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Schlauchlinertag und Reparaturtag – Antworten auf den Fachkräftemangel

Im Rahmen des diesjährigen 23. Deutschen Schlauchlinertages und des 14. Deutschen Reparaturtages am 16. und 17. September in Fulda steht nicht nur die Technik im Mittelpunkt. Es wird auch um organisatorische Lösungen und personelle Kapazitäten gehen, die für einen generationengerechten Erhalt unterirdischer Infrastrukturen notwendig sind. Wie etwa lassen sich Sanierungsaufgaben trotz knapper Ressourcen bewältigen? Und wie können Unternehmen der Branche für Fachkräfte attraktiv und sichtbar werden?

von | 09.09.25

Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB), im Interview.
Foto: VSB

Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB), äußert sich im Interview zu Herausforderungen und Lösungen.

Herr Hippe, warum ist das Thema Fachkräfte aktuell in der Kanalsanierung so drängend?

Michael Hippe: Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind nicht unerheblich. Allein das öffentliche Kanalnetz in Deutschland umfasst rund 600.000 km. DWA-Untersuchungen der letzten Jahre zum Zustand der Kanalisation in Deutschland belegen, dass knapp 20 % davon kurz- bis mittelfristig sanierungsbedürftig sind. Gleichzeitig liegt die jährliche Sanierungsrate laut der letzten Erhebung aus dem Jahr 2020 bei nur etwa 1 %. Der Nachholbedarf ist also groß und erfordert nicht nur eine stabile Fachkräftebasis, sondern auch konsequente Schritte zur Optimierung der Prozesse.

Ohne Fachkräfte geht es nicht: Einbringen eines Liners in einen Abwasserschacht in der Füssener Altstadt. Foto: ISAS GmbH/Simon Toplak

Wie wirkt sich der allgemeine Fachkräftemangel auf die Branche aus?

Michael Hippe: Die Bundesagentur für Arbeit weist mittlerweile über 160 Engpassberufe aus – viele davon im Bau- und Handwerksbereich, also genau in den Segmenten, in denen auch die Kanalsanierung angesiedelt ist. Das bedeutet, dass wir direkt mit anderen Branchen um die gleichen Bewerberinnen und Bewerber konkurrieren. Mehr Infos dazu hier. Umso wichtiger ist es, die Attraktivität der Unternehmen klar herauszustellen und gleichzeitig Ausbildung und Mitarbeiterbindung zu stärken.

Wie lässt sich der steigende Sanierungsbedarf bewältigen, wenn gleichzeitig immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen?

Michael Hippe: Das ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre, die wir auch in den Mittelpunkt unserer Podiumsdiskussion beim 23. Schlauchlinertag gestellt haben. Mehr Kanalsanierung mit weniger Personal kann nur gelingen, wenn wir Prozesse konsequent optimieren und digital unterstützen. Dazu zählen automatisierte Verfahren, digitale Planungs- und Steuerungstools sowie perspektivisch auch eine zunehmende Anwendung von Künstlicher Intelligenz. All das hilft, Abläufe effizienter zu gestalten und Qualität zu sichern. Wichtig aber ist dabei: Technik ersetzt nicht die Fachkräfte, sie entlastet sie und trägt dazu bei, vorhandene Kapazitäten gezielt dort einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Was sind entscheidende Pluspunkte, mit denen die Branche im Wettbewerb um Fachkräfte überzeugen kann?

Michael Hippe: Zwei Punkte stechen nach meiner Einschätzung hervor. Zum einen die hohe Relevanz unserer Arbeit für die Daseinsvorsorge hierzulande, zum anderen der flächendeckende Einsatz moderner Technik. Grabenlose Verfahren wie das Schlauchlining oder robotergestützte Reparaturen sind heute Standard. Sie sorgen für kürzere Bauzeiten, weniger Eingriffe in die Oberfläche und eine planbare Qualität. Das macht unsere Berufsbilder moderner und attraktiver.

Welche Wege sehen Sie, um neue Fachkräfte für die Branche zu gewinnen?

Michael Hippe: Zum einen müssen Unternehmen die Ausbildung systematisch vorbereiten, so z.B. durch Praktika oder Kooperationen mit Schulen. Zum anderen sollte der Quereinstieg stärker gefördert werden, etwa über modulare Schulungen. Und schließlich gibt es internationale Ansätze. Mit der Chancenkarte, die seit Mitte 2024 gilt, können Fachkräfte aus Drittstaaten leichter nach Deutschland kommen. Wichtig ist, dass Betriebe diese Möglichkeit nutzen.

Worauf sollten Unternehmen beim Employer Branding und Recruiting achten?

Michael Hippe: Vor allem auf Klarheit. Bewerberinnen und Bewerber wollen wissen, welche Aufgaben sie konkret erwarten. Welche Ausstattung steht zur Verfügung? Gibt es eine strukturierte Einarbeitung und welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen? Hinzu kommen Faktoren wie Verdienst, Sicherheit und moderne Arbeitsbedingungen. Wenn diese Punkte transparent kommuniziert werden, hat ein Unternehmen gute Chancen, mehr Menschen für sich zu gewinnen. Dies wird u.a.nter anderem Thema eines Vortrags beim 14. Deutschen Reparaturtag sein, der den Titel trägt „Sichtbar und attraktiv – so gestalten Sie Ihre Rekrutierungskanäle“.

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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