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31. Tagung Leitungsbau: Das waren die Themen

„Innovationen, Entbürokratisierung, KI und ein analytischer Blick auf die Arbeitswelt von heute und morgen“ – so lautet Bilanz zur 31. Tagung Leitungsbau, die am 21. und 22. Januar 2025 in Berlin stattfand. RBV-Präsident Dr. Ralph Donath plädierte unter anderem für weniger staatliche Regulierung und forderte „mehr Vertrauen in die kreative Kraft des Unternehmertums“. Zur Jahresauftaktveranstaltung des Tief- und Leitungsbaus begrüßten der RBV und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB) rund 200 Teilnehmende.

von | 05.02.25

Die große Themenvielfalt stieß bei den rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der 31. Tagung Leitungsbau auf großes Interesse
Foto: RBV

RBV-Präsident Dr. Ralph Donath während seines Vortrags

„Eine erfolgreiche Umsetzung der Wärme-, Energie und Verkehrswende wird nicht staatlich reguliert „top-down“ funktionieren, sondern sie muss unter Bezugnahme auf die sachverständige Expertise des Leitungsbaus „bottom-up“ vorangetrieben werden“, betonte Donath.

Nach einer Phase wirtschaftlicher Stagnation und sinkender Investitionen müsse die Blockade überwunden werden. Ein wesentlicher Schritt bestehe in der Reduzierung überflüssiger Bürokratie, die jährlich Kosten von 150 Mrd. Euro verursache und damit Wirtschaftswachstum verhindere. Donath hob hervor, dass für mehr Effizienz auch die Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz erforderlich seien. Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl betonte er, dass nun Veränderungen eingeleitet und Prozesse optimiert werden müssten, um die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft sicherzustellen.

RBV-Hauptgeschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann am Rednerpult

„Das Engagement hat sich gelohnt“

„Selbstverständlich wird die neue Bundesregierung die für unsere Gesellschaft und für unsere Branche relevanten Weichen für die Nutzung von KI, Digitalisierung insgesamt und die Transformation unserer Arbeitswelt neu justieren“, so RBV-Hauptgeschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann in seiner Anmoderation der Tagung.

Vor der Wahl betonten alle großen Parteien die Bedeutung von Entbürokratisierung, Digitalisierung und KI. Themen wie Netzausbau und Fachkräftegewinnung würden ebenfalls aufgegriffen. Die Entstehung von Begriffen wie „technologieoffen“ und „grüne Gase“ seien ein Erfolg der Lobbyarbeit. Hesselmann dankte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller für die enge Zusammenarbeit, durch die wichtige Themen der Baubranche politisch platziert wurden.

HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller bei seinem Impulsvortrag

„Dur statt Moll“

Die Wahl bringe grundlegende Richtungsentscheidungen, betonte Müller. Die Bauindustrie müsse klare Forderungen formulieren und praxisorientierte Lösungen liefern. Statt Subventionen seien Investitionen für generationengerechtes Bauen erforderlich. Der Abbau von Bürokratie und gezielte Fachkräftegewinnung seien essenziell. Digitalisierung und KI würden Effizienz steigern, die Branche müsse jedoch aktiv Paradigmenwechsel gestalten. Trotz Unsicherheiten sei eine konstruktive Haltung wichtig, da Wirtschaft und Verbände Einfluss auf die politischen Entscheidungen hätten.

„Ein starker Konjunkturmotor“

Die Bauwirtschaft stelle 12 % des BIP und sei ein zentraler Konjunkturmotor, so Müller weiter. Aktuell wirke sich die Krise im Wohnungsbau negativ aus. Verbände forderten daher eine Wirtschaftspolitik, die auch den Binnenmarkt stärke. Der Leitungsbau trage mit hoher Effizienz zur Energie-, Wärme- und Verkehrswende bei und mache Deutschland attraktiver.

