Anhand von Vorzeigeprojekten wird sichtbar, welche Entscheidungen sich in Planung und Ausführung bewährt haben und wie aus der Analyse konkreter Schadensbilder belastbare Sanierungslösungen entstehen.
„Der erste Schritt im Prozess einer nachhaltigen Bestandserhaltung eines Kanalnetzes muss immer darin bestehen, aus der individuellen Schadenssituation vor Ort eine fachlich belastbare und wirtschaftlich sinnvolle Sanierungsstrategie abzuleiten“, betont Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB).
„Bei der anschließenden konkreten Objektplanung müssen dann die weiteren Gegebenheiten – unter anderem der Altrohrzustand, die Rohr- und Schachtgeometrie und ggfs. die Schadensursache – sowie zusätzliche Rahmenbedingungen analysiert werden. Darauf aufbauend können in der Folge die notwendigen Sanierungsarbeiten geplant und so beschrieben werden, dass daraus eine klare, ausführbare Leistungsbeschreibung entsteht.“
Leuchtturm-Projekte auf der Agenda

Beim Reparaturtag geht es darum, wie Schäden und betriebliche Einschränkungen gezielt behoben werden können. Ein Beispiel für erfolgreiche Reparaturpraxis ist der Einsatz des Höchstdruck-Wasserstrahlroboters „Bruno“ in einem Durchlass unter einer Bundesstraße im Neckar-Odenwald-Kreis, dessen Querschnitt durch massive Kalkablagerungen um bis zu 50 % reduziert war. Foto: Mauerspecht GmbH
Genau hier setzen der 24. Deutsche Schlauchlinertag und der 15. Deutsche Reparaturtag 2026 an. Beide Veranstaltungen stellen die Frage in den Mittelpunkt, wie Kanalsanierung unter realen technischen und organisatorischen Randbedingungen erfolgreich umgesetzt werden kann. Dabei geht es nicht nur um Verfahren, Regelwerke oder Einzelschäden, sondern um belastbare Beispiele aus der Praxis, die zeigen, welche Faktoren zum Gelingen einer Sanierungsmaßnahme beitragen und wo typische Risiken liegen.
Planung – Auf die Daten kommt es an
Ein wesentlicher Faktor ist die Qualität der Planungsgrundlagen. Kanäle werden unter Bedingungen saniert, die nicht immer lückenlos erfasst und dokumentiert sind. „Bestandspläne, Inspektionsdaten, Schadenskodierungen, Profilmaße oder Baugrundinformationen stammen in der Praxis häufig aus unterschiedlichen Bestandserfassungen. Für die Planung reicht es deshalb nicht aus, vorhandene Informationen lediglich zu übernehmen. Sie müssen auf Vollständigkeit, Aktualität, Plausibilität und fachliche Verwendbarkeit geprüft werden“, erklärt Hippe. Dazu gehören der Abgleich mit dem Lageplan, die Inaugenscheinnahme vor Ort, das Öffnen relevanter Schächte, die Prüfung von Fließwegen, Objektbenennungen, Längenangaben und Schachtlagen sowie die konsequente Sichtung der Befahrungsvideos. Erst dadurch wird erkennbar, ob Schadenskodierungen nachvollziehbar, Stammdaten wie Nennweiten, Werkstoff und Profilform stimmig und vermeintlich schadensfreie Haltungen tatsächlich belastbar dokumentiert sind.
Ziele klar formulieren
Hinzu kommt die vertragliche und organisatorische Seite der Qualität. Wer belastbare Sanierungsplanung will, muss Betreiberziele netzbezogen formulieren und daraus klare Leistungsanforderungen ableiten. Welche Qualität wird erwartet? Welche Grundlagen sind zu prüfen? Welche Planungstiefe ist erforderlich? Und welche Anforderungen gelten für Bauüberwachung, Dokumentation, Kommunikation und technische Entscheidungen? Damit rückt auch das Leistungsverzeichnis in den Fokus. Es bildet die Schnittstelle zwischen technischer Planung und praktischer Ausführung. Fehlende Nebenleistungen, unklare Positionen, widersprüchliche Angaben, veraltete Regelwerksbezüge oder nicht ausreichend beschriebene Randbedingungen können später zu Nachträgen, Bauzeitverlängerungen, Qualitätsrisiken und Diskussionen über die geschuldete Leistung führen. „Ein belastbares Leistungsverzeichnis macht die Sanierungsentscheidung ausführbar, vergleichbar und überprüfbar“, so Hippe.
Richtiges Handeln in der Praxis
Welche Voraussetzungen müssen dann aber erfüllt sein, damit auf die Planung eine fachgerechte Bauausführung folgt? Für den Schlauchlinereinbau gilt es, Altrohrzustand, Profilmaß, Ovalität, Anschlüsse, Hindernisse, Wasserhaltung, Materialkennwerte und Härtungsprozess gemeinsam zu betrachten. Ein überzeugendes Resultat entsteht erst, wenn der Liner verfahrensgerecht eingebaut, kontrolliert ausgehärtet, fachgerecht nachbearbeitet und vollständig dokumentiert wird. Bei Reparaturverfahren liegt der Schwerpunkt stärker auf dem konkreten Einzelschaden. Schadensbild, Untergrund, Feuchtigkeit, Anschlussgeometrie, Wasseranfall und Erreichbarkeit müssen eindeutig bewertet werden, damit Kurzliner, Hutprofile, Injektionen, Manschetten, Roboterarbeiten oder Schachtsanierungen dauerhaft wirksam ausgeführt werden können. In beiden Bereichen gilt: Ein langfristig tragfähiges Sanierungsergebnis entsteht nur, wenn qualifiziertes Personal, saubere Vorarbeiten, klare Bauabläufe, Eigen- und Fremdüberwachung, sichere Arbeitsbedingungen und eine nachvollziehbare Dokumentation zusammenwirken. Werden Abweichungen vom geplanten Zustand früh erkannt, fachlich bewertet und abgestimmt, lassen sich technische Risiken reduzieren und Sanierungsmaßnahmen belastbar umsetzen. Hierfür aber bedarf es einer gleichberechtigten Kommunikation auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten. Viele Probleme entstehen, weil Informationen nicht rechtzeitig bei den relevanten Akteuren ankommen. Gesicherte Erkenntnisse, offene Punkte und Annahmen müssen zwischen Auftraggeber, Planung, Bauüberwachung und Ausführung früh benannt und weitergegeben werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft, eine Maßnahme zu unterbrechen oder anzupassen, wenn die Voraussetzungen für eine mangelfreie Ausführung nicht gegeben sind.
Die wesentlichen Prozesse im Blick
„Der 24. Deutsche Schlauchlinertag und der 15. Deutsche Reparaturtag werden die wesentlichen Schritte einer erfolgreichen Kanalsanierung abbilden: Welche Grundlagen sind für gute Planungs- und Ausführungsentscheidungen notwendig? Welche technischen Details sind in der Ausführung kritisch? Hinzu kommen Projekte, die zeigen, wie erfolgreiche Kanalsanierung unter realen Randbedingungen funktioniert“, fasst Dr.-Ing. Igor Borovsky, Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. (TAH) und Geschäftsführer des VSB, den inhaltlichen Fokus des Veranstaltungsduos zusammen.
Die Kombination aus erfolgreichen Praxisbeispielen, einer begleitenden Fachausstellung und geführten Außenvorführungen geben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur einen aktuellen Branchenüberblick, sondern vor allem fachliche Anregungen zu der Frage, wie aus der Bewertung von Schadensbildern belastbare Lösungen werden.
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