Generic filters
FS Logoi

Stabile Energieinfrastruktur: Breite Branchenallianz warnt vor Kurswechsel bei Erdverkabelung

Eine Allianz führender Branchenverbände unter Beteiligung des Rohrleitungsbauverbandes (rbv) spricht sich mit Nachdruck dafür aus, die Nutzung der Erdverkabelung bei Gleichstromprojekten beizubehalten. Die Initiative repräsentiert mehrere tausend deutsche Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Kabel- und Rohrherstellern über Leitungsbau und Tiefbau bis hin zu spezialisierten Technologieanbietern.

von | 21.04.26

Kabeleinzug für das DolWin6-Projekt der Firma TenneT, aufgenommen in Hilgenriedersiel
Foto: Axel Schmidt/TenneT, www.axelschmidt.net

Die gemeinsame Botscha­ft ist eindeutig: Erdkabel sind kein technisches Detail, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor für eine stabile und resiliente Energieinfrastruktur in Deutschland.

Akzeptanz beschleunigt Umsetzung: Messbarer Systemnutzen

Gleichstrom-Erdkabel genießen hohe gesellschaft­liche Akzeptanz. Vereinbarungen mit landwirtschaftlichen Verbänden und repräsentative Umfragen belegen breite Unterstützung. Diese Akzeptanz ist ein zentraler Beschleunigungsfaktor für Genehmigungen und Bau. Ein konkretes Beispiel: Das Projekt A-Nord wird ab 2027 jährlich rund 700 Mio. Euro Redispatch-Kosten einsparen. Entscheidend für die Gesamtwirtschaftlichkeit ist damit nicht allein der Baupreis, sondern die schnelle Inbetriebnahme und Reduzierung systemischer Engpasskosten. Hybridlösungen können laut Netzbetreibern bis zu 70 Mio. Euro pro Übergabestation zusätzlich kosten.

Planungssicherheit ist Standortpolitik

rbv-Hauptgeschäftsführerin Dipl.-Ing. Martina Buschmann und Dipl.-Ing. Susanne Hake, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, erklären gemeinsam: „Unsere Unternehmen haben Kapazitäten aufgebaut, Fachkräfte eingestellt und in Maschinen investiert, im Vertrauen auf klare und verlässliche Fahrpläne. Planungssicherheit ist kein Detail, sondern Voraussetzung für stabile Investitionen und sichere Arbeitsplätze. Ein grundlegender Kurswechsel würde Projekte verzögern, Mehrkosten verursachen und Beschä­ftigung gefährden. Das hat auch der Monitoringbericht Energiewende ausdrücklich festgestellt.“

Die Allianz warnt ausdrücklich vor möglichen Arbeitsplatzverlusten, sollten bereits angestoßene Investitionen durch politische Unsicherheit entwertet werden.

Europäische Wertschöpfung sichern

Dr. Volker Wendt, Generalsekretär von Europacable, betont: „Erdkabel sind technologische Spitzenprodukte aus Europa. Sie schaffen Akzeptanz für den erforderlichen Netzausbau, stärken unsere industrielle Wertschöpfung, sichern Know-how und reduzieren strategische Abhängigkeiten. Wer Erdverkabelung infrage stellt, schwächt die europäische Industrie und ihre weltweite Technologieführung.“

Europäische Hersteller haben in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in Produktions- und Entwicklungskapazitäten in Deutschland und Europa investiert. Diese gilt es nachhaltig zu sichern.

Resilienz in Zeiten zunehmender Angriffe

Die Sicherheit kritischer Energieinfrastruktur steht zunehmend im Fokus. Sabotageakte und Angriff wie zuletzt in Berlin oder Grünheide zeigen die Verwundbarkeit exponierter Strukturen. Unterirdische Leitungen sind gegenüber physischen Angriffen, Extremwetterereignissen und klimatischen Belastungen deutlich robuster. Sie ermöglichen darüber hinaus digitale Überwachungssysteme, etwa durch Glasfaser-gestützte Monitoring-Technologien.

