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38. Oldenburger Rohrleitungsforum: Alte und neue Infrastrukturen

Wenn am 5. und 6. Februar 2026 das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum in den Weser-Ems-Hallen an den Start geht, liegt ein thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung auch auf der Zukunft der Abwasserentsorgung und des Regenwassermanagements. Unter dem Leitmotiv „Alt und Neu – Strategien für Netze von morgen“ diskutieren Fachleute über einen zukunftsfähigen Netzausbau und -erhalt, eine strategische Planung des urbanen Wasser- und Abwassermanagements sowie über den Einsatz digitaler Tools und über Vieles mehr.

von | 16.12.25

Schwammstadt und dezentrales Regenwassermanagement stehen für einen Paradigmenwechsel in der Siedlungsentwässerung
Foto: Animaflora - istockphoto.com

Auch in ihrer 38. Ausgabe bringt die zweitägige Kongressveranstaltung mit begleitender Fachausstellung Fachleute aus Kommunen, Ver- und Entsorgungswirtschaft, Bauunternehmen, Ingenieurbüros sowie Forschung und Lehre zusammen, um sich über die Zukunft der erdverlegten Infrastruktur auszutauschen. Ein zentraler Blick richtet sich dabei auf die Abwasserentsorgung und das Regenwassermanagement. Denn die Netze stehen unter doppeltem Druck: Einerseits sind viele Systeme in die Jahre gekommen, andererseits verschärfen Klimawandel, Urbanisierung und steigende regulatorische Anforderungen die Ansprüche an Leistungsfähigkeit und Resilienz. Das Forum greift diese Herausforderungen in mehreren Themensträngen auf – von der strategischen Netzplanung über die Sanierung bis hin zu KI-gestützter Kanalinspektion.

Regenwasser neu denken

Ein Schwerpunkt des Programms widmet sich dem Umgang mit Niederschlagswasser und urbanen Wasserextremen. Im Fokus stehen Lösungen, die über tradierte zentrale Ableitungskonzepte hinausgehen. Im Kern geht es darum, wie sich Regenwasser so bewirtschaften lässt, dass Kanalnetze entlastet, Überflutungsrisiken minimiert und gleichzeitig städtebauliche Qualitäten gestärkt werden. Beiträge wie „Niederschlagswasser – Problemlösungen auf neuen Wegen“ und „Regenwassermanagement im Bestand – klimaresiliente Städte durch smarte Nachrüstung“ zeigen, wie dezentrale Rückhalte- und Versickerungssysteme, nachrüstbare Maßnahmen in Quartieren und intelligente Steuerung zusammenspielen und verdeutlichen damit das Forums-Motto „Alt und Neu – Strategien für Netze von morgen“ par excellence.

Städtische Kanalnetze: Tradition trifft Innovation

Ein weiterer thematischer Block stellt die Zukunft urbaner Kanalnetze in den Mittelpunkt. Unter Überschriften wie „Tradition trifft Innovation: Zukunftsweisende Strategien für urbane Kanalnetze“ wird deutlich, dass es neben dem Neubau auch um die Weiterentwicklung und Substanzerhaltung bestehender Systeme geht. Strategische Konzepte für die Siedlungsentwässerung und open-source unterstützende Werkzeuge, zum Beispiel GIS-gestützte Tools wie QKan, eine auf QGIS basierende Anwendung zur Datenvor- und -nachbereitung sowie zur Auswertung hydrodynamischer Simulationen, veranschaulichen, wie Kapazitäten, Zustände und Risiken transparent werden. Somit entsteht eine Basis für fundierte Entscheidungen in Technik, Verwaltung und Politik.

Qualität sichern – Substanz erhalten – Nachhaltigkeit fördern

Der Umgang mit dem Sanierungsstau in Abwassernetzen ist ein weiterer roter Faden im Programm. Unter dem Leitgedanken einer zukunftsorientierten Substanzerhaltung von Abwassernetzen werden Bewertungsansätze, Priorisierungsstrategien und Sanierungsprogramme vorgestellt, die den Übergang von reaktiven Feuerwehrstrategien zu einem strategischen Asset-Management markieren.

Große Aufmerksamkeit gilt dabei selbstverständlich auch den grabenlosen Verfahren. „Grabenlose Kanalerneuerung mit Pipe-Eating“, das Keyhole-Verfahren und Strategien für nachhaltiges grabenloses Bauen zeigen, wie Leitungen im laufenden Betrieb erneuert und Netze mit minimalen Eingriffen in den Straßenraum angepasst werden können. Ergänzt wird dies durch Beiträge zu Qualitätsanforderungen an Schlauchliner, zur Rolle der Ingenieurbüros in der Planung grabenloser Maßnahmen und zu Schachtsanierungsstrategien.

Auch ein aus Sicht des Arbeitsschutzes besonders relevantes Thema findet seinen Platz im Tagungsprogramm des 38. Oldenburger Rohrleitungsforums: Der Vortrag „Instandhaltung von Asbestzementrohren: Was gilt, was zählt?“ beleuchtet rechtliche und arbeitsschutzrechtliche Rahmenbedingungen ebenso wie technische Optionen für eine sichere Instandhaltung und Sanierung dieser Altleitungen.
Im Sinne eines ganzheitlich verantwortungsvollen Kanalbaus rückt darüber hinaus das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus: In Oldenburg stehen dazu Beiträge zu Lebenszyklusvergleichen, THG-Bilanzen und Kreislaufwirtschaft auf dem Programm.

Digital, vernetzt und datengetrieben

Mit Blick auf eine leistungsfähige Abwasserentsorgung und ein naturnahes Regenwassermanagement wird die Digitalisierung zu einem umfassenden Querschnittsthema des kommenden Forums. Innovationen in der Kanalinspektion – von High-Speed-Schachtscans mit KI-Auswertung über neue Vermessungsansätze bis hin zur Zukunft der Großprofilinspektion – markieren den Weg zu einer datengetriebenen Instandhaltungsstrategie. Schäden werden automatisiert klassifiziert, Prioritäten transparent, und die Ergebnisse fließen direkt in digitale Netzkataster ein.

Ergänzend dazu verdeutlichen Beiträge zu Ortung, Monitoring und digitalen Methoden im Leitungsbau, wie sich Bau und Betrieb enger verzahnen: Sensorik, georeferenzierte Baudokumentation und GIS-gestützte Anwendungen schaffen die Grundlage für ein „vernetztes Bauen“ und einen laufenden Abgleich zwischen Plan, Bestand und Realität im Untergrund.

„Abwasserentsorgung und Regenwassermanagement sind heute Schlüsselfelder einer zukunftsfähigen Infrastruktur – und genau hier setzt auch das 38. Oldenburger Rohrleitungsforum an“, betont Mike Böge, M. Eng., Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V. „Die Veranstaltung zeigt, wie Alt und Neu zusammenfinden und zusammengehören, vom Umgang mit Niederschlagswasser zu Schwammstadt-Konzepten, von der Kanalsanierung bis hin zu Materialwahl und zur Digitalisierung. Wer wissen will, wohin sich die Netze von morgen entwickeln, sollte in Oldenburg also unbedingt dabei sein.“

(Quelle: IRO/Thomas Martin Kommunikation)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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