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Monitoring-Bericht zeigt Handlungsfelder auf – Branche fordert pragmatische Umsetzung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat am 15. September den von den Instituten BET und EWI erstellten Monitoringbericht zur Energiewende vorgestellt. Basierend auf den Erkenntnissen schlägt die Ministerin zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor. Die Energiebranche reagiert grundsätzlich positiv auf den Bericht, mahnt jedoch eine zügige und praxisorientierte Umsetzung an.

von | 17.09.25

Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat am 15. September den von den Instituten BET und EWI erstellten Monitoringbericht zur Energiewende vorgestellt. Basierend auf den Erkenntnissen schlägt die Ministerin zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor. Die Energiebranche reagiert grundsätzlich positiv auf den Bericht, mahnt jedoch eine zügige und praxisorientierte Umsetzung an.

Ministerin Reiche betont Realismus und Pragmatismus

Der Bericht zeigt: Deutschland hat beim Ausbau erneuerbarer Energien bereits große Fortschritte erzielt – fast 60 % des Stroms stammen heute aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen. Dennoch steht die Energiewende laut Ministerin Reiche an einem entscheidenden Punkt. „Wir brauchen jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die Energiewende kann nur durch mehr Pragmatismus und Realismus gelingen“, erklärte sie bei der Vorstellung.
Die zehn vorgeschlagenen Schlüsselmaßnahmen umfassen unter anderem eine ehrliche Bedarfsermittlung, marktdienliche Förderung erneuerbarer Energien, den synchronen Ausbau von Netzen und Flexibilitäten sowie die Implementierung eines technologieoffenen Kapazitätsmarkts bis 2027.

Konkret schlägt Bundesministerin Katherina Reiche diese zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vor:

  1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
  2. Erneuerbare Energien markt- und systemdienlich fördern
  3. Netze, Erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
  4. Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
  5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
  6. Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
  7. Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
  8. Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
  9. Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
  10. CCS/CCU als Klimaschutztechnologie etablieren

Den ausführlichen Monitoringbericht können Sie hier lesen: www.bundeswirtschaftsministerium.de

Die zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundlichen Schlüsselmaßnahmen im Detail finden Sie hier: BMWE – Klimaneutral werden – wettbewerbsfähig bleiben (PDF, 168 KB)

Branchenstimmen: Zustimmung mit Vorbehalten

BDEW: Überzeugender Ansatz, aber schnelle Umsetzung nötig

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, bezeichnete den Monitoringbericht als „überzeugenden Ansatz“. Besonders begrüßt wird die Fokussierung auf Systemeffizienz und die Synchronisation von erneuerbarem Ausbau und Netzinfrastruktur. Der BDEW warnt jedoch vor einem Nachlassen des Ausbautempos: „Der aktuelle Ausbaupfad der Erneuerbaren beschreibt eine ‘sowieso’-Notwendigkeit“, so Andreae.
Mit Blick auf den prognostizierten Strombedarf von 600 bis 700 TWh betont der Verband, dass die Unternehmen auf eine mögliche Steigerung durch konjunkturelle Erholung und neue Stromverbraucher wie Rechenzentren oder Elektrolyseure vorbereitet sein müssen. Entscheidend sei die Vermeidung eines “Deutsche-Bahn-Effekts” bei der Infrastruktur.

DVGW: Wasserstoff-Potenziale noch nicht ausgeschöpft

Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, würdigt die Anerkennung der Wasserstoff-Rolle im Monitoring, sieht aber noch ungenutztes Potenzial. Positiv bewertet er die Einstufung von Wasserstoffspeichern als zentrale Flexibilisierungsoption und die Anerkennung der saisonalen Stromspeicherung durch die Kombination von Elektrolyse, Speicherung und Rückverstromung.
Kritisch äußert sich Linke jedoch zur Beschränkung des Wasserstoffeinsatzes hauptsächlich auf Industrie und Energiesektor: „Skeptisch sehen wir, dass der Einsatz von Wasserstoff vor allem in der Industrie, im Energiesektor sowie zur Erzeugung von Prozesswärme auf hohem Temperaturniveau als notwendig erachtet wird, seine Potenziale im Gebäude- und im Verkehrssektor sowie das Gasverteilnetz als wichtiges Element der Energieinfrastruktur hingegen weiterhin als nicht signifikant eingestuft werden. Da geht noch mehr…“ Er warnt davor, die über 500.000 km Gasverteilnetz nicht ausreichend zu nutzen und damit Chancen zu vergeben.

VKU: Ganzheitliche Energiepolitik mit marktwirtschaftlichen Signalen

Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer, sieht in dem Monitoring-Bericht und dem 10-Punkte-Plan „Maßstäbe für ganzheitliche Energiepolitik“. Er weist Befürchtungen zurück, die Energiewende werde abgewickelt: „Das Gegenteil ist richtig: Die Klimaziele gelten weiter, genauso wie der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien“.
Der VKU unterstützt den Fokus auf Kosteneffizienz und Pragmatismus, fordert aber mehr Vertrauen in die Unternehmen und weniger “gesetzgeberisches Micro Management”. Besondere Aufmerksamkeit richtet Liebing auf den NEST-Prozess der Bundesnetzagentur: “Gelingt hier kein fairer Ausgleich von Netzbetreiber- und Verbraucherinteressen, wird die Energiewende nicht umsetzbar sein.”

Fazit: Richtung stimmt, Tempo ist entscheidend

Der Monitoringbericht zur Energiewende stößt in der Branche auf breite Zustimmung für die grundsätzliche Richtung. Alle Verbände betonen jedoch die Notwendigkeit einer schnellen und praxisorientierten Umsetzung der identifizierten Maßnahmen. Während der Ausbau erneuerbarer Energien weiter vorangetrieben werden muss, rücken zunehmend Systemeffizienz, Kostenoptimierung und die Schaffung verlässlicher Investitionsrahmen in den Fokus. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Politik und Branche gemeinsam die Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit erfolgreich gestalten können.
(Quellen: BMWE, BDEW, DVGW, VKU)

BNetzA-Maßnahmen schaden der Investitionsfähigkeit

BDEW und VKU legten heute am 17.09.2025 neue Berechnungen zu den Folgen der geplanten Neugestaltung der Anreizregulierung (NEST) vor. Während die Bundesnetzagentur im Mai prognostizierte, dass die geplanten Methodenänderungen keine Erlössenkung zur Folge haben, zeigen die aktualisierten Branchen-Hochrechnungen ein drastisches Bild: Insgesamt ergeben sich Erlösrückgänge von rund 5 Milliarden Euro: 3,5 Milliarden bei Stromnetzen und 1,5 Milliarden bei Gasnetzen. Der deutliche Anstieg erklärt sich durch bisher nicht bewertete Effekte: unterschätzte Auswirkungen der Methodikänderungen beim Effizienzvergleich und den voraussichtlichen Wegfall der Korrektur des Wagniszuschlags. Besonders problematisch ist die überraschend vorgestellte Umstellung bei der Ermittlungsmethodik des Fremdkapitalzinses auf einen starren Siebenjahresdurchschnitt, die allein zu etwa 2 Milliarden Euro Erlösminderung führt. Für Investoren ist der Wert des Netzbetreibers relevant, der sich aus kalkulatorischem Anlagevermögen und regulatorisch zugestandenem Eigenkapitalzins bemisst. Weitere Verschlechterungen im Regulierungsrahmen senden falsche Signale an Investoren und gefährden die Investitionsfähigkeit der Netzbetreiber.

Lesen Sie dazu mehr: www.bdew.de

(Quellen: BDEW, VKU)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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