„KI macht den Unterschied“

Prof. Dr. Sahin Albayrak prognostizierte gravierende Veränderungen durch KI. Sie könne Entwicklungen vorhersagen, medizinische Diagnosen präzisieren und Baugeräte fernsteuern. Lea Scherer (Kuro Technology) und Ralf Pfefferkorn (Sodex Innovations) zeigten konkrete Anwendungsbeispiele. Scherer berichtete, dass 20 % der Bauprojekte mangels Ressourcen nicht mehr kalkuliert werden könnten. Ihr KI-System zur Baukalkulation spare bis zu 80 % Zeit und reduziere den Fachkräftemangel.

„Moderne Maschinentechnik – smart und vielseitig“

Pfefferkorn erklärte, moderne Baumaschinen könnten dank Sensortechnologie und Software Arbeitsprozesse optimieren. Automatisierte Vermessung, digitale 3D-Modelle und effiziente Datenverarbeitung böten besonders im Leitungsbau große Vorteile.

Prof. Stefan Leupertz, Geschäftsführer der 3D2L GmbH (r.)

„Der Goldstandard des Projektmanagements“

Prof. Stefan Leupertz betonte, dass Effizienzsteigerungen durch optimierte Prozesse möglich seien. Kooperative Vertragsmodelle mit Transparenz, klaren Verantwortlichkeiten und Risikomanagement seien entscheidend. Die Integrierte Projektabwicklung (IPA) gelte als „Goldstandard“, da sie Budget und Entscheidungen gemeinschaftlich abstimme.

„Bürokratie – weniger ist mehr!“

Prof. Dr. Jürgen Stember kritisierte die ausufernde Bürokratie. Zwar stelle sie eine sinnvolle Ordnungsstruktur dar, dürfe aber Effizienz und Innovation nicht behindern. Hauptprobleme seien zu viele Regelungen, mangelnde Akzeptanz, fehlende Digitalisierung und Fachkräfte. Bessere Verwaltung, Digitalisierung und ein kultureller Wandel seien erforderlich.

„Tarifliches – Rückblick und Ausblick“

RA Stefan Brettschneider bewertete den Tarifabschluss vom 14. Juni 2024 als anspruchsvoll, aber positiv für die Attraktivität der Branche. Fortschritte gab es bei Ost-West-Angleichung und Ausbildungsvergütungen. Künftige Gespräche befassen sich mit Ausbildungstarifregelungen, Rentenangleichung und Wegezeitentschädigung.

„Unterschiede verstehen und nutzen“

Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt erklärte die Werte unterschiedlicher Generationen. Generation Z sei technikaffin, multitaskingfähig und lege Wert auf Sinnhaftigkeit und Work-Life-Separation. Unternehmen sollten diesen Bedürfnissen mit Vorbildfunktion, Fehlerkultur und Active Sourcing begegnen.

Das Tagungsprogramm sorgte wieder für ein reges Diskussionsgeschehen

„Am ‚Vorabend‘ der Wahl“

Die Tagung Leitungsbau befasste sich auch in diesem Jahr mit zentralen Zukunftsfragen wie dem Einfluss von KI auf Lebens- und Arbeitswelten, gesellschaftlichen Veränderungen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Hesselmann betonte, dass die Bundestagswahl 2025 entscheidend für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sei und sowohl den gesellschaftlichen Zusammenhalt als auch Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit und das Vertrauen in die Demokratie auf die Probe stelle.

Donath hob hervor, dass die Energiewende eine der größten Herausforderungen bleibe, mit Investitionskosten zwischen 2 und 6 Bio. Euro. Der Leitungsbau könne dabei eine Schlüsselrolle anspielen, indem er mit Auftraggebern maßgeschneiderte Lösungen für die Industrie entwickle. Er rief die Teilnehmer dazu auf, sich aktiv in die wirtschaftliche Transformation einzubringen, und lud sie zur 75-Jahr-Feier des Rohrleitungsbauverbandes im Mai ein.

(Quelle und alle Fotos: Rohrleitungsbauverband e.V.)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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