Der aktuelle Halbjahresbericht der Preistransparenzplattform Fernwärme zeigt zum Stichtag 1. April 2026: Die Fernwärmepreise verharren seit 2023 auf stabilem Niveau. Für den typisierten Abnahmefall eines Mehrfamilienhauses mit 160 kW Anschlussleistung lag der Fernwärmepreis bei 15,6 ct/kWh brutto. Zum gleichen Stichtag im Vorjahr betrug der Wert ebenfalls 15,6 ct/kWh.
Die Zeitreihe seit Oktober 2021 zeigt den Verlauf im Detail: Der gewichtete Mischpreis stieg von 9,5 ct/kWh über 11,5 ct/kWh im April 2022 und 12,6 ct/kWh im Oktober 2022 auf einen Höchstwert von 17,4 ct/kWh im April 2023. Seither liegt der Durchschnittspreis über alle erfassten Netze bei rund 16 ct/kWh brutto. Für nahezu den gesamten erfassten Wärmeabsatz bewegen sich die Preise zwischen 12,5 und 17,5 ct/kWh. Grundlage dieser Auswertung sind 637 Unternehmen, die für den 160-kW-Abnahmefall einen Preis auf der Plattform veröffentlicht haben. Die Preisunterschiede resultieren aus dem Anteil lokal verfügbarer Energieträger wie Abwärme und Biomasse, da Fernwärme ein lokales Produkt darstellt.
Plattform bildet mehr als die Hälfte des Marktes ab
Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V. (AGFW), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) tragen die Preistransparenzplattform Fernwärme gemeinsam. Sie erfasst inzwischen 710 Teilnetze und repräsentiert damit mehr als 50 Prozent des deutschen Fernwärmeabsatzes. Die Plattform bildet 26.763 km Fernwärmenetz sowie einen Wärmeabsatz von rund 61.466 GWh ab.
Die Zahl der gemeldeten Teilnetze ist seit November 2024 kontinuierlich gestiegen: von 552 auf zuletzt 710 Teilnetze im April 2026. Das entspricht einem Zuwachs von 158 Teilnetzen seit Start der Plattform.
Feste Anpassungszyklen sorgen für Planbarkeit
61 Prozent der Unternehmen passen ihre Fernwärmepreise nur einmal pro Jahr an, 23 Prozent vierteljährlich und 13 Prozent halbjährlich. Monatliche Anpassungen betreffen lediglich 2 Prozent der Unternehmen. Die meisten Preisanpassungen erfolgen zum Jahresbeginn im Januar. Unterjährige Preisänderungen betreffen nur einen kleinen Teil der Kundinnen und Kunden. Die festen Zyklen verhindern, dass kurzfristige Schwankungen an den Energiemärkten unmittelbar auf die Wärmerechnung durchschlagen.
Ein Vergleich der Verbraucherpreisindizes seit 2020 (Basisjahr 2020 = 100) belegt die geringere Schwankungsanfälligkeit der Fernwärme gegenüber anderen Energieträgern. Während der Index für leichtes Heizöl im Zuge der Energiekrise 2022 auf über 300 Punkte stieg und Erdgas Werte um 220 Punkte erreichte, blieb der Fernwärme-Index deutlich niedriger und stieg erst zeitversetzt an. Die Folgen von Preisschocks an den Energiemärkten erreichen Fernwärmekunden laut Bericht mit einem Zeitversatz von 1 bis 2 Jahren.
Klimafreundliche Erzeugung nimmt zu
29 Prozent der auf der Plattform erfassten Fernwärmeerzeugung stammen aus klimafreundlichen Quellen. 314 der 710 gemeldeten Wärmenetze erfüllen bereits die Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes für 2030. Diese Netze decken mindestens 30 Prozent ihrer Wärmeerzeugung durch klimafreundliche Energieträger.
Trotzdem führt die Fernwärmeerzeugung aus Erdgas weiterhin mit einem Anteil von 53 Prozent, gefolgt von Kohle mit 17 Prozent. Unvermeidbare Abwärme und übrige Energieträger tragen 19 Prozent zur Erzeugung bei, Biomasse liegt bei 7 Prozent. Umwelt-, Geo- und Solarthermie sowie sonstige erneuerbare Energien kommen zusammen auf 3 Prozent.
VKU fordert höhere Förderung für den Netzausbau
Der stellvertretende VKU-Hauptgeschäftsführer Kai Lobo fordert eine Anhebung der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) von 1,4 Milliarden Euro auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zusätzlich verlangt der VKU Novellen der AVBFernwärme-Verordnung, der Wärmelieferverordnung und des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Diese Maßnahmen sollen den Ausbau der Fernwärmenetze beschleunigen und die Bezahlbarkeit der Fernwärme sichern.
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(Quelle: VKU /2026)






