe ist jede Kommune in Deutschland verpflichtet, bis spätestens 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzunehmen. Neben Wasserstoff, Nah- und Fernwärme sollen dabei zum Beispiel die direkte Nutzung von Tiefengeothermie sowie die Einbindung von Abwärme aus Rechenzentren oder Industrie eine Rolle spielen.

„Die angestrebte Dekarbonisierung zur Begrenzung der Erderwärmung wirkt sich auf diverse Bereiche aus, sei es auf den Ausbau der Fernwärmenetze, die Erstellung der großen Stromtrassen oder auch auf den für die Steuerung der volatilen, regenerativen Energiemengen notwendigen flächendeckenden Ausbau der Glasfaserinfrastruktur. Gleichzeitig müssen vor allem urbane Räume beim Wassermanagement umdenken, um klimaresilient zu werden. All diese Themen stehen auf der Agenda beim 37. Oldenburger Rohrleitungsforum am 6. und 7. Februar 2025“, unterstreicht Mike Böge M. Eng., Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V.

(Quelle: IRO)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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