Annika Bach, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Grabenlose Technologien, erklärt: „Erdkabel sind keine Option, sondern die Grundlage einer akzeptierten Energiewende. Wer den Netzausbau beschleunigen will, darf die gesellschaftliche Akzeptanz und die investierte technologische Kompetenz nicht infrage stellen. Moderne Gleichstrom-Erdkabel können in Kombination mit grabenlosen Verfahren effizient, bodenschonend und resilient umgesetzt werden. Planungssicherheit ist dafür die zentrale Voraussetzung.“

Wirtschaftlichkeit im Gesamtbild betrachten

Zwar sind Freileitungen im reinen Bau günstiger. Doch das häufig zitierte Einsparpotenzial von 20 Mrd. Euro ist laut Monitoringbericht der Bundesregierung nicht belastbar. Entscheidend ist die Gesamtrechnung: Verzögerungen, Umplanungen und Hybridlösungen treiben Kosten erheblich.

Gemeinsamer Appell

Die Allianz fordert:

  • die Erdverkabelung bei Gleichstromprojekten nicht grundsätzlich infrage zu stellen,
  • Planungssicherheit für Industrie, Bauwirtschaft und Netzbetreiber zu gewährleisten,
  • Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern,
  • und den Netzausbau konsequent voranzubringen.

 

Das gemeinsame Positionspapier der Verbände finden Sie hier

(Quelle: Bundesverband grabenlose Technologien, Europacable AISBL, Gütegemeinschaft Leitungstiefbau, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Kunststoffrohrverband, Rohrleitungsbauverband, Verband Güteschutz Horizontalbohrungen (DCA))

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Referentenentwurf zum Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge
Referentenentwurf zum Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge

Das BMWE hat am 13. Oktober den Referentenentwurf für ein Gesetz zur Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge in die Verbändekonsultation gegeben. Nach einem ersten Branchengespräch im Juli liegt damit erstmals ein konkreter gesetzlicher Rahmen für die geplante strategische Gasreserve vor. Stellungnahmen können bis Montag, den 19. Oktober 2026, um 12:00 Uhr eingereicht werden.

mehr lesen
HEATEXPO: Lösungen für Wärme, Kälte und Infrastruktur
HEATEXPO: Lösungen für Wärme, Kälte und Infrastruktur

Die Transformation der Wärme- und Kälteversorgung stellt unterschiedliche Anforderungen an Technik, Infrastruktur, Planung und Betrieb. Die HEATEXPO vom 24. bis 26. November bildet diese Bandbreite 2026 auch in ihrem Ausstellerportfolio ab: Junge Unternehmen mit spezialisierten Lösungen treffen auf etablierte Anbieter, die Technologien und Dienstleistungen für größere Gebäude-, Versorgungs- und Industrieprojekte einbringen.

mehr lesen
Fraunhofer ISE optimiert Wärmepumpen für Industrieprozesse und Wärmenetze
Fraunhofer ISE optimiert Wärmepumpen für Industrieprozesse und Wärmenetze

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben in einem neuen Teststand für Hochtemperaturwärmepumpen die Bereitstellung von Prozessdampf bis zu 160 °C sowie von Druckheißwasser detailliert analysiert. Zudem wurden bei einem Monitoring von fünf Großwärmepumpen in Fernwärmenetzen Erkenntnisse zu Auslegung und Betriebsführung aus dem realen Anlagenbetrieb gewonnen.

mehr lesen
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau
Live-Webinar: Muffensysteme für einen effizienten Wärmenetzausbau

Wie lassen sich Fern- und Nahwärmenetze unter hohem Zeit- und Kostendruck effizient realisieren? Dieser Frage widmet sich das Live-Webinar von BGS am 12. November 2026 um 11 Uhr. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Muffensysteme und ihr Einfluss auf Montageaufwand, Baustellenablauf und Wirtschaftlichkeit.

mehr lesen

Publikationen zum Thema