Generic filters
FS Logoi

BNetzA-Entwurf zur Kapitalverzinsung der Gasnetze stößt auf Widerstand

Mehrere Branchenverbände haben den Entwurf der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur künftigen Kapitalverzinsung der Gasnetze kritisiert. Der FNB Gas e.V. hat eine Anpassung des Zinssatzes von 3,76 Prozent auf 5,51 Prozent gefordert. Grund dafür seien mehrere Umsetzungsfehler in der Methodenfestlegung der BNetzA, die ein finanzwissenschaftliches Gutachten aufdeckt. Der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. und der VKU - Verband kommunaler Unternehmen e.V. haben in einer gemeinsamen Stellungnahme ähnliche Verbesserungen verlangt. Der Entwurf sei wirtschaftlich und methodisch unzureichend und gefährde die Transformation der Netze hin zur Klimaneutralität, teilen die Verbände mit. Zusätzlich schlagen sie eine Verschiebung der Festlegung auf Anfang 2027 vor.

von | 15.09.26

40.000 Kilometer Gasnetz: Fernleitungsnetzbetreiber fordern höhere Kapitalverzinsung von der Bundesnetzagentur.
© FNB Gas e.V.
BNetzA-Entwurf zur Kapitalverzinsung der Gasnetz stößt auf Widerstand: Gasnetzbetreiber fordern höhere Verzinsung für Milliardeninvestitionen

Die BNetzA hat einen Entwurf zur künftigen Kapitalverzinsung der deutschen Gasnetze vorgelegt. Der Entwurf legt den Kapitalverzinsungssatz (WACC) für die fünfte Regulierungsperiode fest. Der WACC bestimmt, welche Rendite Netzbetreiber auf ihr eingesetztes Kapital erzielen dürfen, und fließt damit in die Berechnung der Netzentgelte ein. Die Bundesnetzagentur schlägt einen Gesamtkapitalverzinsungssatz von 3,76 Prozent vor. Dieser setzt sich aus einem Eigenkapitalzins von 5,76 Prozent und einem Fremdkapitalzins von 2,43 Prozent zusammen. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultation.

Die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber stehen in den kommenden Jahren vor außergewöhnlichen Herausforderungen und neuen Aufgaben, teilte FNB Gas mit. Sie sollen die Versorgungssicherheit auch bei niedrigen Füllständen der Gasspeicher im Winter weiterhin gewährleisten. Zudem übernehmen sie eine wichtige Rolle beim Anschluss neuer Gaskraftwerkskapazitäten, die die Bundesregierung im Strommarkt vorgesehen hat. Mit dem Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes, leisten die Netzbetreiber laut eigenen Angaben zudem einen Beitrag zur Transformation des Energiesystems. Außerdem stellen die geopolitische Lage und Sabotageakte laut FNB Gas zunehmende Anforderungen an die Sicherheit der Infrastruktur. Die Finanzierung der genannten Aufgaben soll laut dem Verband über privates statt öffentliches Kapital erfolgen, dessen Vergütung derzeit im Rahmen des Festlegungsverfahrens für den Kapitalverzinsungssatz verhandelt wird.

Gutachten deckt Umsetzungsfehler der Bundesnetzagentur auf

Den dafür vorgeschlagenen Zinssatz hält der FNB Gas für nicht ausreichend: Er decke die tatsächlichen Finanzierungskosten nicht. Grund dafür seien mehrere Umsetzungsfehler in der Methodenfestlegung der Bundesnetzagentur, die ein finanzwissenschaftliches Gutachten nachweise. Die Bundesnetzagentur gefährde damit Investitionen in die Gasinfrastruktur. Wendet man die von der Bundesnetzagentur vorgegebene Methodik korrekt an, ergebe sich laut Gutachten ein Satz von 4,79 Prozent. Unter zusätzlicher Berücksichtigung aktueller Kapitalmarktdaten steige der Wert auf 5,51 Prozent.

Über den Erdgasbereich hinaus gefährde der Entwurf zudem das Vertrauen der Investoren in das deutsche Regulierungssystem, das eine gesetzlich verankerte Verzinsung des eingesetzten Kapitals dauerhaft in „angemessener, wettbewerbsfähiger und risikoangepasster Höhe“ gewähren solle.

BDEW und VKU verweisen auf internationalen Vergleich

Die im Entwurf vorgesehenen Zinssätze seien international nicht wettbewerbsfähig, kritisieren BDEW und VKU. Die pauschale Gesamtkapitalverzinsung liege rund 1,5 Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt. Der vorgesehene Eigenkapitalzins von 5,76 Prozent falle deutlich niedriger aus als erwartet. Investoren erwarteten laut einer Investorenbefragung des BDEW mindestens 8 Prozent.

