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Erdgasleitung NEL: Das Gold neben der Pipeline

Der Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung hat sich für Archäologen als Glücksfall erwiesen. Zusammen mit den Energiefirmen machten sie etliche Funde.

von | 02.09.13

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Die Arbeit als Archäologe kann so einfach sein. Alles, was man braucht, ist ein aussichtsreiches Projekt, Mitarbeiter, so viele man will, und unbegrenzter Zugang zu moderner Grabungs- und Analyse-Technik. Wenn man dann noch jemanden findet, der das alles bezahlt, fehlt nur noch ein spektakulärer Fund, am besten ein Goldfund, und schon bekommt die eigentlich eher unwahrscheinliche Geschichte auch noch ein glückliches Ende.

Der Investor muss zahlen

Eine so glückliche Geschichte hat der Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung NEL hervorgebracht, die von Lubmin bei Greifswald bis nach Rehden auf halber Strecke zwischen Bremen und Osnabrück verläuft. Zu danken ist das den Landesgesetzen für Bodendenkmäler in Deutschland. Sie sehen vor, dass die bei Bauprojekten dieser Art entdeckten archäologischen Objekte wissenschaftlich bearbeitet werden müssen. Und dass der Bauträger dafür die Kosten übernehmen muss.

So kam es, dass die an der NEL beteiligten Firmen Wingas, Gasunie, Fluxys und Eon von vornherein eine Zweckgemeinschaft mit der Wissenschaft eingingen. Bei dem rund eine Milliarde Euro teuren Projekt wollten sie nicht riskieren, wegen eines Überraschungsfundes einen längeren Baustopp einlegen zu müssen. Ihre Vorsicht zahlte sich aus, als 2012 bei Syke unweit von Bremen der Goldschatz von Gessel entdeckt wurde. „Der Fund ist ein echter Glücksfall“, sagt Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. „Hätte er nur ein paar Meter weiter von der Trasse gelegen, hätten wir ihn nicht entdeckt.“

Der 1,7 kg schwere und gut 3.500 Jahre alte Fund aus der Bronzezeit besteht aus 117 Goldstücken, von denen aber nur zwei echte Schmuckstücke sind. Die anderen Teile wurden als Spiralen aufgedreht. Wahrscheinlich sollten sie als Rohstoff für die weitere Verarbeitung und als Währung für Tauschgeschäfte dienen. Wer sie vergraben hat und warum, ist noch nicht klar. Dadurch, dass die Archäologen vor den Bauarbeitern auf der Trasse waren, hatten sie Zeit, den Fund in Ruhe zu untersuchen.

Winghart sagt, es gebe schon seit gut 30 Jahren ähnliche Kooperationen. Er habe aber noch nie eine so gute Zusammenarbeit erlebt. Die Energiefirmen hätten eigens eine Archäologin angestellt, um eine Expertin als Ansprechpartnerin zu haben. Winghart konnte weitere drei Archäologen einstellen, die von den Unternehmen bezahlt wurden. Die gesamten Aufwendungen für die Ausgrabungen beziffert NEL-Sprecherin Tatjana Braun auf eine Summe im unteren zweistelligen Millionenbereich. Das ist eine Menge Geld in einer Branche, in der viele Grabungen nur mit kostenlosen Praktikanten von den Universitäten möglich sind.

Sechs Grabungsfirmen übernahmen die Untersuchungen. Von Ende 2010 an arbeiteten sich entlang der 6 m breiten Trasse mehr als hundert Mitarbeiter durch das Gelände. In Mecklenburg-Vorpommern gruben die Archäologen nur bei Verdacht. Auf dem niedersächsischen Teilstück jedoch wurden die gesamten 200 km untersucht – eine Fläche von insgesamt 7 m2.

Die NEL ist insgesamt 440 km lang. Sie verlängert die Ostsee-Pipeline Nord-Stream, die seit Oktober letzten Jahres in Betrieb ist. Im November soll die volle Auslastung mit 20 Milliarden m3 Erdgas pro Jahr erreicht werden, das entspricht etwa einem Fünftel des Erdgasbedarfs Deutschlands. Das Gas soll aus Russland zunächst nach Deutschland und danach auch nach Dänemark, in die Niederlande, nach Belgien, Frankreich und Großbritannien gepumpt werden. Das letzte Stück Leitung wird gerade südlich von Hamburg verlegt.

