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INES empfiehlt Einrichtung einer strategischen Resilienzreserve

Niedrige Speicherfüllstände zu Winterbeginn und neue geopolitische Risiken haben die Verwundbarkeit des deutschen Gassystems offengelegt. Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) spricht sich daher bei der Einrichtung einer strategischen Resilienzreserve für ein Volumen von 78 TWh aus. Ein solches Reservevolumen würde die Versorgungssicherheit nachhaltig stärken, ohne die Marktmechanismen außer Kraft zu setzen.

von | 06.03.26

Untergrundgasspeicher Bad Lauchstädt der VNG Gasspeicher. VNG ist Mitglied der INES.
© VNG AG/Torsten Proß, Jeibmann Photografik

Die Befüllung der Gasspeicher vor dem Winter 2025/26 war für sehr kalte Temperaturen unzureichend. Dass es bislang nicht zu einer ernsthaften Belastungsprobe für das Gassystem gekommen ist, lag maßgeblich an dem insgesamt normalen Temperaturniveau im Winter. Die strukturelle Verwundbarkeit des Systems besteht jedoch fort – und tritt angesichts geopolitischer Risiken deutlich zutage.

Die jüngsten Entwicklungen rund um die Straße von Hormus verdeutlichen, wie sensibel das europäische Gassystem auf externe Schocks reagiert, wenn die Speicherfüllstände niedrig sind. Höhere Speicherfüllstände stärken die Resilienz des Systems erheblich: Sie verschaffen Zeit, dämpfen Preisspitzen und erhöhen die Versorgungssicherheit im Krisenfall.

Bundesregierung will neue Instrumente zur Speicherbefüllung etablieren

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass starre Füllstandsvorgaben Marktverzerrungen erzeugen können und zugleich keine verlässliche Absicherung gegen außergewöhnliche Krisensituationen darstellen.

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag deshalb vorgenommen, die bestehenden Füllstandsvorgaben durch ein Instrument zu ersetzen, das eine versorgungssichere und zugleich kostengünstigere Befüllung der Gasspeicher gewährleistet. Mit einem Gutachten von Frontier Economics hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die Diskussion auf die Einrichtung einer strategischen Gasreserve in Deutschland ausgerichtet.

INES schlägt Resilienzreserve von 78 TWh vor

INES empfiehlt bei der Einrichtung einer strategischen Gasreserve einen Umfang von 78 TWh. Szenarioanalysen der INES zeigen, dass mit einer Reserve dieser Größenordnung beispielsweise ein vollständiger Ausfall norwegischer Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage überbrückt werden könnte.

Die theoretischen Kosten einer 78-TWh-Reserve liegen – abhängig vom Gaspreisniveau – im ersten Jahr schätzungsweise zwischen 2 und 4 Mrd. Euro. Diese Kosten entstehen vor allem durch die einmalige Befüllung und den damit verbundenen Gaseinkauf. In den Folgejahren fallen Haltekosten an, die deutlich unter den anfänglichen Einrichtungskosten liegen. Damit konzentriert sich der finanzielle Aufwand auf das erste Jahr. Die Gesamtkosten reduzieren sich im Zeitverlauf, wenn Reservemengen im Zuge der Transformation des Energiesystems abgesenkt und marktwertig veräußert werden.

Gestufter Aufbau zur Sicherung von kosteneffizienz und Marktanpassung

Mit der Einrichtung einer strategischen Reserve stehen dem Markt geringere Speicherkapazitäten zur Verfügung. Bei einer Gesamtkapazität von rund 251 TWh würde eine 78-TWh-Reserve rechnerisch rund 31 % der Kapazität binden. Gleichzeitig verblieben weiterhin etwa 69 % der Speicherkapazitäten im Markt.

Um Marktteilnehmern eine geordnete Anpassung an diese neue Kapazitätssituation zu ermöglichen und die Einrichtungskosten möglichst gering zu halten, schlägt INES einen baldmöglichen und zugleich preisoptimierten Aufbau der Reserve vor. Auf diese Weise kann der Markt schrittweise reagieren, während zugleich günstige Einkaufszeitpunkte bei der Einrichtung genutzt werden können.

Die Laufzeit der Reserve sollte mindestens fünf, idealerweise zehn Jahre betragen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und die Transaktionskosten, die insb. durch Ausschreibungen und Umlagerungen der Gasreserve entstehen, zu reduzieren.
Die Nutzung der strategischen Reserve sollte ausschließlich im klar definierten Krisenfall erfolgen.

INES: Versorgungssicherheit ist Ergebnis kluger Vorsorge

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der INES, erklärt: „Die normalen Wintertemperaturen haben uns in diesem Jahr vor einer ernsthaften Belastungsprobe bewahrt. Doch die niedrigen Speicherfüllstände in Kombination mit der aktuellen geopolitischen Situation haben gezeigt, wie verwundbar unser Gassystem ist. Eine strategische Resilienzreserve von 78 TWh würde Deutschland deutlich resilienter machen – planbar, wettbewerblich organisiert und mit Augenmaß aufgebaut. Versorgungssicherheit ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis kluger Vorsorge.“

 

Hintergrund

Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) ist ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher. Mit derzeit 16 Mitgliedern repräsentiert die INES über 90 % der deutschen Gasspeicherkapazitäten und etwa 25 % aller Gasspeicherkapazitäten in der EU. Die INES-Mitglieder treiben außerdem in zahlreichen Projekten die Entwicklung von Untergrund-Wasserstoffspeichern voran und gehören damit zu den Vorreitern dieser wichtigen Energiewende-Technologie.
Mitglieder der Initiative sind: Sefe Storage GmbH (ehem. astora GmbH), bayernugs GmbH, Enovos Storage GmbH, Erdgasspeicher Peissen GmbH, Etzel-Kavernenbetriebsgesellschaft mbH & Co. KG, EWE Gasspeicher GmbH, HanseWerk AG, OMV Gas Storage Germany GmbH, NAFTA Speicher GmbH & Co. KG, RWE Gas Storage West GmbH, STORAG ETZEL GmbH, Storengy Deutschland GmbH, Trianel Gasspeicher Epe GmbH & Co. KG, Uniper Energy Storage GmbH, USG-Blexen GmbH, und VNG Gasspeicher GmbH.

(Quelle: INES)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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