Generic filters
FS Logoi

„Gesetz zum Breitbandausbau ist Kostenfalle und Gefahr für Netze“

Bauindustrie warnt vor versteckten Kosten bei Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze.

von | 25.08.16

Vor versteckten Kosten warnt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB) beim Breitbandausbau. Anfang Juli hatte der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetzG) verabschiedet. Die Kosten für den Glasfaserausbau sollen dadurch deutlich gesenkt werden, so die Regierung. Ein Kernaspekt des neuen Gesetzes – die Nutzung bestehender Kanalnetze zur Verlegung von Glasfaserkabeln – droht nach Ansicht des HDB zur Kostenfalle zu werden. Außerdem stelle das Gesetz eine Gefahr für die Betriebssicherheit der bestehenden Kanalnetze dar.
Der Geschäftsführer der Bundesfachabteilung Leitungsbau (BFA LTB) im HDB, Dieter Hesselmann, kritisiert: „Von Seiten der Regierungskoalition heißt es, das neue Gesetz werde die Kosten beim Breitbandausbau deutlich senken. Eine solch pauschale Aussage muss jedoch kritisch hinterfragt werden, denn sie betrachtet nur die Perspektive der Telekommunikationsanbieter. Wesentliche Kosten für Untersuchungen und Überwachungen der Ver- und Entsorgungsnetze, die mit der Verlegung von Glasfaserkabeln in bestehenden Kanalnetzen verbunden sind, bleiben in dieser Rechnung unberücksichtigt“, so Hesselmann.
Aus Sicht des HDB gefährdet die Nutzung bestehender Infrastrukturen für den Breitbandausbau auch die Betriebssicherheit der Ver- und Entsorgungsnetze. „Die Wartungs- und Reinigungsarbeiten, beispielsweise von Abwasserrohren, werden erheblich erschwert – zum Teil sogar unmöglich –, da die Kanalreinigung die Glasfaserkabel beschädigen würde. Zudem sind Verstopfungen der Rohrsysteme zu befürchten, wenn z.B. nach starkem Regen Treibgut an den Kabeln hängen bleibt“, so Hesselmann. Schließlich fehle es auch an technischen Normen und Regelungen, die eine sichere Verlegung von Kabeln in Abwasserleitungen gewährleisten würden.
Ein Rechtsanspruch zur Mitnutzung von Strom- oder Abwassernetzen erhalten Telekommunikationsanbieter durch das neue Gesetz nicht, stellt der HDB klar und widerspricht damit Ulrich Lange, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Verkehr und digitale Infrastruktur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Betreiber öffentlicher Versorgungssysteme können die Mitnutzung ihrer Netze durch Telekommunikationsanbieter ablehnen, wenn dafür wichtige Gründe vorliegen“, so Hesselmann. Als Ablehnungsgrund kann beispielsweise gelten, dass es in den bestehenden Netzen an Platz für Glasfaserkabel mangelt, in Folge der Verlegung von Glasfaserkabeln die öffentliche Gesundheit gefährdet wird oder die Mitnutzung zu erheblichen Störungen im Kanalsystem führen würde. „Es ist davon auszugehen, dass in zahlreichen Fällen die Mitnutzung an solchen praktischen Hürden scheitern wird, weshalb die im Gesetz genannten Einsparpotenziale beim Breitbandausbau von 25 % nur schwer zu realisieren sein werden“, erläutert Hesselmann.
Hintergrund: Die Bundesfachabteilung Leitungsbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ist die bundesweite politische Spartenvertretung hochqualifizierter Bauindustriefirmen aus den Bereichen Bau und Instandhaltung von Abwasserleitungen und -kanälen, Bau von Versorgungs-leitungen (Gas, Wasser, Fernwärme) sowie von Kabel- und Telekommunikationsleitungen. Die Mitglieder der BFA LTB sind erfahrene Leitungsbauunternehmen mit hoher technischer Kompetenz und qualifiziertem Fachpersonal. Sie gehören alle den Landesverbänden der Bauindustrie an.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Informier' dich doch!

Jetzt den monatlichen 3R-info-Newsletter abonnieren!

Saarland startet Bau grenzüberschreitender Wasserstoffleitung
Saarland startet Bau grenzüberschreitender Wasserstoffleitung

Der Netzbetreiber Creos Deutschland hat in Wallerfangen den Bau einer neuen Wasserstoffleitung gestartet. Die rund 17 Kilometer lange Trasse zwischen Leidingen und Dillingen bildet den deutschen Abschnitt der grenzüberschreitenden Verbindung MosaHYc, die künftig Wasserstoff aus Frankreich ins Saarland transportieren soll. Die Bauarbeiten sollen rund eineinhalb Jahre dauern.

mehr lesen
Stadtentwässerungen rüsten sich gegen Trockenheit und Fachkräftemangel
Stadtentwässerungen rüsten sich gegen Trockenheit und Fachkräftemangel

Trockene Sommer und ein wachsender Fachkräftemangel setzen kommunale Abwasserbetriebe unter Druck. Das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) hat mit 2 Initiativen im Rahmen des KomNetABWASSER reagiert: einem Strategiedialog zu Trockenheit und Hitze sowie einer neuen berufsbegleitenden Studienreihe für Fachkräfte in der Stadtentwässerung. Beide Angebote richten sich an kommunale Betriebe, die sich auf veränderte Bedingungen einstellen müssen.

mehr lesen
Krankenhaus schließt an neues Fernwärmenetz an
Krankenhaus schließt an neues Fernwärmenetz an

Das Klinikum Bremen-Nord hat seine Wärmeversorgung von Erdgas auf Fernwärme umgestellt. Das hat Enercity Contracting am 2. September mitgeteilt. Seit dem 22. Juni hat das Krankenhaus Wärme aus dem Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk im Wollkämmerei-Quartier über das neue Netz bezogen. Die Umstellung hat jährlich 7,7 Millionen Kilowattstunden Erdgas und rund 1.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Der Anschluss markiert zugleich den Abschluss des ersten Bauabschnitts des Wärmenetzes in Bremen-Nord.

mehr lesen
Wie lässt sich die Regenwasserbewirtschaftung digital planen?
Wie lässt sich die Regenwasserbewirtschaftung digital planen?

Der AquaFlowManager von Funke Kunststoffe unterstützt die digitale Planung und Dimensionierung von Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung. Das webbasierte Tool führt Planer, Kommunen und ausführende Unternehmen von der Berechnung über Produktauswahl und Kostenabschätzung bis zur Dokumentation.

mehr lesen

Publikationen zum Thema