Der vorgesehene Fremdkapitalzins liege außerdem rund einen Prozentpunkt unter den derzeitigen Refinanzierungsbedingungen bestehender Kredite und Darlehen und damit auch unter der Verzinsung von Bundesanleihen. Günstige Finanzierungsbedingungen aus einer vergangenen Niedrigzinsphase befreiten nicht von der Pflicht, die tatsächlichen Refinanzierungskosten regulatorisch abzubilden, so die Verbände.

„Die Bundesnetzagentur muss die tatsächlichen Finanzierungskosten der Netzbetreiber angemessen berücksichtigen“, erklärte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Ein Fremdkapitalzins von 2,43 Prozent habe mit der Finanzierungsrealität der Netzbetreiber wenig zu tun.

Verbände legen vier Verbesserungsvorschläge vor

„Die Vorschläge der Bundesnetzagentur bergen die große Gefahr verminderter Investitionen“, erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

Deshalb haben der BDEW und der VKU in ihrer Stellungnahme vier zentrale Forderungen genannt, um dies zu verhindern:

  1. die Kapitalverzinsung für marktgerechte Rahmenbedingungen anzuheben
  2. die Zinssätze nachvollziehbar zu ermitteln und zu begründen
  3. den Wagniszuschlag der herausfordernden Situation der Gasnetzbetreiber anzupassen
  4. den Fremdkapitalzins an die aktuelle Lage anzupassen und die Festlegung dafür erst Anfang 2027 vorzunehmen.

Verbände kritisieren unterschiedliche Zeitpunkte der Zinsfestlegung

FNB Gas kritisiert zudem eine unterschiedliche Behandlung von Gas- und Stromnetzbetreibern. Die Bundesnetzagentur legt die Zinssätze für beide Bereiche in unterschiedlichen Kalenderjahren fest. Dadurch fließen unterschiedliche Kapitalmarktdaten in die Berechnung ein.

Angesichts der Zinsentwicklung der vergangenen Jahre führe dies laut FNB Gas zu einer Benachteiligung der Gasnetzbetreiber. Der Verband fordert, den Festlegungszeitpunkt für die Gasnetze so zu wählen, dass die Kapitalmarktentwicklung des vollständigen Jahres 2026 einfließt, entsprechend dem Verfahren im Strombereich.

 

(Quelle: FNB Gas/ BDEW/ VKU /2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Referentenentwurf zum Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge
Referentenentwurf zum Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge

Das BMWE hat am 13. Oktober den Referentenentwurf für ein Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge in die Verbändekonsultation gegeben. Nach einem ersten Branchengespräch im Juli liegt damit erstmals ein konkreter gesetzlicher Rahmen für die geplante strategische Gasreserve vor. Stellungnahmen können bis Montag, den 19. Oktober 2026, um 12:00 Uhr eingereicht werden.

mehr lesen
HEATEXPO: Lösungen für Wärme, Kälte und Infrastruktur
HEATEXPO: Lösungen für Wärme, Kälte und Infrastruktur

Die Transformation der Wärme- und Kälteversorgung stellt unterschiedliche Anforderungen an Technik, Infrastruktur, Planung und Betrieb. Die HEATEXPO vom 24. bis 26. November bildet diese Bandbreite 2026 auch in ihrem Ausstellerportfolio ab: Junge Unternehmen mit spezialisierten Lösungen treffen auf etablierte Anbieter, die Technologien und Dienstleistungen für größere Gebäude-, Versorgungs- und Industrieprojekte einbringen.

mehr lesen
Fraunhofer ISE optimiert Wärmepumpen für Industrieprozesse und Wärmenetze
Fraunhofer ISE optimiert Wärmepumpen für Industrieprozesse und Wärmenetze

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben in einem neuen Teststand für Hochtemperaturwärmepumpen die Bereitstellung von Prozessdampf bis zu 160 °C sowie von Druckheißwasser detailliert analysiert. Zudem wurden bei einem Monitoring von fünf Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen Erkenntnisse zu Auslegung und Betriebsführung aus dem realen Anlagenbetrieb gewonnen.

mehr lesen
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau

Wie lassen sich Fern- und Nahwärmenetze unter hohem Zeit- und Kostendruck effizient realisieren? Dieser Frage widmet sich das Live-Webinar von BGS am 12. November 2026 um 11 Uhr. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Muffensysteme und ihr Einfluss auf Montageaufwand, Baustellenablauf und Wirtschaftlichkeit.

mehr lesen

Publikationen zum Thema