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KRV: „Es ist Zeit, dass sich die Politik ehrlich macht“

Erdkabel versus Freileitungen: Ein Kommentar des KRV Kunststoffrohrverbands e.V. von Dr. Johannes Lis als scheidendem Geschäftsführer und Christoph Hermes als künftigem Geschäftsführer des KRV Kunststoffrohrverband e.V.

von | 09.09.26

V.l.n.r.: KRV-Vorstand Dr. Johannes Lis, Mario Frieben und Christoph Hermes
© KRV
KRV: „Es ist Zeit, dass sich die Politik ehrlich macht“

Der Bundestag entscheidet mit der Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes nicht über eine technische Detailfrage. Er entscheidet darüber, ob der Netzausbau schneller, verlässlicher und gesellschaftlich akzeptiert gelingt. Der Vorschlag von Frau Reiche greift aus unserer Sicht zu kurz: Nicht die niedrigsten Baukosten entscheiden über den Erfolg der Energiewende, sondern die Fähigkeit, Stromnetze schnell zu realisieren.

Ja, Freileitungen sind bei den reinen Investitionskosten günstiger. Aber Infrastruktur wird nicht nach Baukosten bewertet, sondern nach ihrer Gesamtwirtschaftlichkeit. Entscheidend sind Planung und Genehmigung, Bau und Betrieb, Netzverluste, Redispatch, Rechtsverfahren und vor allem der Faktor Zeit. Erdkabel in Kunststoffrohrsystemen sind deshalb nicht die teurere Alternative zur Freileitung. Sie sind in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung, wenn Planungssicherheit, Umsetzungsgeschwindigkeit und die tatsächlichen Systemkosten konsequent mitbewertet werden.

Was ein Kurswechsel kostet

Hinzu kommt: Eine Umplanung des SuedWestLinks kann das Projekt um vier bis sieben Jahre zurückwerfen. Der Koalitionsvertrag hatte noch vorgesehen, besonders belastete Regionen zu schützen. Hier hat die Anhörung im Bundestag gezeigt: Eine „Nähmaschine“ (ein ständiger Wechsel zwischen Freileitung und Erdkabel) macht die Vorhaben noch teurer und unsicherer. Es ist Zeit, dass sich die Politiker ehrlich machen: Hybridtrassen sind keine Lösung. Und das heißt: Jeder, der jetzt den Freileitungsvorrang einfordert, der muss das auch ehrlich den Menschen entlang des Gleichstromprojektes DC42 sagen: Hier soll eine Freileitung entstehen, 80 Meter hohe Masten, in Niedersachsen, Hessen, in Baden-Württemberg.

Gesellschaftliche Akzeptanz ist aber kein weicher Faktor, sondern eine harte Realisierungsvoraussetzung. Infrastruktur entsteht vor Ort. Dort entscheidet sich, ob Projekte zügig umgesetzt oder über Jahre, auch juristisch, blockiert werden. Erdkabel stoßen auf eine deutlich höhere Zustimmung und schaffen damit die Grundlage für schnellere Genehmigungen und eine verlässlichere Umsetzung.

Erdkabel als Antwort auf neue Bedrohungslagen

Hinzu kommt die sicherheitspolitische Dimension. Kritische Energieinfrastruktur muss heute nicht nur leistungsfähig, sondern auch resilient sein. Moderne Erdkabel in Kunststoffrohrsystemen sind gegenüber Extremwetter und Sabotage deutlich weniger exponiert und ermöglichen durch digitale Überwachungssysteme ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Alles, was offen zutage liegt, ist angreifbar.

Als Kunststoffrohrverband wissen wir: Infrastruktur gehört unter die Erde: sicher, resilient und akzeptiert. Nicht zuletzt geht es in der Debatte auch um Vertrauen in politische Entscheidungen. Der gesetzliche Erdkabelvorrang hat erhebliche Investitionen ausgelöst. Hersteller von Kabeln und Kunststoffrohrsystemen, Bauunternehmen und der Leitungstiefbau haben Produktionskapazitäten erweitert, Maschinen angeschafft und Fachkräfte aufgebaut. Diese Investitionen wurden im Vertrauen auf stabile politische Rahmenbedingungen getätigt.

Ein nachträglicher Kurswechsel würde nicht nur laufende Projekte gefährden, sondern auch die Verlässlichkeit staatlicher Transformationspolitik infrage stellen. Wer den Netzausbau beschleunigen will, muss Gesamtkosten statt Baukosten bewerten. Erdkabel sind kein Selbstzweck und keine Luxuslösung. Sie sind dort, wo sie geplant sind, häufig die wirtschaftlichere, resilientere und gesellschaftlich tragfähigere Lösung. Wer funktionierende Planungen wieder infrage stellt, spart nicht. Er riskiert Zeitverlust, steigende Systemkosten und einen Vertrauensverlust in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen. Die Energiewende braucht keine Richtungswechsel. Sie braucht Planungssicherheit, konsequentes Handeln und den Mut, einmal getroffene Entscheidungen verlässlich umzusetzen.

 

(Quelle: KRV/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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