Generic filters
FS Logoi

BDEW äußert sich zur Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums

„Die Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums enthält viele wichtige Ansätze, um die Wasserqualität zu schützen und die Trinkwasserversorgung trotz der Folgen des Klimawandels langfristig in der gewohnt hohen Qualität sicherzustellen. Entscheidend ist, dass nun schnell aus den Plänen konkrete Maßnahmen werden, die in der Praxis umgesetzt werden.

von | 12.06.21

Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat am 8. Juni die „Nationale Wasserstrategie“ vorgestellt. Hierzu erklärt Martin Weyand, BDEW
Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser:

„Die Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums enthält viele wichtige Ansätze, um die Wasserqualität zu schützen und die Trinkwasserversorgung trotz der Folgen des Klimawandels langfristig in der gewohnt hohen Qualität sicherzustellen. Entscheidend ist, dass nun schnell aus den Plänen konkrete Maßnahmen werden, die in der Praxis umgesetzt werden.

Mit Blick auf die Folgen des Klimawandels ist es dringend erforderlich, der öffentlichen Trinkwasserversorgung einen Vorrang bei der Trinkwassernutzung einzuräumen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser für den menschlichen Gebrauch muss bei der Nutzung von Trinkwasserressourcen immer an erster Stelle stehen. Sie ist Teil der Daseinsvorsorge. Dieser Vorrang muss im Vollzug und bei der Ausgestaltung sowie Genehmigung der Wassernutzungsrechte konsequent umgesetzt werden.

Um die Versorgungssicherheit auch in Dürreperioden zu gewährleisten, sollten Bund und Länder zudem mehr Möglichkeiten der Kooperation und der interkommunalen Zusammenarbeit in der Wasserwirtschaft schaffen und zulassen, Investitionen in die Infrastruktur vereinfachen und wassersparende Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft fördern. Wir begrüßen, dass das von uns vorgeschlagene Pilotprojekt zu smarten Wassertarifen endlich kommen soll. Mit Blick auf Starkregenereignisse gilt es, wasserwirtschaftliche Belange bei der städtebaulichen Entwicklung stärker zu berücksichtigen.

Damit die Wasserversorgung auch in Zukunft gesichert bleibt, muss investiert werden: So wie die öffentliche Hand Milliarden für schnelles Internet ausgibt, brauchen wir vor dem Hintergrund des Klimawandels auch mehr Investitionen in Wasserinfrastruktur wie, z.B. neue Leitungssysteme, Ausbzw. Neubau von Talsperren, Ausweisung von Wasserschutzgebieten, Wasserwerke und Rückhaltebecken. Und, ganz wichtig: mehr Personal in den Wasserwirtschaftsbehörden. Hier wurden viele Stellen abgebaut.

Sollten in bestimmten Regionen künftig Fernwasserleitungen erforderlich sein, muss allen klar sein: Leitungen beispielsweise mit einer Länge von über 100 Kilometern baut man nicht in ein, zwei Jahren. Das ist mit den jetzigen Genehmigungsverfahren und Abläufen völlig illusorisch. So etwas dauert heute 15-20 Jahre. Wir brauchen deshalb ein Investitionsbeschleunigungsgesetz für die Wasserwirtschaft.

Auch Einträge von für die Gewässer problematischen Stoffen, wie zum Beispiel Arzneimittel, Mikroplastik oder Pestizide, stellen die Wasserwirtschaft zunehmend vor Herausforderungen. Das Verursacherprinzip muss deutlich gestärkt werden: Es ist erforderlich, diese Spurenstoffe bereits an der Quelle zu minimieren. Anreize hierzu würde ein herstellerbezogenes Modell zur Finanzierung von Anlagen zur Abwasserreinigung schaffen. Die jetzige Abwasserabgabe ist kein Instrument zur Umsetzung der Herstellerverantwortung und bedeutet eine Lizenz zur Verschmutzung.