Weil aber die Grabungen schon im Juni abgeschlossen wurden, kann das Landesmuseum Hannover schon jetzt in der Ausstellung „Im Goldenen Schnitt“ die herausragenden Funde zeigen. Nicht nur die Ausgrabung, auch das Konzept der Ausstellung ist von der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geprägt. Dennis von Wildenrath vom Landesmuseum sagt, man wolle zeigen, dass es schon vor Tausenden Jahren einen Austausch von Rohstoffen zwischen Europa und Asien gab. Der Goldschatz von Gessel ist ein perfekter Beleg dafür.

Die Archäologen haben ihn zunächst als Block mitsamt Erdreich aus dem Boden geschnitten und ins Labor des Landesamtes gebracht. Computertomografische Untersuchungen ergaben, dass das Gold vermutlich in ein Leinentuch eingewickelt war, das mit einer Bronzenadel verschlossen wurde. Metallanalysen der Universität Hannover an einem der Stücke zeigten, dass das Material aus Mittelasien stammt. In der Bronzezeit habe es ein weit gespanntes Netz von Handelsbeziehungen von Ägypten über Asien bis nach Europa gegeben, sagt Winghart. Weitere Analysen müssten nun zeigen, ob Teile des Schatzes aus anderen Regionen stammen.

150 Stellen, Tausende Artefakte

Die Archäologen entdeckten an der Pipeline-Trasse eine 11.000 Jahre alte Frauendarstellung aus der Steinzeit, die älteste Menschdarstellung in der norddeutschen Tiefebene, sowie Perlen aus der römischen Kaiserzeit und etliche Gräber und Siedlungen aus unterschiedlichen Epochen. Insgesamt wurden 150 Fundstellen mit Tausenden Artefakten bearbeitet. „Uns waren bis dahin nur 16 % dieser Bodendenkmäler bekannt“, sagt Winghart.

In Gessel will er weitere Untersuchungen anstellen – jedoch ohne Unterstützung der Energiefirmen. Dazu wird er wie üblich Anträge auf öffentliche Gelder stellen. Der Alltag hat den Archäologen wieder.

Die Arbeit als Archäologe kann so einfach sein. Alles, was man braucht, ist ein aussichtsreiches Projekt, Mitarbeiter, so viele man will, und unbegrenzter Zugang zu moderner Grabungs- und Analyse-Technik. Wenn man dann noch jemanden findet, der das alles bezahlt, fehlt nur noch ein spektakulärer Fund, am besten ein Goldfund, und schon bekommt die eigentlich eher unwahrscheinliche Geschichte auch noch ein glückliches Ende.

Der Investor muss zahlen

Eine so glückliche Geschichte hat der Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung NEL hervorgebracht, die von Lubmin bei Greifswald bis nach Rehden auf halber Strecke zwischen Bremen und Osnabrück verläuft. Zu danken ist das den Landesgesetzen für Bodendenkmäler in Deutschland. Sie sehen vor, dass die bei Bauprojekten dieser Art entdeckten archäologischen Objekte wissenschaftlich bearbeitet werden müssen. Und dass der Bauträger dafür die Kosten übernehmen muss.

So kam es, dass die an der NEL beteiligten Firmen Wingas, Gasunie, Fluxys und Eon von vornherein eine Zweckgemeinschaft mit der Wissenschaft eingingen. Bei dem rund eine Milliarde Euro teuren Projekt wollten sie nicht riskieren, wegen eines Überraschungsfundes einen längeren Baustopp einlegen zu müssen. Ihre Vorsicht zahlte sich aus, als 2012 bei Syke unweit von Bremen der Goldschatz von Gessel entdeckt wurde. „Der Fund ist ein echter Glücksfall“, sagt Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. „Hätte er nur ein paar Meter weiter von der Trasse gelegen, hätten wir ihn nicht entdeckt.“

Der 1,7 kg schwere und gut 3.500 Jahre alte Fund aus der Bronzezeit besteht aus 117 Goldstücken, von denen aber nur zwei echte Schmuckstücke sind. Die anderen Teile wurden als Spiralen aufgedreht. Wahrscheinlich sollten sie als Rohstoff für die weitere Verarbeitung und als Währung für Tauschgeschäfte dienen. Wer sie vergraben hat und warum, ist noch nicht klar. Dadurch, dass die Archäologen vor den Bauarbeitern auf der Trasse waren, hatten sie Zeit, den Fund in Ruhe zu untersuchen.

