Die Jury des Innovationspreises Neue Gase hat die Nominierten bekanntgegeben. Für die Auswahl bewertete die Jury unter anderem die Klimawirkung und den Systemnutzen der Projekte. Zusätzlich flossen Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und die Umsetzbarkeit in die Entscheidung ein.
Der Jury gehören vier externe Mitglieder an: Prof. Dr.-Ing. Albert Moser vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen als Vorsitzender, Sylwia Bialek-Gregory vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln, Klaus Ulrich Hachmeier von Copenhagen Infrastructure Partners und Felix Müsgens von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Die drei Trägerverbände sind durch Ilka Gitzbrecht (BDEW), Frank Gröschl (DVGW) und John Werner (Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft) vertreten.
Drohnen und Sensoren für die Leitungsprüfung nominiert
In der Kategorie Transport und Infrastruktur sind drei Projekte nominiert. Ein Verfahren von Empit und Ontras Gastransport erfasst mit drohnengestützter Magnetometrie Lage, Tiefe, Geometrie und Anomalien erdverlegter Gasleitungen von der Oberfläche aus. Bei einer Ferngasleitung von Ontras senkte das Verfahren die Zahl notwendiger Aufgrabungen von rund 300 auf 33 und bereitete die Bestandsleitung auf die Umstellung auf Wasserstoff vor.
Archigas hat kompakte Gasanalysatoren zur Wasserstoffmessung entwickelt. Die Sensoren bestimmen den Wasserstoffanteil direkt und kontinuierlich im laufenden Prozess. Sie reagieren innerhalb von 30 Millisekunden, erfassen Konzentrationen von kleinsten Spuren bis zu reinem Wasserstoff und sind für hohe Drücke ausgelegt. Probenahmen und externe Gasaufbereitung entfallen dadurch.
Im Projekt HyStorage untersucht Uniper Energy Storage am Speicherstandort Bierwang, ob sich Wasserstoff langfristig in porösen Gesteinsformationen speichern lässt. Das Forschungsprojekt arbeitet mit realen Messdaten und zeigt, wie unterschiedliche Wasserstoffkonzentrationen auf den Untergrund wirken.
Erzeugungsprojekte reichen von Ammoniak-Spaltung bis Biomethan
In der Kategorie Erzeugung entsteht am Kraftwerksstandort Scholven eine Demonstrationsanlage von Uniper und Thyssenkrupp Uhde zur Ammoniak-Cracking. Nach dem für das vierte Quartal 2026 geplanten Start soll die Anlage täglich bis zu 28 Tonnen Ammoniak zu rund 4 Tonnen Wasserstoff verarbeiten. Baugleiche Komponenten sollen die Übertragung auf großindustrielle Anlagen ermöglichen.
Das Projekt Metanica von Methanica, Nefigmann und Lucrat wandelt in einem Container Kohlendioxid und Wasserstoff bei 55 Grad Celsius in einspeisefähiges E-Methan um. Die biologische Methanisierung kommt ohne Edelmetalle und Rohgas-Vorreinigung aus, folgt dem Stromangebot und lässt sich über weitere Module skalieren.
Reverion hat für die Biomethananlage Mühlacker ein reversibles Kraftwerk entwickelt. Die containerbasierte Anlage wandelt Biogas mit einem Wirkungsgrad von 74,2 Prozent in Strom um. Bei überschüssigem Ökostrom kehrt sich der Prozess um: Aus biogenem Kohlendioxid entstehen dann Wasserstoff oder synthetisches Methan.
Anwendungstechnologien für Prozesswärme und Heizung
In der Kategorie Anwendungstechnologien haben das Gas- und Wärme-Institut Essen, Friedrich Ley, BASF und Sensirion ein Brennersystem für die Industrie entwickelt. Das System nutzt wahlweise Wasserstoff, Rohbiogas, synthetisches Erdgas, Ammoniak, Prozessgase oder Erdgas. Unternehmen können ihre Prozesswärme damit schrittweise umstellen, ohne sich frühzeitig auf einen Energieträger festzulegen.
VNG, Balance, DBFZ, UFZ und SHN entwickeln mit CapConcept ein Verfahren, das an bestehenden Biogasstandorten zum Einsatz kommen soll. Neben Biogas entstehen dabei biobasierte mittelkettige Carbonsäuren, die etwa in der Kosmetikindustrie fossile oder importierte Rohstoffe ersetzen können. Gegenüber herkömmlichen Verfahren senkt das Verfahren die CO₂-Emissionen um bis zu 75 Prozent.
DNV, GasTerra, Stedin, Intergas und Bekaert haben einen Mehrstoffheizkessel für Wohngebäude entwickelt. Der Heizkessel passt sich automatisch an Erdgas, Wasserstoff und Gasgemische an, sodass Gerätetausch und Netzumstellung zeitlich getrennt erfolgen können.
Abstimmung zum Publikumspreis läuft bis Oktober
Alle Nominierten können zusätzlich den Publikumspreis gewinnen. Die Abstimmung läuft im Rahmen der Innovationswochen vom 21. September bis zum 15. Oktober.
Zur Abstimmung