Auch in Hinblick auf die Nitratverschmutzung des Grundwassers hat die Bundesregierung schon viel zu viel Zeit verloren. Leider entsprechen auch die aktuellen Änderungen des Düngerechts nicht den EU-Vorgaben. Für die Entscheidung, ob Gebiete als nitratbelastet ausgewiesen werden, sollen nicht mehr die tatsächlich gemessenen Grenzwertüberschreitungen der Nitratbelastung ausschlaggebend sein, sondern die Ergebnisse einer Modell-Betrachtung. Damit droht ein künstliches ‚Wegrechnen‘ der tatsächlichen Grenzwertüberschreitungen. Um die Nitrateinträge effektiv zu reduzieren und den drohenden Strafzahlungen an die EU-Kommission zu entgehen, brauchen wir endlich eine vollumfängliche Anpassung der Düngeverordnung an die europäischen Vorgaben und eine Transparenz über die Düngedaten.

Auch die nächste Bundesregierung ist gefordert, aufbauend auf der heute vorgestellten „Nationalen Wasserstrategie“ des Bundesumweltministeriums, sich verstärkt für den Gewässerschutz einzusetzen und die Wasserwirtschaft darin zu unterstützen, die Folgen des Klimawandels abzufedern.“

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich
Reservierte Kapazitäten im Wasserstoff-Kernnetz verdoppeln sich

Die Wasserstoff-Kernnetzbetreiber haben ihr drittes Marktinformationspaket veröffentlicht. Darin haben sie zum Stichtag 23. Juli in den Angebotszonen des Kernnetzes Ein- und Ausspeisekapazitäten von knapp 6 GW zahlungspflichtig reserviert. Das entspricht einer Verdopplung gegenüber der letzten Veröffentlichung vom 13. Mai. Für den Clusterübergangstransport sind zusätzlich 0,6 GW vertraglich gesichert, weitere 0,5 GW befinden sich in Prüfung. Ein mehrstufiger Übernachfrageprozess hat alle Anfragen bedient, die das ursprüngliche Kapazitätsangebot überstiegen haben.

mehr lesen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen
Anhaltende Trockenheit lässt Wasserkraftzuflüsse in den Alpen einbrechen

Die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken im Alpenraum sind im Juli auf einen historischen Tiefstand gesunken. Das hat eine Analyse des Energieinformationsanbieters Montel ergeben. Ursache ist die anhaltende Trockenperiode in Österreich und der Schweiz, die auch die Wasserkraftproduktion in Deutschland und Frankreich gedrückt hat. Mit einer Erholung rechnen Fachleute frühestens im September.

mehr lesen
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl
Leitungsnetz transportiert ersten Wasserstoff von Lingen zum Chemiepark Marl

Über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz ist nun erstmals Wasserstoff aus der RWE-Elektrolyseanlage in Lingen zum Chemiepark in Marl geflossen. Die Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE haben die Leitungen gemeinsam mit der Evonik-Tochter SYNEQT für den Transport bereitgestellt. Damit hat einer der ersten fertiggestellten Abschnitte des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes den Betrieb aufgenommen.

mehr lesen
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper
Talsperrenbetreiber reduziert Wasserabgabe an die Wupper

Der Wupperverband hat die Wasserabgabe aus der Wupper-Talsperre reduziert. Am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal fließen ab sofort rund 3.000 Liter Wasser pro Sekunde statt bisher 3.500 Liter. Grund für die Anpassung ist die anhaltende Trockenheit im Wuppergebiet im Wasserwirtschaftsjahr 2026.

mehr lesen
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung
Digitale FachTalks vernetzen Praxis und Wissenschaft der Leitungssanierung

Der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) hat mit den BGT-FachTalks ein digitales Veranstaltungsformat etabliert, das Netzbetreiber, Kommunen, Ingenieurbüros, Hersteller und ausführende Unternehmen zu aktuellen Branchenthemen zusammenbringt. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere kostenfreie Online-Veranstaltungen zu Künstlicher Intelligenz in der Kanalinspektion, zur neuen EU-Trinkwasser-Richtlinie und zu technischen Regelwerken stattgefunden. Der Verband hat damit auf den wachsenden Bedarf an schnellem, praxisnahem Wissenstransfer in der Branche reagiert.

mehr lesen

Publikationen zum Thema