Winghart sagt, es gebe schon seit gut 30 Jahren ähnliche Kooperationen. Er habe aber noch nie eine so gute Zusammenarbeit erlebt. Die Energiefirmen hätten eigens eine Archäologin angestellt, um eine Expertin als Ansprechpartnerin zu haben. Winghart konnte weitere drei Archäologen einstellen, die von den Unternehmen bezahlt wurden. Die gesamten Aufwendungen für die Ausgrabungen beziffert NEL-Sprecherin Tatjana Braun auf eine Summe im unteren zweistelligen Millionenbereich. Das ist eine Menge Geld in einer Branche, in der viele Grabungen nur mit kostenlosen Praktikanten von den Universitäten möglich sind.

Sechs Grabungsfirmen übernahmen die Untersuchungen. Von Ende 2010 an arbeiteten sich entlang der 6 m breiten Trasse mehr als hundert Mitarbeiter durch das Gelände. In Mecklenburg-Vorpommern gruben die Archäologen nur bei Verdacht. Auf dem niedersächsischen Teilstück jedoch wurden die gesamten 200 km untersucht – eine Fläche von insgesamt 7 m2.

Die NEL ist insgesamt 440 km lang. Sie verlängert die Ostsee-Pipeline Nord-Stream, die seit Oktober letzten Jahres in Betrieb ist. Im November soll die volle Auslastung mit 20 Milliarden m3 Erdgas pro Jahr erreicht werden, das entspricht etwa einem Fünftel des Erdgasbedarfs Deutschlands. Das Gas soll aus Russland zunächst nach Deutschland und danach auch nach Dänemark, in die Niederlande, nach Belgien, Frankreich und Großbritannien gepumpt werden. Das letzte Stück Leitung wird gerade südlich von Hamburg verlegt.

Weil aber die Grabungen schon im Juni abgeschlossen wurden, kann das Landesmuseum Hannover schon jetzt in der Ausstellung „Im Goldenen Schnitt“ die herausragenden Funde zeigen. Nicht nur die Ausgrabung, auch das Konzept der Ausstellung ist von der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geprägt. Dennis von Wildenrath vom Landesmuseum sagt, man wolle zeigen, dass es schon vor Tausenden Jahren einen Austausch von Rohstoffen zwischen Europa und Asien gab. Der Goldschatz von Gessel ist ein perfekter Beleg dafür.

Die Archäologen haben ihn zunächst als Block mitsamt Erdreich aus dem Boden geschnitten und ins Labor des Landesamtes gebracht. Computertomografische Untersuchungen ergaben, dass das Gold vermutlich in ein Leinentuch eingewickelt war, das mit einer Bronzenadel verschlossen wurde. Metallanalysen der Universität Hannover an einem der Stücke zeigten, dass das Material aus Mittelasien stammt. In der Bronzezeit habe es ein weit gespanntes Netz von Handelsbeziehungen von Ägypten über Asien bis nach Europa gegeben, sagt Winghart. Weitere Analysen müssten nun zeigen, ob Teile des Schatzes aus anderen Regionen stammen.

150 Stellen, Tausende Artefakte

Die Archäologen entdeckten an der Pipeline-Trasse eine 11.000 Jahre alte Frauendarstellung aus der Steinzeit, die älteste Menschdarstellung in der norddeutschen Tiefebene, sowie Perlen aus der römischen Kaiserzeit und etliche Gräber und Siedlungen aus unterschiedlichen Epochen. Insgesamt wurden 150 Fundstellen mit Tausenden Artefakten bearbeitet. „Uns waren bis dahin nur 16 % dieser Bodendenkmäler bekannt“, sagt Winghart.

In Gessel will er weitere Untersuchungen anstellen – jedoch ohne Unterstützung der Energiefirmen. Dazu wird er wie üblich Anträge auf öffentliche Gelder stellen. Der Alltag hat den Archäologen wieder.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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